SRF-«Club»

Morena Diaz über ihren Vergewaltiger: «Er sagte etwas wie: ‹Geniess es, schalt einfach den Kopf ab›»

Morena Diaz im SRF-Club: «Ich habe klar kommuniziert, dass ich das nicht will»

Morena Diaz im SRF-Club: «Ich habe klar kommuniziert, dass ich das nicht will.»

Die Aargauer Influencerin Morena Diaz erzählte in der SRF-Diskussionssendung Club, wie ihr Vergewaltiger seine Tat rechtfertigte. Ob es im Sexualstrafrecht Verschärfungen und Änderungen braucht, war unter den Fachleuten umstritten.

Im «Club» diskutierten am Dienstagabend Fachleute über das Schweizer Sexualstrafrecht. Mögliche Änderungen werden derzeit kontrovers debattiert. Mit dabei war Morena Diaz als Direktbetroffene. Die Instagram-Influencerin und Primarlehrerin in Erlinsbach machte Anfang Januar öffentlich, dass sie kurz vor Weihnachten 2018 von einem Freund vergewaltigt worden war.

In der SRF-Sendung erzählte sie, wie der Mann über sie herfiel, nachdem sie gemeinsam einen Film geschaut hatten. «Ich fragte ihn, was er da mache. Er sagte etwas im Stil von: ‹Geniess es, schalt einfach den Kopf ab.›» Sie habe mehrmals Stopp und Nein gesagt und er solle sie nicht anfassen. Sie habe noch versucht, ihn wegzustossen. Dann fiel sie in eine Schockstarre. Bekam alles mit, aber konnte sich nicht wehren.

Nach dem Vergehen hätten sie sich beide schockiert angeschaut. «Ich sagte ihm: ‹Ich bin nicht in dich verliebt, wie oft soll ich es noch sagen?›» Worauf er erwidert habe:

Diaz verdrängte lange, was passiert war. Ging normal zur Arbeit. Nachdem sie Angst- und Panikattacken und Hautausschläge bekommen hatte, suchte sie eine Therapeutin auf. Sie erzählte ihr erst von alltäglichen Problemen, bevor sie die Vergewaltigung ansprach. Die Therapie habe sie gestärkt.

An die Öffentlichkeit ging sie, weil sie auf das Thema aufmerksam machen will. Sie sagt: «Es wird viel zu wenig darüber geredet.» Als Antwort auf ihren Instagram-Post erhielt sie «hunderte Geschichten von Frauen und Männern, die missbraucht wurden». Männer vor allem in der Kindheit.

Agota Lavoyer ist Opferhilfeberaterin. Mit Fällen wie jenem von Diaz habe sie jeden Tag zu tun. Sie sagt:

Weil sich die Opfer nicht wehren könnten, müssten die Täter keine Gewalt anwenden. Das mache eine Strafverfolgung schwierig, denn es fehle die Nötigung, ohne die eine Tat juristisch keine Vergewaltigung ist. Lavoyer würde eine Regel befürworten, bei der die Beteiligten ihr Einverständnis zum Sex geben müssen («Nur ein Ja ist ein Ja.»). Schweden kennt ein solches Gesetz seit rund anderthalb Jahren. SRF-Korrespondent Bruno Kaufmann berichtete im «Club» aus Stockholm zugeschaltet, Anwälte hätten eine Flut von Fällen befürchtet. Diese Ängste hätten sich nicht bewahrheitet. Die Praxis bestätige, dass es ein sinnvolles Gesetz sei.

Strafverteidigerin Tanja Knodel sprach sich gegen die Zustimmungsregel aus. Sie befürchtet eine Umkehr der Unschuldsvermutung, wenn ein Beschuldigter das Einverständnis der Klägerin zum Sex beweisen müsse.

Jositsch gegen Gesetzesänderung

Auch SP-Ständerat Daniel Jositsch ist gegen grundlegende Änderungen im Strafrecht. Der Strafrechtsprofessor ist der Ansicht, Sexualvergehen könnten heute schon angemessen bestraft werden. Das Problem sei, dass die meisten Richter zu wenig harte Strafen aussprächen. «Das finde ich störend», sagt Jositsch. Ausserdem müsse diskutiert werden, ob man in anderen Bereichen etwas gegen Sexualvergehen tun könne, etwa in der Schule oder der Erziehung.

Dafür spricht sich auch Caroline Fux, Sex-Beraterin der Blick-Gruppe und Psychologin, aus: «Wir müssen die sexuelle Kompetenz stärken und nicht nur über das Gesetz reden.»

Nein reicht nicht für Verurteilung

Juristin Nora Scheidegger plädiert hingegen für die Einführung eines neuen Tatbestandes im Strafrecht. Der «sexuelle Übergriff» soll Taten umfassen, bei denen das Opfer Nein sagte, sich aber nicht wehren konnte. Ein Nein reiche heute nicht für eine Verurteilung. Im Tatbestand der Vergewaltigung stecke die Vorstellung, dass sich das Opfer gegen ungewollte sexuelle Handlungen wehre. Scheidegger sagt:

Morena Diaz erhofft sich eine grundlegende Gesetzesänderung und davon eine Signalwirkung. Das sei für Vergewaltigungsopfer sehr wichtig: «Es tut als Opfer weh, immer nur von kosmetischen Anpassungen zu hören.»

Die ganze Sendung sehen Sie hier

(mwa)

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