Demütigungen
Missbrauchsopfer im Sport sollen eine Anlaufstelle erhalten

Im Nachgang zu den Enthüllungen über Missbrauch im Schweizer Sport soll eine nationale Meldestelle geschaffen werden. Das hat der Ständerat am Dienstag entschieden.

Merken
Drucken
Teilen

(mg) Der Ständerat will eine unabhängige nationale Meldestelle für Missbrauchsopfer im Sportbereich schaffen. Er hat am Dienstag einer Motion seiner Kommission für Wissenschaft, Bildung und Sport (WBK) mit 26 zu 17 Stimmen bei 1 Enthaltung zugestimmt. Nun muss noch der Nationalrat den Vorstoss gutheissen. Dort ist eine gleichlautende Motion hängig.

Anfang November hatten Enthüllungen des «Magazin» für schweizweites Aufsehen gesorgt. Acht ehemalige Spitzenathletinnen der Disziplinen Kunstturnen und Rhythmische Gymnastik berichteten darin über jahrelange Demütigungen und Machtmissbrauch auf dem Sportcampus in Magglingen bei Biel. Im Nachgang hatte Bundesrätin Viola Amherd auch gefordert, dass die Vorwürfe durch eine externe Untersuchung geprüft werden müssten. Eine solche hat der Schweizerischen Turnverband (STV) in Auftrag gegeben.

Auch die Eltern in die Pflicht nehmen

Die Vorwürfe seien nicht unbedingt neu und man könne sich schon fragen, warum nicht früher etwas passiert sei, gab auch Hannes Germann (SVP/SH) für die Kommission zu, «aber im Nachhinein ist man immer schlauer». Die Spitze des Eisbergs sei jetzt aber «endgültig aufgetaucht». Germann sprach von einem «kulturbedingten Systemversagen», es solle ein Trainingsumfeld geschaffen werden, in welchem solche Missbräuche verhindert werden können.

Jakob Stark (SVP/TG) fand eine nationale Meldestelle unnötig. Er fürchtete, dass das Vorpreschen des Bundes eine Aufarbeitung in den Verbänden sogar bremsen könnten. Ruedi Noser (FDP/ZH) warnte davor, dass für jeden einzelnen Bereich bald eine Meldestelle geschaffen werden müsste. Auch er nahm die Verbände in die Pflicht. Und: «Was wir auch nicht vergessen dürfen, ist die Rolle der Eltern», so Noser, diese seien dem Wohl ihrer Kinder verpflichtet und dürften nicht einfach wegschauen.

An «längst vergangene Zeiten» erinnert

Sportministerin Viola Amherd sagt, ihr hätten die Veröffentlichung im «Magazin» die «Sprache verschlagen». Die beschriebenen Demütigungen hätten sie «an längst vergangene Zeiten» erinnert. Höchstleistungen dürften nicht mit «unmenschlichen Methoden» erzielt werden. Bis anhin habe es der Sport nicht geschafft, eine einheitliche nationale Meldestelle zu schaffen, darum sei es jetzt am Bund hier nachzuhelfen.