Kommentar
Die Gleichstellungsdebatte sollte mit mehr Lust geführt werden

Der Frauenstreik ist alltäglich geworden. Ihre Forderungen tragen Frauen freiheraus auf die Strasse. Dabei braucht es aber in Zeiten wie diesen vor allem positive Projekte, die Frauen an die Schalthebel der Macht bringen.

Doris Kleck
Doris Kleck
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Der Frauenstreik hat sich etabliert: Auch heute tragen wieder Tausende von Frauen ihre Forderungen nach mehr Gleichstellung auf die Strasse. Dieses Jahr findet der Frauenstreik unter besonderen Vorzeichen statt. Im September kommt die Erhöhung des Frauenrentenalters an die Urne. Für Gewerkschaften und Linke ist der Aktionstag ein wichtiger Teil der Kampagne, um gegen die Reform Stimmung zu machen. In ihren Augen ist die Erhöhung des Rentenalters eine Frechheit. Die Frau ein Opfer.

Der Frauenstreik sollte mit mehr Lust geführt werden.

Der Frauenstreik sollte mit mehr Lust geführt werden.

Keystone

Dazu passt der Ton, den SP-Nationalrätin Tamara Funiciello in der Sonntagspresse angeschlagen hat. Kinder seien für Frauen eine Armutsfalle. «Vielleicht solltet ihr es einfach bleiben lassen», so das Fazit. Ökonomisch lohne sich das nicht. In die gleiche ­Kerbe schlägt die «Eidgenössische Kommission dini Muetter». Die feministische Gruppierung wirbt mit dem Slogan: «Dini Muetter isch hässig.» Im Kern geht es ihr darum, dass die unbezahlte Care-Arbeit an den Frauen hängen bleibt.

Gewiss, zu einem Protest gehören laute, polemische Töne. Und doch kann einem dieses Gejammer mächtig auf den Geist gehen. Die Gleichstellungsdebatte sollte mit mehr Lust geführt werden! Es braucht positive Projekte, wie «Helvetia ruft!», die Frauen an die Schalthebel der Macht bringen. Die Frau als selbstbewusste Gestalterin, nicht als Opfer. Die laufende Legislatur zeigt, wie viel Frauen erreichen können, wenn sie im Parlament gemeinsam am Strick ziehen.