Kommentar
Corona-Rechnung aus Zürich: Die Kantone agieren wenig clever

Nicht zum ersten Mal verpassen es die Kantone in der Pandemie, eine faire Lösung zu finden. Dieses Mal geht es um die Verteilung der Zusatzkosten bei schweren Covid-Verläufen.

Anna Wanner
Anna Wanner
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Bei einem schwerem Covid-Verlauf entstehen Zusatzkosten von 2113 Franken pro Patient und Tag. (Symbolbild)

Bei einem schwerem Covid-Verlauf entstehen Zusatzkosten von 2113 Franken pro Patient und Tag. (Symbolbild)

Gaetan Bally/Keystone

Die Coronakrise stellte täglich neue Herausforderungen an die Gesundheitsdirektorinnen und Gesundheitsdirektoren. Nun, da sich die Situation etwas beruhigt hat, geraten sie sich wegen der Kosten in die Haare. Der Grund? Bei schwerem Covid-Verlauf entstehen Zusatzkosten von 2113 Franken – pro Patient und Tag. In den Fallpauschalen ist dafür keine Vergütung vorgesehen, die Hauptlast tragen die Unispitäler und damit die Kantone, die sie während der Krise alimentieren müssen. Zürich, Genf und die Waadt rechnen mit Zusatzausgaben von rund 630 Millionen Franken für die letzten zwei Jahre.

Dass die Covid-Lasten so ungleich verteilt sind, ist nicht fair. Zürich will die Trittbrettfahrer deshalb zur Kasse bitten. Doch geht der Kanton mit dem Versand von Rechnungen tollpatschig vor: Für die Zusatzfinanzierung von schweren Covid-Fällen fehlt die gesetzliche Grundlage. Dabei wäre die Diskussion auf nationaler Ebene zu führen: Steht der Bund in der Pflicht, wenn er per Gesetz Vorsorgeleistungen der Spitäler vorschreibt?

Eigentlich ja. Doch wie bei der Frage, wer die Ertragsausfälle der Spitäler finanziert, die durch das Behandlungsverbot des Bundes im Frühjahr 2020 entstanden sind, verpassen es die Kantone erneut, eine faire Lösung zu finden. Auch der Bund darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Er gebärdete sich gegenüber allen Wirtschaftsbranchen grosszügig. Er sollte seine Dankbarkeit auch gegenüber Spitälern und dem Gesundheitspersonal zeigen.

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