Verstoss
Im Interview mit Roger Federer: Das Schweizer Fernsehen hat Schleichwerbung begangen

In einem Gespräch mit dem Schweizer Tennisstar war dessen neues Schuhmodell minutenlang zu sehen. Das Bundesamt für Kommunikation hat nun entschieden, dass SRF damit gegen das Verbot der Schleichwerbung verstossen habe.

Francesco Benini
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SRF-Moderator Olivier Borer im Gespräch mit Nicola Spirig und Roger Federer.

SRF-Moderator Olivier Borer im Gespräch mit Nicola Spirig und Roger Federer.

Screenshot «Sportpanorama plus»

Das Schweizer Fernsehen hat in der Sendung «Sportpanorama plus», die am 25. Juli 2020 auf SRF 1 ausgestrahlt worden war, gegen den Grundsatz der Trennung von Werbung und redaktionellem Programm und gegen das Verbot der Schleichwerbung verstossen. Das schreibt das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) in einer Verfügung vom 17. Dezember 2020.

In der Sendung führte ein SRF-Moderator ein halbstündiges Interview mit Roger Federer und der Triathletin Nicola Spirig. Das Gespräch wurde in einem Studio aufgezeichnet, in dem am gleichen Tag das Unternehmen On den Sportschuh «The Roger» lancierte. Hinter den beiden Sportlern waren das Signet von «The Roger» zu sehen und ein Bildschirm, der das Schuhmodell zeigte – sowie ein Podest, auf dem ein Paar der neuen Schuhe lag.

Das Bundesamt kommt in seiner elfseitigen Verfügung zum Schluss, dass in der Sendung «eine Werbewirkung für die Firma On beziehungsweise deren Schuhmodell ‹The Roger› erzielt» worden sei. Dabei ist es nicht von Belang, ob das Unternehmen, dessen Produkte am Fernsehen gezeigt werden, dem Fernsehen etwas bezahlt hat oder nicht. «Die Frage der Entgeltlichkeit spielt bei dieser Zuständigkeitsordnung keine Rolle», betont das Bundesamt.

Das Schweizer Fernsehen machte gegenüber dem Bakom in einer Stellungnahme geltend, dass es keinerlei Absprachen mit dem Hersteller des Sportartikels getroffen habe. Demzufolge handelt es sich um einen Fall von «unentgeltlicher Schleichwerbung.»

SRF macht Zeitnot geltend. Das nützt aber nichts

Warum nahm SRF das Interview nicht an einem anderen Ort auf? Die Verantwortlichen machten Zeitdruck geltend; eine Produktion an anderer Stelle wäre mit «einem unverhältnismässigen Aufwand» verbunden gewesen. Das Fernsehen unterstreicht ausserdem: Federers neuer Schuh war nicht Thema des Interviews. Ein Teil des Dekors im Studio sei umgestellt worden. Und das Logo des Produkts sei zu jenem Zeitpunkt der Öffentlichkeit noch gar nicht bekannt gewesen; folglich habe es auch nicht zu einem «erheblichen Werbeeffekt» führen können.

Das Bundesamt für Kommunikation hat kein Gehör für diese Argumente und weist darauf hin, dass verschiedene Medien zuvor über die Lancierung des Schuhs berichtet hätten. Die «sportaffine Öffentlichkeit» sei bereits im Bild darüber gewesen, welches neue Produkt Federer vorstelle.

Das Bundesamt sieht auch das Online-Werbeverbot verletzt

SRF hat auch gegen das Werbeverbot im Online-Angebot verstossen – die Aufzeichnung des Interviews ist dort bis heute zu finden. Das Bakom will bis zum 11. Februar 2021 wissen, was das Schweizer Fernsehen unternehme, um den «rechtmässigen Zustand» herzustellen. Das beutet: Entweder SRF entfernt das Video - oder es verpixelt den Hintergrund der Aufnahme, sodass keine Schuhe und kein Signet mehr zu erkennen sind.

SRF muss zudem die Verfahrenskosten von 1680 Franken übernehmen sowie mitteilen, welche Vorkehrungen es trifft, damit sich die Rechtsverletzung nicht wiederholt.

Eine Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen ist möglich. Das Schweizer Fernsehen wird davon wohl aber absehen. Es räumt selber eine gewisse Fahrlässigkeit der Sendeverantwortlichen ein.