Im Sommer 2017 schlug die Caritas Schweiz Alarm: Die Zahl der minderjährigen Asylsuchenden, die ohne Begleitung eines sorgeberechtigten Elternteils in die Schweiz einreisen, habe stark zugenommen.

Im Umgang mit diesen Kindern und Jugendlichen, die Anspruch auf besondere Fürsorge haben, gebe es «offenkundige Missstände». Das Hilfswerk prangerte unter anderem die ungenügende Betreuung und Unterbringung durch den Bund an. Zudem bestünden zwischen den Kantonen grosse Unterschiede.

Seither sind die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA), wie sie von den Behörden genannt werden, aus dem Fokus gerückt. Die Zahl der Gesuche von UMA ist noch stärker zurückgegangen als die Zahl der Asylgesuche insgesamt: 2015 waren es über 2700 Gesuche, 2017 noch ein Viertel davon (siehe Grafik). Und im vergangenen Jahr wurden noch rund 400 Gesuche gezählt, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Anfrage bekannt gibt.

Caritas: «Bewusstsein ist gewachsen»

Die Kinderflüchtlinge, die in der Schweiz Schutz suchen, werden inzwischen besser betreut: «In vielen Kantonen gab es beträchtliche Verbesserungen, das Bewusstsein für die besonderen Bedürfnisse der Minderjährigen ist gewachsen», sagt Marianne Hochuli von der Caritas. Zu diesem Schluss kommt auch die Sozialdirektorenkonferenz (SODK). Diese hatte im Jahr 2016 Empfehlungen formuliert, um die Kantone im Umgang mit den unbegleiteten Minderjährigen zu unterstützen.

Viele Kantone hätten daraufhin neue Konzepte und Strategien für die Unterbringung der UMA erarbeitet, teilt die Sozialdirektorenkonferenz mit.
Als Reaktion auf die sinkenden Gesuchzahlen würden die Strukturen in einigen Kantonen nun umgenutzt oder fusioniert. «Zum Beispiel werden UMA-Zentren nicht mehr nur für UMA genutzt, sondern auch für Familien.» In diesen Fällen stünden den Minderjährigen aber separate, geschützte Etagen zur Verfügung.

Marianne Hochuli warnt vor den Folgen: «Werden die Strukturen heruntergefahren, dann geht auch viel Know-how verloren.» Das sei bedenklich, denn aufgrund der grossen Schwankungen im Asylbereich könne die Zahl der asylsuchenden Kinder und Jugendlichen schnell wieder ansteigen.

Keine unbegleiteten Befragungen mehr

Mit der schweizweiten Einführung der neuen Asylverfahren Anfang März gewinnt die Betreuung der UMA auf Bundesebene an Bedeutung. Die minderjährigen Asylsuchenden halten sich künftig nämlich tendenziell länger in den Unterkünften des Bundes auf. Seit Sommer 2017 läuft in zwei Bundeszentren in Basel und Zürich ein Pilotversuch. Dieser umfasst unter anderem die Betreuung durch Sozialpädagogen sowie ein ausgebautes Angebot an «kinder- und jugendgerechten Aktivitäten».

Das SEM wertet das Pilotprojekt derzeit aus. Vom Ergebnis hängt ab, wie die Kinderflüchtlinge in den Bundeszentren künftig untergebracht und betreut werden. Für Marianne Hochuli ist klar, dass es für die Kinderflüchtlinge in allen Bundeszentren sozialpädagogisch geschultes Personal und eine enge Betreuung braucht. Kinder sollten zudem möglichst schnell in kindergerechten Unterkünften in den Kantonen untergebracht werden.

Verbesserungen erhofft sich Hochuli von der kostenlosen Rechtsberatung, die den Asylsuchenden ab März von Beginn des Verfahrens an zusteht. Gemäss der Caritas mussten die minderjährigen Asylsuchenden die Erstbefragung bislang ohne Begleitung absolvieren.
Um die Kinder in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt zu integrieren, brauche es nicht zuletzt «viel Geld», hielt die Caritas 2017 in ihrem Positionspapier fest.

Der Bund müsse seine Beiträge an die Kantone deshalb erhöhen. Unter anderem brauche es eine Verdoppelung der einmaligen Integrationspauschale, die heute 6000 Franken beträgt. Inzwischen hat der Bundesrat gar eine Verdreifachung auf 18000 Franken beschlossen. Zudem soll der Bund den Kantonen künftig 86 statt 50 Franken pro UMA und Tag überweisen.

Die jährlichen Zusatzausgaben bezifferte der Bund im vergangenen Jahr mit über 30 Millionen Franken. Aufgrund der rückläufigen Gesuchszahlen wurde der Betrag inzwischen nach unten korrigiert. Die Rede ist nun von zusätzlichen rund 18 Millionen Franken.