Landwirtschaft
Bund verbietet Pestizid – Obstverband spricht von «sehr grossem Verlust»

Bauern und Bäuerinnen müssen auf ein Insektizid verzichten. Der Obstverband sagt, der Schutz der Kulturen werde dadurch nochmals erschwert.

Maja Briner
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Viele Obstbauern setzen den Wirkstoff Indoxacarb gegen Schädlinge ein.

Viele Obstbauern setzen den Wirkstoff Indoxacarb gegen Schädlinge ein.

Bild: Donato Caspari

Der Bund untersagt ein Pestizid, das unter anderem im Obstbau gegen Schädlinge gespritzt wird. Das zuständige Bundesamt teilte am Freitag mit, zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt dürften Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Indoxacarb ab April 2023 nicht mehr verwendet werden. Der Verkauf ist bereits ab Oktober untersagt.

«Dieses Verbot ist für den Obstbau ein sehr grosser Verlust», erklärt eine Sprecherin des Schweizer Obstverbands. Das Pflanzenschutzmittel Steward, das den besagten Wirkstoff enthält, komme bei verschiedenen Kulturen zum Einsatz. Das Mittel wird unter anderem gegen Apfel- oder Schalenwickler gebraucht.

Gegen einzelne Schädlinge könne nächste Saison nur noch ein einziger Wirkstoff eingesetzt werden, bedauert der Obstverband - und warnt: Die Gefahr von Resistenzen werde dadurch zunehmen. Der Schutz der Kulturen werde «nochmals deutlich erschwert» und das Risiko von Ernteverlusten mutmasslich zunehmen.

Alternative kann nicht überall eingesetzt werden

Statt mit Pflanzenschutzmitteln kann der Apfelwickler auch mit der sogenannten Verwirrungstechnik bekämpft werden: Mit künstlich hergestellten Sexuallockstoffen werden die Männchen daran gehindert, die Weibchen zu finden. Diese Technik werde seit etlichen Jahren eingesetzt, heisst es beim Obstverband. «Diese Alternative kann aber nicht überall zum Einsatz kommen.» Für eine wirksame Bekämpfung müsse eine minimale zusammenhängende Fläche vorhanden sein, zudem dürften nicht bereits zu viele Schädlinge vorhanden sein.

Die Schweiz folgt mit dem Verbot der EU. Gleichzeitig hat der Bund fünf Wirkstoffe neu zugelassen.