Taten statt Trauern
Bewegung Corona-Mahnwache will weitere Tote mit Strategiewechsel verhindern

Sie zündeten Kerzen an für Coronatote. Jetzt schicken sie einen Appell an die Politik.

Pascal Ritter
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Nicht nur den Toten gedenken, sondern etwas tun, um künftiges Leid zu verhindern, will die Bewegung «Corona-Mahnwache». (KEYSTONE/Peter Schneider)

Nicht nur den Toten gedenken, sondern etwas tun, um künftiges Leid zu verhindern, will die Bewegung «Corona-Mahnwache». (KEYSTONE/Peter Schneider)

Peter Schneider / KEYSTONE

Vergangenen Freitag stand die Schweiz für einen Moment still. Schweigeminute für die über 9000 Opfer der Covid-19-Pandemie. Dann läuteten die Kirchenglocken. Bundespräsident Guy Parmelin verbreitete ein Bild mit Tausenden Kerzen, ­welche die Bewegung Corona-Mahnwache vor dem Bundeshaus angezündet hatte.

Nicht nur gedenken, auch handeln

Am Freitag dürfte der Bundesrat über weitere Öffnungs­schritte informieren. Die Corona-Mahnwache wendet sich angesichts der wieder steigenden Fallzahlen nun mit einem Appell an die Politik. Das Gedenken sei ein starkes Zeichen der Anerkennung des bisherigen Leides, sagt Jurist Simon Gehren.

«Nun müssen wir aber auch etwas dafür tun, künftige Erkrankungen und Todesfälle zu verhindern.»
Jurist Simon Gehren von der «Corona-Mahnwache» setzt sich für eine Strategie mit möglichst tiefen Fallzahlen ein.

Jurist Simon Gehren von der «Corona-Mahnwache» setzt sich für eine Strategie mit möglichst tiefen Fallzahlen ein.

Alex Spichale / MAN

Die Mahnwache ruft mit Blick auf die steigenden Fallzahlen zu einem Strategiewechsel in der Coronapolitik auf. Statt bereits jetzt weitere Lockerungsschritte vorzunehmen, müssten zuerst möglichst rasch die Neuinfektionen auf null gedrückt werden. Die neue Strategie aus Massen- und Selbsttests sowie die Beschleunigung der Impfungen würden dies möglich machen. Im Appell heisst es:

«Je rascher wir wieder null Fälle erreichen, desto mehr Leben retten wir und desto rascher erhalten wir unsere wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Freiheiten zurück.»

Ist das realistisch? «Die Schweiz hat beinahe null Infektionen bereits im Mai 2020 erreicht. Sie kann dies erneut schaffen», sagt Gehren und macht sich für eine No-Covid-19-Strategie stark, über die sich auch Virologen wie Isabella Eckerle positiv geäussert hatten.

Bundesrat: Strategie ist unrealistisch

Für ihr Gedenken hat die Corona-Mahnwache bisher viel Sympathie erhalten. Mit ihrer politischen Forderung dürfte dies schwieriger sein. Gesundheitsminister Berset bezeichnete No-Covid-19 als «nicht machbar».

Mahnwache in Zürich im Dezember 2020.

Keystone-SDA

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