KOMMENTAR
Freiheit für Natallia Hersche, doch Tausende vegetieren in Lukaschenkos, Putins oder Xi Jinpings Kerkern dahin

Die St.Gallerin Natallia Hersche ist endlich frei - auch dank des Einsatzes der Schweizer Diplomatie. Die Schweiz muss ihre Stimme für Menschenrechte und Demokratie weiterhin gezielt erheben, auch wenn es nicht um eigene Bürgerinnen geht.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Zurück in der Schweiz: Natallia Hersche.

Zurück in der Schweiz: Natallia Hersche.

Michael Buholzer / Pool / EPA

Die St.Gallerin Natallia Hersche ist endlich auf freiem Fuss. Nach 17 Monaten in den Kerkern des weissrussischen Despoten Alexander Lukaschenko kommt die Demokratieaktivistin dank intensiver Bemühungen von Aussenminister Ignazio Cassis und seinen Diplomaten frei.

Ein Erfolg für die Schweizer Diplomatie. Eine riesige Erleichterung für Natallia Hersche und ihre Angehörigen.

Ihr Vergehen war eine Lappalie. Sie hat sich gegen ihre willkürliche Verhaftung anlässlich einer Frauendemonstration in der weissrussischen Hauptstadt Minsk zur Wehr gesetzt und einem Polizisten die Sturmhaube heruntergezogen.

So schön die wiedergewonnene Freiheit für Natallia Hersche ist, so dramatisch bleibt die Lage für Tausende Frauen und Männer, die in weissrussischen oder vielen anderen Gefängnissen in autoritären Staaten ein trostloses, unwürdiges Dasein fristen, den Schergen der Regimes hilf- und machtlos ausgeliefert.

Lukaschenko, Putin, Xi Jinping und andere Diktatoren dieser Welt lassen Oppositionelle in grosser Zahl verschwinden.

In unfairen Prozessen werden sie meist für erfundene Delikte zu langen Haftstrafen verurteilt.

Die Autokraten fürchten den zivilgesellschaftlichen Diskurs, dank rigoroser Unterdrückung demokratischer Kräfte halten sie sich an der Macht.

Ein kleines Land wie die Schweiz kann die Welt nicht retten. Aber sie kann sich für Freiheit, Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit und Demokratie einsetzen, wie dies Artikel 54 der Bundesverfassung stipuliert. Das gilt auch dann, wenn es nicht um eigene Bürgerinnen geht.