Schnäppchenjäger
Kaufrauschtag: Rettet der Black Friday den gebeutelten Detailhandel?

Black Friday hat hierzulande Fuss gefasst und gibt dem gebeutelten Detailhandel eine willkommene Plattform.

Tommaso Manzin
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Manor war in der Schweiz«Black Friday»-Pionier. Im Bild die Filiale in Baden.

Manor war in der Schweiz«Black Friday»-Pionier. Im Bild die Filiale in Baden.

Sandra Ardizzone

Nach Halloween scheint es nun auch der Black Friday über den «grossen Teich» geschafft zu haben. Was in manchen Ohren eher nach Börsencrash klingt, ist in den USA nichts anderes als der Freitag nach Thanksgiving. Und er ist jener Tag, an dem die ganze Nation kollektiv in einen Kaufrausch verfällt. Eigentlich kein Grund zur Trauer – im Gegenteil: Warum also «black», schwarz? Über die Herkunft des Namens wird spekuliert, am einleuchtendsten scheint, dass an diesem Tage der US-Detailhandel hohe Gewinne einstreicht und eben «schwarze» Zahlen schreibt. Mit einer Krise hat der Name nichts zu tun (siehe links).

Schwarze Tage: Es muss nicht immer ein Crash sein

Black Friday (Schwarzer Freitag) ist in den USA der Freitag nach Thanksgiving (siehe Artikel unten). Dieses amerikanische Erntedankfest fällt stets auf den vierten Donnerstag im November, der darauffolgende Freitag gilt daher als Start ins verlängerte Wochenende – und als Beginn der Weihnachtseinkaufsaison. Denn viele Amerikaner nehmen an diesem besonderen Freitag Urlaub. Die Verwechslung mit dem Tag des Börsencrashs in New York im Oktober 1929, der in Europa als «Schwarzer Freitag» in die Geschichte einging, beruht auf der Zeitverschiebung. Im Englischen heisst dieser Unglückstag, auf den die Weltwirtschaftskrise und die Grosse Depression folgten, nämlich Black Thursday, also Schwarzer Donnerstag. In Europa hatte aber bereits der Freitag begonnen, während auf dem amerikanischen Kontinent der Donnerstag noch nicht zu Ende war. (TM)

Man kann sich fragen, was grusliger ist: die Geisterbahn-Verkleidung vor Allerheiligen oder die Turboaufladung des ohnehin immer früher einsetzenden Einkaufstress vor Weihnachten. Seit 2014/15 machen jedenfalls auch hierzulande die Läden Spezialangebote, die sich teilweise einige Tage hinziehen beziehungsweise in die herkömmlichen vorweihnachtlichen Aktionen vor Weihnachten übergehen (siehe Beispiele unten). Und die Konsumenten machen fleissig mit. Wo man auch hin hörte: Es wurden die besonders langen Schlangen an den Kassen beklagt.

Die Begeisterung der Läden für Black Friday liegt auf der Hand: Gerade der Schweizer Detailhandel wurde vom harten Franken besonders getroffen, der Einkaufstourismus hat ihn Milliarden gekostet. Da kommt eine weitere Gelegenheit für Rabatte gerade recht.

Nicht nur am Black Friday gibts Prozente:

 Abgesehen von Black Friday-Angeboten auf dem Onlineshop von Melectronics fährt die Migros keine nationalen Aktionen. Punktuell bieten Migros-Genossenschaften Black-Friday-Angebote an (Migros Aare, Migros Tessin oder Migros Genf). Die Migros offeriert jedoch zeitgleich andere Aktionen, etwa vom 25. bis 27. November 30 Prozent auf das Spielwarensortiment, inklusive Online-Shop von Melectronics. «Diesen Rabatt bieten wir im Rahmen einer normalen Wochenend-Aktion an», präzisiert Mediensprecherin Christine Gaillet.
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 Auch Coop City machte dieses Jahr zum ersten Mal Black Friday-Aktionen, erklärt Andrea Bergmann von der Pressestelle. Im Online- und im Elektronikhandel, etwa bei Microspot.ch, sei der Black Friday bereits in früheren Jahren ein Thema gewesen. Bei Coop und Coop City gebe es auch noch heute Samstag 30 Prozent auf das ganze Spielwarensortiment. Bei der Import Parfumerie und bei Christ Uhren & Schmuck betrage der Rabatt ebenfalls 30 Prozent.
 Media Markt habe dieses Jahr zum ersten Mal eine Black Friday-Aktion durchgeführt, erklärt Pressesprecherin Séverine de Rougemont. Es habe dabei massive Rabatte gegeben, etwa bei Computern, Fernsehern, Küchengeräten und Staubsaugern. Die Aktion lief offenbar gut: «Wir hatten einen 10 Mal höheren Nutzerverkehr auf unserem Online-Shop und haben mehr Umsatz gemacht als normalerweise in einer ganzen Woche. Unsere Läden wurden von Kunden überrannt.»
 Jelmoli nehme am Black Friday nicht teil, weil das Konzept von nicht der Marke und der Kultur des Hauses entspreche, erklärt Tanja Bulatovic von der Pressestelle. Stattdessen können Inhaber der Jelmoli-Kundenkarte bis Samstag an einigen Beauty Counters doppelte Punkte sammeln. Und am kommenden Sonntag finde der traditionelle «10 Prozent Shopping Sunday» statt. Zudem biete Jelmoli während der ganzen Weihnachtszeit einen kostenlosen Päckliservice an.
Lukas Baur (l.) und Athleticum-Filialleiter Fabian Wetzel. Antonio Govetosa, Marketing-Chef bei athleticum beobachtet das Phänomen Black Friday in der Schweiz seit 2014. Prominent sei es 2015 durch die Warenhauskette Manor geworden. Athleticum macht keine spezifischen Black Friday- Aktionen. «Wir haben jeden Monat sehr starke Aktionen, die wir national bewerben», erklärt Govetosa. Aktuell betreffe das Skis, Skischuhe, Helme, Fitnessgeräte und diverse Sport-Textilien mit zu 50 Prozent Rabatt.

Abgesehen von Black Friday-Angeboten auf dem Onlineshop von Melectronics fährt die Migros keine nationalen Aktionen. Punktuell bieten Migros-Genossenschaften Black-Friday-Angebote an (Migros Aare, Migros Tessin oder Migros Genf). Die Migros offeriert jedoch zeitgleich andere Aktionen, etwa vom 25. bis 27. November 30 Prozent auf das Spielwarensortiment, inklusive Online-Shop von Melectronics. «Diesen Rabatt bieten wir im Rahmen einer normalen Wochenend-Aktion an», präzisiert Mediensprecherin Christine Gaillet.

KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Manor machte den Anfang

«Pionier» in der Schweiz war letztes Jahr Manor. Dazu Elle Steinbrecher, Mediensprecherin bei Manor: «Wir sind stolz, den Black Friday im letzten Jahr erstmals in die Schweiz gebracht zu haben.» Der Black Friday markiere einen starken Auftakt ins Weihnachtsgeschäft. Kunden mit Manor-Karten erhalten auch heuer wieder 30 Prozent Rabatt auf fast das gesamte Non-Food-Sortiment sowie 10 Prozent bei Manor Food und in der Gastronomie, auf Elektronik, Elektroartikel und Swiss-made-Uhren.

Das Ziel, einen dreifachen Umsatz gegenüber einem vergleichbaren Freitag zu machen, habe man auch dieses Jahr wieder erreicht, sagt Steinbrecher. Von den grossen Detailhändlern scheint Coop besonders angetan von der neuen Marketing-Idee, weniger aktiv ist noch die Migros, die keine landesweiten Aktionen durchgeführt hat. Ebenfalls mit Rabatten locken die Online-Händler Zalando und Amazon. Der grosse Ansturm hat die Seiten von Manor, Interdiscount, Microspot und Melectronics zeitweise zum Erliegen gebracht. Doch die Schnäppchenjagd ging bald wieder weiter.

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