Er sorgte diese Woche weltweit für Schlagzeilen: Der Berner Milliardär Hansjörg Wyss schrieb in der «New York Times», dass wir den Planeten retten müssen – und er deswegen eine Milliarde Dollar für den Umweltschutz spendet. Was treibt einen Menschen an, der Milliarden für gute Zwecke ausgibt?

Herr Wyss, was gab den Ausschlag, gerade jetzt so viel Geld für die Umwelt bereitzustellen?

Hansjörg Wyss: Das war eine gemeinsame Idee von meiner Stiftung, der gemeinnützige Organisation «The Nature Conservancy» und des National Geographics. Sie haben mich gebeten, mein Engagement für die Umwelt öffentlich zu machen. Es ist der richtige Zeitpunkt, um ein Zeichen zu setzen. Wir müssen den Planeten retten, bevor es zu spät ist.

Gerade in Ihrer Wahlheimat, den USA, lockert die Regierung systematisch den Umweltschutz. Wie bewerten Sie die Umweltpolitik von Donald Trump?

Sie ist eine Katastrophe. Trump wird auf allen Kanälen – ausser dem konservativen Fox-News-Sender – als der «lügende Präsident» bezeichnet. Das fängt beim Klimawandel an, geht über die Migration und endet bei was weiss ich. Trump lebt im 19. Jahrhundert, seine Umweltpolitik hat nichts damit zu tun, was auf der Welt gerade passiert. Er ist komplett gegen den Landschaftsschutz. Er will nicht einmal die Nationaldenkmäler der Vereinigten Staaten behüten. Dabei sind Nationalparks und Schutzgebiete der richtige Weg, um die Umwelt langfristig zu schützen und zu erhalten.

Haben Sie der demokratischen Partei Geld gespendet, um Trump bei den anstehenden Wahlen zu stoppen?

Nein, ich tätige keine politischen Spenden in den USA.

Ist Philanthropie effektiver als Politik?

Das ist schwierig zu sagen. Ich kann nur meine eigenen Beweggründe nennen. Gerne zitiere ich den 3. Präsidenten der Vereinigen Staaten, Thomas Jefferson: «Wer in seinem Leben Glück und Geld hat, muss auch etwas an die Gesellschaft zurückgeben.» In den USA ist es glücklicherweise so, dass viele Menschen für den Umweltschutz spenden, auch wenn es lediglich 20 oder 50 Dollar sind. Jeder will seinen Beitrag leisten. Sie spenden mehr an gemeinnützige Projekte als die Europäer. Ich hoffe, dass sich künftig auch mehr Menschen in Europa engagieren.

Sie selbst haben sich der Initiative «The Giving Pledge» von US-Investor Warren Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates verpflichtet. Sie werden mindestens die Hälfte Ihres Milliardenvermögens spenden. Wie weit sind Sie?

Ich bin schon fast bei der Hälfte, ich habe ein Grossteil meines Vermögens in Stiftungen gesteckt. Bis zu meinem Lebensende wird es sicher mehr als die Hälfte sein. In der Schweiz unterstütze ich beispielsweise die Beyeler Stiftung sowie die Universität Zürich, die ETH und die EPFL.

Von Ihrer Milliardenspende soll auch die Universität Bern profitieren.

Ja, wir haben ein Pilotprojekt lanciert. Ich werde nächste Woche Forscher der Universität Bern in Kenia treffen. Es geht darum, Erfahrungen zu sammeln und Menschen für den Landschaftsschutz zu sensibilisieren. Wir möchten die effektivsten Erhaltungsmassnahmen ermitteln.

Worauf muss der Schweizer Umweltschutz achten?

Es gäbe sehr viele schützenswerte Landschaften, zum Beispiel im Flachland oder im Jura. Es war ein grosser Fehler, in den 50er-Jahren jeden Bach umzuleiten und jedes Gebüsch umzupflanzen. Das hat unsere Insekten- und Vogelwelt praktisch zerstört. Und natürlich wäre es besser, wenn wir weniger Skilifte bauen würden. Davon gibt es viel zu viele. Wir brauchen doch nicht in jedem Tal einen kleinen Lift oder Langlaufstrecken. Ich bin zwar begeisterter Langläufer, aber die Eingriffe schaden der Umwelt. Muss das wirklich überall sein?

Das dürfte der Schweizer Tourismus nicht gerne hören.

Ach wissen Sie, das sind Kräfte, die gegeneinander wirken. Die Schweiz ist sehr klein, da ist schnell vieles verbaut. Trotzdem müssen wir auf die Umwelt achten, nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.

Kann der Mensch den Klimawandel überhaupt noch verhindern?

Ja, das ist sicher möglich. Viele kleine Dinge können eine grosse Wirkung entfalten. Zum Beispiel wird in Kalifornien nur noch eine Baubewilligung erteilt, wenn das geplante Haus Sonnenkollektoren besitzt. Stellen Sie sich vor, jedes Land hätte solche Vorschriften. Hinzu kommen technische Neuerungen. Wir müssen beispielsweise den CO2-Ausstoss der Autos verringern.

Ist die Schweiz diesbezüglich ein Vorbild?

Ich weiss, dass sich die Schweiz im Umweltschutz Mühe gibt. Einige sinnvolle Vorschriften wurden bereits erlassen, zum Beispiel werden die Häuser viel besser isoliert als in den USA und in südlichen Ländern. Dort geht viel mehr Energie verloren.

In der Vergangenheit haben Sie sich auch politisch in der Schweiz engagiert. 2014 stellten Sie sich öffentlich gegen die Zuwanderungsinitiative. Möchten Sie künftig wieder aktiver werden?

Ja, ich bin 100 Prozent gegen die Selbstbestimmungsinitiative der SVP. Ich werde Geld spenden, um Plakate dagegen zu finanzieren. Es kann nicht sein, dass wir den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte nicht mehr anerkennen. Das ist der gleiche Fehler wie damals bei der Zuwanderungsinitiative. Es ist der Beginn einer kompletten Isolation der Schweiz. Das wird schlimme Folgen haben.

Kommen Sie dieses Jahr wieder ans WEF nach Davos, um Ihre politischen Anliegen einzubringen?

Nein, diese Zeit ist für mich vorbei. Das WEF war einmal eine ganz tolle Sache, aber es interessiert mich nicht mehr. Wichtige Themen werden kaum mehr angesprochen.

Zum Beispiel?

Wir müssten viel mehr über die Gleichstellung sprechen. Es ist doch unfassbar, wie sehr Frauen auf der ganzen Welt noch unterdrückt werden. Aber diese Themen werden in Davos nur noch mit Samthandschuhen angefasst. Das ist schade.