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Klima-«Arena»: Wie Franz Hohler die «Füdlibürger» vor dem Weltuntergang warnt

Franz Hohler in der Arena.

Franz Hohler in der Arena.

Oder wie sich ein Schriftsteller in die Arena wagt, um den «jungen» Herren eine Standpauke zu halten.

Wer sich die SRF-Arena zum Klimawandel anschaute, dem blieb vor allem eines in Erinnerung: Der Mahnfinger von Franz Hohler, den der 75-Jährige Schriftsteller mehrmals in der Sendung erhob. Das erste Mal gleich zu Beginn. In Form einer Ballade. 

Aber hören Sie sich Hohlers Ballade selber an:

Der Text, den Hohler rythmisch mit dem Klopfen seiner Hände begleitete, begann mit:

«Der Weltuntergang, meine Damen und Herren, wird nachdem, was man heute weiss, etwa folgendermassen vor sich gehn.»

Ob ihm der Vortrag nicht auch unter die Haut gegangen sei, richtete Moderator Mario Grossniklaus im Anschluss das Wort an SVP-Politiker Christian Imark. Dieser wich der Frage aus, und sagte: «Das Gedicht hat er (Franz Hohler) 1973 geschrieben. Eines ist beständig in unserer Gesellschaft. Es gibt immer wieder Weltuntergang-Szenarien.» Danach fügte er geflissentlich hinzu, dass er das Problem durchaus ernst nehme und man Lösungen suchen müsse.

Diese Woche wurde in der Arena über die Klimaerwärmung diskutiert und über die Frage, ob wir gerade dabei sind, die Welt an die Wand zu fahren. Aktuell ist die Thematik wegen einem neuen Bericht des Weltklimarats. Dieser hat Anfang dieser Woche eindringlich gewarnt, dass man jetzt rasch reagieren müsse, um die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und damit weitreichende Konsequenzen noch vermeiden zu können. Dazu muss gemäss den Wissenschaftler, die CO2-Emissionen bis ins Jahr 2050 auf 0 sinken. 

Dieses Ziel sei machbar, gibt sich der Vizepräsident des Weltklimarats, Andreas Fischlin, in der Arena optimistisch. Aber nur unter der Bedingung, dass alle Länder jetzt reagieren und sich einschränken.

Nicht einverstanden mit dieser Aussage sind die beiden anwesenden bürgerlichen Politiker. Christian Imark von der SVP und Christian Wasserfallen (FDP). Sie sehen die Schweiz weit weniger in der Verantwortung als andere Länder, etwa China.

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Vor allem Imark ereifert sich, spricht laut, wirkt ganz aufgeregt: «Nur ein Tausendstel des weltweiten CO2-Austosses stammt aus der Schweiz», sagt der Solothurner Politiker. Da müsse man sich schon überlegen, «wie viel darf eine Massnahme kosten, und wie stark muss sich dazu unsere Bevölkerung einschränken, um dieses eine Promille zu verbessern». 

Imark macht einen Vergleich: Hier, der Weihnachtsbaum

«Ein Füdlibürger-Argument», findet Franz Hohler, dem die Debatte mit Imark offensichtlich Spass macht. Der aber ein paar Minuten braucht, um sich in seiner ungewohnten Rolle als Arena-Gast zu finden. «Auf mich kommt es sicher nicht an», hiesse es immer, so der Schriftstller. Und: «Spielt es eine Rolle, wenn man bei 8 Milliarden Menschen auf der Welt seine Heizung um ein Grad runterstellt?»

Es spiele sehr wohl eine Rolle, ist Hohler überzeugt. Denn: «Auf die Signalwirkung kommt es an.» Deren Wirkung dürfe man nicht unterschätzen.

«Der Füdlibürger schaut nicht nur auf seinen Bauchnabel», 

eilt Christian Wasserfallen Imark zu Hilfe. «Sondern der Füdlibürger», was wir alle ein wenig seien, «schaut in die Welt hinaus». Man müsse den Einsatz von Schweizer Technologien im Ausland fördern, um somit die CO2-Emissionen zu senken. 

Das alleine reicht nicht, ist Regula Rytz, Präsidentin der Grünen überzeugt. Denn jedes Land müsse ihre Emissionen auf 0 reduzieren. «Wenn alle so leben wollen wie wir, dann braucht es drei Erden, um alle mit Energie zu versorgen», argumentierte Rytz weiter. Die Präsidentin der Grünen ist übrigens die einzige Frau, die in der Sendung zu Wort kommt (und dies bei 8 Männern, inklusive Moderator).

Imark macht einen Vergleich: Hier, der Höhlenmensch

«Es hat noch niemand von den Erdölressourcen gesprochen»,  sagt Hohler, als er im letzten Drittel zu einem Schlussfurioso ansetzt, das schon beinahe an eine Standpauke in der Schule erinnert. «Die sind beschränkt», belehrt er Imark, der darauf leise «sicher» murmelt.  «Das Erdöl wird zu Ende gehen, nur spricht man irgendwie nicht davon», fährt Hohler fort. «In 10 Jahren, in 15 Jahren, in 20 Jahren.» Er werde es vielleicht nicht mehr erleben. «Aber ihr jungen Männer werdet erleben, dass das Erdöl so knapp wird, dass es Probleme gibt.»

Da sind sie wieder, die warnenden Worte des Schriftstellers, der hofft, dass sich doch noch alles zum Guten wendet. Vielleicht wegen dem Weckruf einer über 40 Jahre alten Ballade – die so endet.

«Ich bin sicher, meine Damen und Herren, der Weltuntergang hat schon begonnen.»

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