Schweiz

Missratene Büros beim Bund kosten Steuerzahler sechs Millionen Franken

108 Millionen Franken hatte das neue Gebäude des Bundesamtes für Gesundheit ursprünglich gekostet. Dazu kamen noch einmal sechs Millionen Franken für Nachbesserungen.

108 Millionen Franken hatte das neue Gebäude des Bundesamtes für Gesundheit ursprünglich gekostet. Dazu kamen noch einmal sechs Millionen Franken für Nachbesserungen.

Nachbesserungen am neuen Gebäude des Bundesamtes für Gesundheit fallen 20 Mal teurer aus als bisher bekannt.

Die Geschichte des neuen Hauptquartiers des Bundesamtes für Gesundheit beginnt fröhlich. Es ist Herbst 2015, als das Gebäude im Berner Liebefeld nach vier Jahren Bauzeit endlich bezugsbereit ist. An der Eröffnungsfeier lassen die Gäste Ballone steigen, ein Komiker tritt auf, auch Gesundheitsminister Alain Berset gibt sich die Ehre. Auf den Bildern ist den Verantwortlichen der Stolz anzusehen. 108 Millionen Franken hat der Bau gekostet. Er bietet Platz für 840 Mitarbeiter und gehört mit seiner futuristischen Fassade zu den auffälligsten Gebäuden im Immobilienportfolio des Bundes.

Erste Probleme kurz nach dem Einzug

Nun zeigen Recherchen, dass bei der Planung und Umsetzung des Vorzeigeprojekts einiges schiefgegangen sein muss. Wie der Bund gegenüber der Redaktion CH Media bestätigt, hat die Schweizerische Eidgenossenschaft seit der feierlichen Eröffnung des Verwaltungsgebäudes sechs Millionen Franken für Nachbesserungen ausgegeben, ohne die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Die Kosten für nachträgliche Optimierungen fallen damit rund 20 Mal höher aus, als bisher bekannt gewesen ist – in der «Berner Zeitung» hat der Bund im April 2018 noch von 300000 Franken gesprochen. Was ist der Grund für den plötzlichen Anstieg?

Rekonstruktion der Ereignisse. Die Verantwortlichen beim Bundesamt für Bauten und Logistik erfahren im März 2016, wenige Monate nach der Eröffnung, erstmals davon, dass im neuen Gebäude etwas nicht stimmt. Die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde berichten von penetrantem Lärm in den Grossraumbüros, was konzentriertes Arbeiten verunmögliche. Wenn eine Person mit Absätzen über den Boden gehe, sei jeder einzelne Schritt zu hören. Andere klagen über die auffallend schlechte Luftqualität. Auch das flackernde Licht der Stehlampen störe. Manche Mitarbeiter werden sogar krank in der neuen Umgebung. Das Bundesamt für Bauten und Logistik reagiert, nimmt erste Verbesserungen vor, baut beispielsweise dämmende Akustikpanels ein. Doch das genügt nicht.

Die wirklich kostspieligen Nachbesserungen erfolgen im Sommer 2018, ohne dass die Öffentlichkeit davon erfährt. Für rund sechs Millionen Franken behebt der Bund Mängel an Boden und an der Gebäudeautomation. Er tauscht Stehlampen aus, baut Pflanzenkorridore, zusätzliche Trennwände und Verglasungen ein, damit das Arbeiten für die Angestellten des Gesundheitsbundesamtes erträglicher wird.

Im Gespräch mit dieser Zeitung räumt Bundesamtsdirektor Pierre Broye ein: «Es ist sicher nicht Standard, dass nach der Realisierung eines neuen Objekts Nachbesserungen in der Höhe von sechs Millionen Franken fällig werden.» Im Verhältnis zu den Gesamtkosten sei es «eine verkraftbare Summe.» Es sei aber klar, dass dies für den Schweizer Steuerzahler viel Geld sei.

Als einen der Hauptgründe für die hohen Nachbesserungskosten nennt er die Einführung eines neuen Bürokonzepts in der Bundesverwaltung während der Bauphase. Zum Zeitpunkt der Ausschreibung 2007 seien klassische Zellenbüros der Standard gewesen. 2013 hat der Bund auf das platzsparende Multi-Space-Bürokonzept umgestellt: Das sind moderne Grossraumbüros mit Arbeits-, Rückzugs- und Begegnungszonen (siehe Artikel unten). Verbesserungen in diesem Zusammenhang hätten rund 4,8 der sechs Millionen Franken ausgemacht, so Broye, 1,2 Millionen seien auf «normative Anpassungen» entfallen – darunter fällt die Behebung von Mängeln.

Die Architekten müssen nicht haften

Die Schuld für die aussergewöhnlich hohen Optimierungskosten nach dem Bezug des Gebäudes sieht der Bund offenbar bei sich selbst. Das Architekturbüro hat er jedenfalls nicht zur Rechenschaft gezogen. Nur in einem Fall hat er von einer Lieferantenfirma für verdeckte Mängel am Gebäudeleitsystem für 20000 Franken Garantieleistungen eingefordert.

Auch Amtsdirektor Pierre Broye muss sich keine Sorgen machen. Er hat seinen Job im Dezember 2016 angetreten, also mehr als ein Jahr, nachdem der Problem-Bau im Liebefeld seine Türen geöffnet hat. Er sagt, rückblickend sei es wohl eher die Summe von vielen einzelnen, kleinen Problemen gewesen, die am Ende zu einem grossen Problem geworden seien. Nun sei das Thema abgehakt. Pascal Strupler, der scheidende Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, hat Bau-Direktor Broye vor kurzem zum Essen eingeladen, um sich für die Behebung der Bau-Misere zu bedanken.

Autor

Lorenz Honegger

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