Coronakrise

«In meinem Alter stellt dich niemand mehr an» – Daniel Bühlmann wurde während des Lockdowns entlassen

Zwei Jahre vor der Pension entlassen worden: Daniel Bühlmann

Zwei Jahre vor der Pension entlassen worden: Daniel Bühlmann

Daniel Bühlmann ist gelernter Schriftsetzer und wurde während der Coronakrise als Chauffeur entlassen. Nun will er versuchen, mit Gleichgesinnten etwas auf die Beine stellen.

Daniel Bühlmann, Chauffeur, 63

Mitten in der Coronazeit wurde mir nach 4,5 Jahren gekündigt. Ich fuhr im Auftrag einer Transportfirma für eine Grossbäckerei aus Kloten. Mein Auftrag wurde mir per sofort entzogen. Die Firma hatte aber noch genügend Zeit, sich für Kurzarbeit anzumelden, den Coronakredit des Bundes zu kassieren und einen neuen Bus anzuschaffen. Und ich, 63 Jahre alt, stehe jetzt ohne Job da.

Ich habe in der «Aargauer Zeitung» eine Annonce geschaltet, weil ich hoffte, dass es anderen auch so geht und wir zusammen vielleicht etwas auf die Beine stellen können. Alleine kommst du gegen solche Systemprobleme ja gar nicht an. Und mit 63, in diesem Alter, stellt dich ja auch niemand mehr an.

Ich bin ursprünglich gelernter Schriftsetzer, aber den Beruf gibt es nicht mehr, da bliebe mir theoretisch jetzt nur noch die Selbstständigkeit oder das Sozialamt. Aber wissen Sie, nach 45 Jahren im Arbeitsleben will ich nicht zum Sozialamt, ich will arbeiten. Ich bin ja nicht der Einzige, der das so erlebt.

Eine trostlose Situation

Es ist egal, mit wem du sprichst, sie sagen alle: Gehen Sie zum Sozialamt. Aber ich will mein Geld nicht geschenkt. Ich habe seit bald zwei Monaten nichts zu tun, und mir ist stinklangweilig. Die Situation ist trostlos. Ich habe ja auch nicht das Geld, ständig etwas zu unternehmen. Mir wäre bereits mit wenig geholfen, ich muss ja nicht 6000 Franken im Monat verdienen wie ein Familienvater, es müsste einfach zum Leben reichen.

Der entlassene Chauffeur kritisiert die Politiker.

Der entlassene Chauffeur kritisiert die Politiker.

Haben Sie gehört, dass ein Politiker während der Coronazeit auf etwas verzichtet hätte? Da oben in seinem Sessel, mit vollem Gehalt, merkt der doch gar nicht, wie es den Menschen hier unten wirklich geht. Der hat eine ganz andere Lebensrealität. Der sagt dann Dinge wie, dass die reiche Schweiz sich die Coronakrise leisten kann. Natürlich, die Statistiken sagen das. Aber meine Realität sieht anders aus, das kann ich Ihnen sagen.

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