Lärmbegrenzungen

Nach Forderung von Gabriela Suter: Motorradfahrer versammeln sich auf Gotthard zum Widerstand

Motorradfahrer versammeln sich auf Gotthard zum Widerstand

Motorradfahrer versammeln sich auf Gotthard zum Widerstand

Die Aargauer SP-Nationalrätin Gabriela Suter will laute Motorräder verbieten. Auf der Gotthardpasshöhe haben rund 200 Motorradfahrer gegen die drohenden Lärmbegrenzungen protestiert. Auch SVP-Nationalrat Walter Wobmann (SO) bezeichnet die Idee als «Blödsinn».

Triumph- und Harley-Davidson-Fahrer, BMW- und Ducati-Liebhaber, Kawasaki- und Suziki-Piloten aus allen Landesteilen sind am Samstagmorgen auf der Gotthardpassstrasse zum Hospiz gekurvt. Dort wurden sie von der Tessiner Polizei auf einen abgesperrten Abschnitt der alten, noch mit Kopfsteinen gepflasterten Strasse gelotst.

Sorgfältig, unter Mithilfe der Polizei, parkierten sie rückwärts ihre Maschinen in zwei Kolonnen an den Strassenrand. Einige Motorräder waren mit Totenköpfen dekoriert, alle aber sauber geputzt und mit blank polierten Auspuffrohren.

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Umstrittene Lärmobergrenze

Grund des Aufmarsches waren drohende schärfere Lärmvorschriften. Für Unmut sorgen in Töfffahrer-Kreisen insbesondere zwei parlamentarische Initiativen, die Nationalrätin Gabriela Suter (SP/AG) in der Juni-Session eingereicht hat. Zum einen verlangt sie gesetzliche Grundlagen für den Einsatz von Lärmradargeräten.

Zum anderen fordert sie ein generelles Fahrverbot für Motorräder mit einem Standpegel von über 95 Dezibel. «In der Schweiz sind die überlauten Motorräder insbesondere auf beliebten Passstrassen in den Voralpen und Alpen, aber auch im Mittelland ein grosses Ärgernis. Der Lärm beeinträchtigt Mensch und Natur übermässig», schrieb Suter.

«Kommt Enteignung gleich»

Entsetzen löste sie damit bei Bernd Hanisch aus. Der Präsident der Motorradgemeinschaft Fighter Friends hatte die Versammlung auf dem Gotthard organisiert. Bei einer Lärmgrenze von 95 Dezibel Standgeräusch dürften viele zugelassene Motorräder nicht mehr gefahren werden, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dies komme einer Enteignung gleich.

Hanisch kritisierte zudem, dass der Grenzwert nicht aussagekräftig sei für den tatsächlichen Lärm, den ein Motorrad etwa bei Tempo 50 und mit tiefer Drehzahl während der Durchfahrt durch ein Dorf erzeuge. Es seien vor allem «schwarze Schafe», die für Diskussionen sorgten. Es brauche deswegen mehr fachkundiges Personal bei der Polizei, damit entsprechende Kontrollen durchgeführt werden könnten.

Ein älterer Motorradfahrer an der Kundgebung bestätigte dies. Es wäre besser, die "Deppen", die in Dörfern die Motoren aufheulen liessen, gezielt anzugehen, sagte er. Dies gelte aber nicht nur für die Motorrad-, sondern auch für die Autofahrer.

Angesprochen auf die Demonstration reagiert Gabriela Suter verwundert: «Es ist erstaunlich, dass sie für ihr Recht protestieren, Lärm – übermässigen Lärm – zu erzeugen", sagt die SP-Nationalrätin gegenüber Tele M1. 

SVP-Wobmann: «Völliger Blödsinn»

Vorbild für Suters Initiative ist Tirol. Sie schreibt: «Auf beliebten Ausflugsstrecken sind ab 10. Juni 2020 Motorräder verboten, deren Standgeräusch 95 Dezibel überschreitet. Damit reagiert Tirol auf die Lärmbelästigung durch lärmende Motorräder.» Das Verbot soll zu einer spürbaren Entlastung für Mensch und Natur geführt haben. 

Als «völliger Blödsinn» bezeichnet Walter Wobmann die Idee. Dennoch steht der SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizer Motorradverbands nicht hinter der Demo vom Samstag. Noch nicht. Das sei eine andere Strategie als er aktuell verfolge, sagt Wobmann gegenüber Tele M1: «Wir versuchen es zuerst auf dem politischen Weg und wenn dieser solche Verbote nicht verhindert, dann planen wir natürlich eine Grossdemo.» (sda/sam

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