Burkhalter-Nachfolge

Isabelle Moret gerät bei Bundesrats-Wahlkampf ins Hintertreffen

Kandidatin Isabelle Moret.

Kandidatin Isabelle Moret.

Unglückliche Aussagen, Widersprüche, wenig Transparenz: Die Bundesrats-Kandidatur von Isabelle Moret stockt.

Sie startete als grosse Hoffnungsträgerin der Frauen. Doch inzwischen wundern sich selbst namhafte Politiker. «Isabelle Moret scheint bereits einzubrechen», sagt einer, der im Bundesrats-Poker eine wichtige Rolle spielt. Schlecht weg kommt Moret auch in den Medien, vor allem in den Deutschschweizer Zeitungen. Sie rede sich «um Kopf und Kragen», schrieb der «Tages-Anzeiger». Die «Weltwoche» schrieb ihr Porträt gar unter dem Titel «Die verwirrte Kandidatin».

«Isabelle Moret hat zwei, drei ungeschickte Aussagen gemacht», verteidigt der Waadtländer FDP-Nationalrat Olivier Feller seine Parteikollegin. «Diese sind dann in der Deutschschweiz künstlich gehypt worden.» Frédéric Borloz, Präsident der Waadtländer FDP, betont, Moret sei in der Westschweiz «sehr bekannt» und werde sehr geschätzt. «Die Deutschschweiz hingegen ist ihr gegenüber ziemlich hart», sagt der FDP-Nationalrat. Das habe vielleicht damit zu tun, dass sich die Medien dort sehr schnell für einen Tessiner Bundesrat ausgesprochen hätten. «Das hat das Spiel eingeengt», urteilt Borloz. «Und das ist schade.»

Kritik an Moret kommt aber nicht nur aus der Deutschschweiz, sondern auch aus Genf, dem Stammland von Regierungsrat und Bundesrats-Kandidat Pierre Maudet. Die «Tribune de Genève» schreibt von der «hektischen Herausforderin». Beim öffentlichen Roadshow-Auftritt in Zug habe Moret «wie gelähmt gewirkt» angesichts der Herausforderung. In Basel, dem zweiten der drei Roadshow-Auftritte, wirkte sie dann stark verbessert.

Kritische Stimmen

Wenig Begeisterung löst auch Morets Arbeit in den beiden Kommissionen aus, in denen sie sitzt: in der Gesundheitskommission (SGK) und der staatspolitischen Kommission (SPK). Sie sei eher unauffällig, komme irgendwann und gehe wieder, sagen mehrere Mitglieder. Ein drittes betont, Moret sei in der SGK ab dann besser zum Zug gekommen, als Ignazio Cassis das Präsidium übernahm und weniger starken Einfluss auf die FDP-Fraktion habe nehmen können. SVP-Nationalrat Heinz Brand lässt sich als einer der wenigen zitieren. Er sitzt in beiden Kommissionen und präsidiert die SPK. «Isabelle Moret ist bei den wichtigen Entscheiden präsent», sagt er.

Wochenlang hatten die Medien gewerweisst, ob sich Moret zu einer Bundesrats-Kandidatur durchringen würde oder nicht. Als sie es tat, ging es Schlag auf Schlag. Moret sei Mitglied des Arbeitskreises für Sicherheit und Wehrtechnik (Asuw), sagte eine Journalistin auf «Forum» des Westschweizer Radios. «Nein, entschuldigen Sie, das ist total falsch!», fiel diese der Journalistin ins Wort. Falsch lag dann aber Moret, wie sich herausstellte: Sie hatte sich bei der traditionsreichen Gruppe von Alt-Militärs angemeldet, um Informationen zu erhalten. Noch am Montag kündigte Moret ihre Mitgliedschaft.

Moret sorgte auch mit eigenen Aussagen für Widersprüche. Nach ihrem Einkommen befragt, sagte sie im «Tages-Anzeigers»: «Das ist Teil der Privatsphäre, die die ganze Familie betrifft. Was ich Ihnen aber ganz klar sagen kann: Von den drei Kandidierenden der FDP bin ich diejenige, die am wenigsten verdient.» Auch mit dieser Aussage lag Moret falsch. Der «Tages-Anzeiger» bezifferte Morets Einkommen in einer Recherche auf über 300 000 Franken – dank Verwaltungsrats- und Verbandsmandaten. Damit liegt es höher als jenes von Konkurrent Pierre Maudet, der als Genfer Regierungsrat auf 260 000 Franken Brutto-Jahreslohn und eine Entschädigung von 30 000 Franken kommt.

Isabelle Moret selbst findet nicht, dass ihre Kandidatur bisher stockt. «Das Klima um die Kampagne ist sehr positiv, abgesehen von einigen Medienartikeln», betont sie gegenüberder «Schweiz am Wochenende. «Das ist nicht erstaunlich. Es gehört zu einer solchen Periode.»

«Familie ist Privatsphäre»

Im «Weltwoche»-Artikel war auch die Trennung von ihrem Mann Cédric Moret zur Sprache gekommen. «Sie steckt in einem erbitterten Rosenkrieg, bei dem es auch um das Sorgerecht für die Kinder geht», heisst es darin. Gefragt, ob das zutreffe, meint Moret: «Es ist öffentlich bekannt, dass ich von meinem Mann getrennt lebe. Darüber hinaus ist die Familie ein fundamentaler Bestandteil der Privatsphäre.»

Die Familiensituation der drei Bundesrats-Kandidaten war ein Thema für die FDP-Prüfungskommission. Das bestätigt deren Mitglied Alt-Ständerat Felix Gutzwiller: «Es war bei allen drei Kandidaten ein wichtiges Thema, dass man das familiäre Umfeld diskutiert.»
Die Partei habe den Bericht der Prüfungskommission «zur Kenntnis» genommen, sagt Generalsekretär Samuel Lanz. «Dieser hält insbesondere fest, dass keine strafrechtlich relevanten Punkte bei irgendeinem Kandidaten zum Vorschein gekommen sind.» Auch der Vorstand habe keine Hinderungsgründe für irgendeine Kandidatur festgestellt. «Er entschied, alle Kandidaturen an die Fraktion weiterzugeben.»

Das Privatleben der Kandidaten kommentiere die Partei aber nicht. «Das ist nicht Sache der Partei.»

Meistgesehen

Artboard 1