Holztkraftwerk
Millionen-Subventionen für Holz

Der Streit um das Holzkraftwerk Würenlingen geht weiter und kommt auf die politische Bühne. Grüne und Schweizerische Energiestiftung (SES) kritisieren Grösse, Standort und Subventionen von 16 Millionen Franken pro Jahr. Die Axpo wehrt sich.

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Holzkraftwerk

Holzkraftwerk

Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Die Würenlinger Bevölkerung kaut vor allem wegen des Standorts und der Grösse auf dem 100 Millionen Franken teuren Holzkraftwerk herum. Mit einer von über 1200 Personen unterzeichneten Petition und zahlreichen Einsprachen wird dieser Widerstand deutlich dokumentiert. Auf der energiepolitischen Bühne blasen jetzt vermehrt Akteure ins Feuer und lösen damit grössere Rauchzeichen aus.

Grüne gegen das Holzkraftwerk

Der grüne Badener Nationalrat Geri Müller, auch Präsident der Schweizerischen Energiestiftung (SES), ist im Prinzip natürlich für Holzheizwerke - aber nicht so: Im Sommer werde die Wärme nicht benötigt, die Transportwege seien zu lang, die Axpo solle die Investition selber aufbringen, statt mit der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) den Subventionshahnen zu öffnen. Vergasung des Holzes und Wärmeerzeugung seien effizienter und das viele Geld würde viel besser für Gebäudesanierungen eingesetzt.

Kostendeckend Einspeisen

Für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes stehen pro Jahr vorerst 320 bis 350 Millionen Franken zur Verfügung. Das Holzheizkraftwerk Würenlingen beansprucht davon rund 5 Prozent. Nicht tangiert ist die Solarenergie, für die es massiv mehr Gesuche als Beiträge gibt. Bezahlt wird die KEV von allen Stromkonsumenten mit 0,5 bis 0,7 Rappen je kWh. (Lü.)

«Krasser Subventions-Missbrauch»

Harsche Kritik kommt von Energie-Architekt Heini Glauser aus Windisch, der langjährig an der SES-Spitze mitwirkte. Das Holzheizkraftwerk Würenlingen kassiere aus dem KEV-Subventionstopf 18 Rappen pro Kilowattstunde, was sich pro Jahr auf 16 Millionen Franken zusammenläppere. Dadurch könne die NOK das Kraftwerk in wenigen Jahren amortisieren, was Glauser als «einen krassen Subventionsmissbrauch» bezeichnet.

Doch damit nicht genug: «Der Standort Würenlingen ist für ein Holzheizkraftwerk aus Energie- und Umweltsicht ungeeignet.» Als Begründung nennt Glauser die grossen Wärmequellen AKW Beznau und KVA Turgi, die genügend überschüssige Wärme liefern könnten. Mit bis zu 150 Kilometern sei das Einzugsgebiet viel zu gross. Das führe zu vielen Holztransporten, ausgerechnet auf den verkehrsbelasteten Strassen auf der A1/A2 und durch die Zentren Zürich, Baden, Brugg. Beim geplanten Volllast-Betrieb fast über das ganze Jahr könne ein grosser Teil der Wärme nicht genutzt werden. Mit Holz könne heute ein Wirkungsgrad von 85 statt nur 53 Prozent erreicht werden. Aus Glausers Sicht wäre ein solches Holzheizwerk etwa bei der Papierfabrik Utzensdorf ideal - statt des BKW-Gas-Kombikraftwerks.

«Gewisse Grösse ist notwendig»

Für ihre Tochter und Bauherrin NOK weist die Axpo die Kritik zurück, bestätigt aber die Höhe der Beiträge. «Mit oder ohne Mehrwertsteuer sind es plus/minus 18 Rappen je Kilowattstunde», betont Axpo-Sprecherin Daniela Biedermann. Bei 95 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr ergeben sich Subventionen von 16 Millionen Franken. Aber: «Das ist knapp kostendeckend, da die Kosten für den Brennstoff Holz enorm hoch sind. Wir machen also überhaupt kein Geschäft», versichert Biedermann. Holzkraftwerke seien erst ab einer gewissen Grösse sinnvoll, der Bund wolle nicht Bastler fördern, ergänzt Axpo-Kommunikationschef Rainer Meier. «Die Axpo will erneuerbare Energien fördern, es ist nur sinnvoll, wenn auch Stromproduzenten das tun», sagt Meier. Biomasse, Geothermie und Holz wolle man einsetzen, bei den Solaranlagen werde niemand konkurrenziert. Die Schweiz brauche dringend mehr Strom, im Winter bestehe ein massiver Import.

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