Informationskampagne
Ein Appell ans Herz: So will das BAG die Schweiz zum Impfen animieren – Mitte-Nationalrätin Humbel zeigt sich irritiert

Plakate mit Herzsujet, ein TV-Spot und prominente Gesichter sollen helfen, der Impfkampagne weiteren Schub zu verleihen.

Dominic Wirth
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Ein Pflästerliherz soll es richten. Mit diesem Sujet will das Bundesamt für Gesundheit (BAG) der grössten Massenimpfung in der Geschichte der Schweiz zusätzlichen Schub verleihen. «Ein Herz für uns alle» heisst es auf den Plakaten etwa, oder: «Ein Herz für meine Lieblingsbeiz». Bei der Kampagne steht laut dem BAG der solidarische Gedanke im Mittelpunkt. Sie läuft seit Montag und für drei Wochen, an 520 Orten hängen Plakate. Die Kampagne soll alle ansprechen, weil nun zusehends im ganzen Land Termine für den Piks gegen Covid-19 für alle verfügbar sind.

Neben den Pflästerliherzen setzt das BAG auf einen TV-Spot. Darin fährt eine Frau mit dem Velo durch die Stadt; sie sieht den Wirt, der gerade sein Restaurant bereit macht; den jungen Mann, der den Camper für die Ferien rüstet; die Grossmutter, die ihre Enkelin wieder in die Arme schliesst. Alles lächelt, am Ende dann der Slogan: «Jetzt nach Impfterminen erkundigen».

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Daneben hofft das BAG, dass die Leute sich von Prominenten für eine Impfung begeistern lassen. Dazu gehören etwa die Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi, der Zürcher Gastronom Rudi Bindella, die Journalistin Steffi Buchli, der Musiker Nemo oder der Orientierungsläufer Matthias Kyburz. Am Dienstagnachmittag findet in Bern ein Termin statt, an dem Prominente auf dem Bundesplatz zusammen mit dem BAG die Initiative «Gemeinsam fürs Impfen» lancieren.

Laut der aktuellsten Zahlen einer Online-Befragung der Universität Zürich sind 80 Prozent der 15- bis 79-Jährigen bereits geimpft oder impfbereit; weitere 9 Prozent sind Unentschlossen. Ziel der Kampagne ist es insbesondere, Unentschlossene und Impfzögerer von einer Impfung zu überzeugen. Das sagte Adrian Kammer, der Kampagnenleiter des BAG, der «NZZ am Sonntag».

Neben den Promis machen sich auch zahlreiche Verbände für die Impfung stark, etwa jener der Hausärzte oder der Apotheker. Zudem setzt das BAG auf einen Hashtag - #ichlassemichimpfen - und individualisierte Plakate, die sich jeder Geimpfte selbst ausdrucken kann, um zu unterstreichen, dass und warum er sich geimpft hat. Insgesamt kostet die Herz-Kampagne laut dem BAG 1,5 Millionen Franken.

Gesundheitspolitikerin findet Kampagne zu wenig dringlich

Ruth Humbel ist die Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission und damit eine der wichtigsten Gesundheitspolitikerinnen der Schweiz. Humbel sagt, sie finde es gut, dass das BAG eine Kampagne lanciert, damit sich mehr Leute impfen lassen. Allerdings tut sich die Mitte-Nationalrätin schwer damit, wie das BAG das macht.

Nationalrätin Ruth Humbel, Die Mitte, ist ob der neuen Kampagne irritiert.

Nationalrätin Ruth Humbel, Die Mitte, ist ob der neuen Kampagne irritiert.

Alex Spichale

«Ganz ehrlich: Mich irritiert diese Kampagne ein wenig», sagt Humbel. Die Aargauerin hätte sich eine deutlichere Ansprache gewünscht - und weniger Beliebigkeit. «Ein Herz für uns alle - dieser Satz kann über vielen Kampagnen stehen», sagt Humbel. In ihren Augen fehlt es der Kampagne an Dringlichkeit. Humbel sagt:

«Nur eine möglichst breite Durchimpfung hilft aus der Pandemie, da könnte man den Leuten doch auch sagen: Lassen sie sich impfen!»

Verena Herzog, Gesundheitspolitikerin der SVP, findet die Kampagne wichtig. «Neben Informationen sind nun auch Emotionen gefragt - das bietet die Kampagne», sagt die Thurgauerin. Insbesondere vom Hashtag und dem Aufruf «Ich lasse mich impfen – du auch?» erhofft sie sich, dass er noch Unentschlossene motiviert. «Jetzt müssen wir auch die Jungen überzeugen - und die sind nun mal oft in den sozialen Medien unterwegs», sagt Herzog.

In den letzten Tagen sind erneut hunderttausende Impfdosen in der Schweiz angekommen; allein der Kanton Zürich hat danach 120'000 neue Impftermine vergeben. Zwischen April und Juli werden insgesamt 8,1 Millionen Impfdosen im Land erwartet.