Schweiz

«Manchmal konnte ich nicht mehr schlafen» – Goldschmiedin Claudia Stebler bereitet die Coronakrise grosse Angst

Das Goldschmied-Business ist derzeit hart. (Symbolbild)

Das Goldschmied-Business ist derzeit hart. (Symbolbild)

Claudia Stebler ist Goldschmiedin und gibt nebenbei als Lehrerin Kurse. Während der Coronakrise fielen diese aus und die 50-Jährige musste Einkommensverluste in Kauf nehmen.

Claudia Stebler, Goldschmiedin, 50

Ich bin Goldschmiedin, da ist es wichtig, nebenbei noch ein Grundeinkommen zu generieren, und ich mag es, Lehrerin zu sein. Ich war deshalb seit acht Jahren für die Klubschule Migros tätig, habe dort Goldschmiedekurse geleitet, zuerst in einem Pensum von 20 Prozent, danach reduziert. Meine Kurse waren immer gut besucht, nie gab es Probleme.

Doch dann kam Corona, und die Anmeldungen blieben aus. Ist doch klar, die Leute hatten Angst, man bucht ja nicht einfach Kurse in der Krise. Und so hatte mein Kurs nicht die benötigte Anzahl Teilnehmende. Der Kurs fiel aus, und die Schule hielt es nicht für nötig, mir das Honorar zu zahlen. Das hat mich sehr getroffen und menschlich enttäuscht. Juristisch ist alles korrekt gelaufen, ich hatte einen entsprechenden Vertrag, im Stundenlohn bezahlt und nur dann, wenn sich genügend Leute für die Kurse interessieren. Aber ich finde: Corona war anders, das war eine Notsituation, das hat ein ganzes Land getroffen. Ich hätte erwartet, dass die Migros mir den Kurs bezahlt, auch wenn keiner kommt. Weil sie ja auch wussten, dass jeder meiner Kurse sonst immer stattgefunden hat. Meine Rechtsschutzversicherung klärt nun für mich ab, ob sich da noch was machen lässt. Sie haben mir zwar angeboten, mich finanziell zu unterstützen, wenn meine Existenz bedroht ist – doch so krass ist meine Situation ja nicht.

Das heisst aber nicht, dass ich nicht verletzt bin. Und mich nun neu orientieren musste. Manchmal hat mich das so belastet, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Ich habe die an sich für mich belastende Situation nun dazu genutzt, mich vollumfänglich in die Selbstständigkeit zu stürzen. Jetzt hoffe ich, dass alles gut kommt und ich genügend Aufträge habe. Und vielleicht werde ich selbst Kurse anbieten.

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