Tremola
Grüne Politikerin fordert: Alte Gotthardstrasse soll Velopass werden

Die grüne Politikerin Aline Trede (29) will die historische Passstrasse durch die Tremola dauerhaft für Töffs und Autos sperren lassen. Ihr Vorhaben stösst allerdings bei Velofan Fulvio Pelli auf wenig Gegenliebe.

Stefan Schmid
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Sie ist eine der eindrücklichsten Passstrassen der Schweiz: Die Tremola auf der Südseite des Gotthards im Kanton Tessin. Die engen Kurven aus Kopfsteinpflaster sind ein beliebtes Fotosujet. Wegen der Bausubstanz und ihrer Bedeutung als Nord-Süd-Verbindung gehört die Strasse zum Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz.

Früher benutzten Postkutschen diese Route in den Süden. Heute teilen sich Auto-, Motorrad- und Velofahrer die holprige Strasse. Allerdings für nicht mehr lange, wenn es nach dem Willen von Aline Trede (29) gehen soll.

Töffs sind gefährlich

Die Nationalrätin der Grünen will in der Herbstession eine Motion einreichen, die den berüchtigten Pass zur alleinigen Velostrecke erklärt. «Es braucht in der Schweiz eine Strecke, wo Velofahrer unter sich und damit in Sicherheit sind.»

Das Nebeneinander mit den viel schnelleren Autos und Töffs sei auf engen Passstrassen für alle Verkehrsteilnehmer ärgerlich und oft sehr gefährlich, sagt die Berner Politikerin.

Aus ihrer Sicht ist die Tremola als Velostrecke besonders geeignet. Über den Pass führt noch eine zweite, moderne Strasse. Der motorisierte Verkehr habe damit eine Alternative.

Touristisch ein Segen?

Ein reiner Velopass wäre zudem touristisch gerade für die Gotthardregion, die gerne ins Unesco-Welterbe Aufnahme fände, interessant, findet Trede. Und nicht zuletzt wäre eine solche Strecke auch ein Zeichen für den Breitensport in der Schweiz.

Tredes Vorschlag dürfte in Umweltkreisen auf Gegenliebe stossen. 2011 lancierte der VCS eine ähnliche Idee, die allerdings nie in einen konkreten Vorstoss mündete. Doch in Velofahrerkreisen gibt es Widerstand. Fulvio Pelli (60) etwa ist skeptisch.

Der Tessiner FDP-Nationalrat ist ein passionierter Rennvelofahrer. Er hat dieses Jahr den steilen Aufstieg von Airolo zum Gotthard-Hospiz über die Tremolastrasse in einer Stunde und 45 Minuten bewältigt. «In der Tremola gibt es nur sehr wenig Auto- und Motorradverkehr. Ich sehe das Problem nicht.» Die Strasse wäre tot, wenn man diesen den Zugang verbieten würde, sagt Pelli.

Strassenfahrzeuge in der Schweiz

Strassenfahrzeuge in der Schweiz

Barbara Adank

Strassen gehören allen

Gar keine Freude an Tredes Idee hat Walter Wobmann. Der Solothurner SVP-Nationalrat ist Präsident der Motorradfahrer Schweiz. «Ausgerechnet jene, die nichts für den Unterhalt der Strassen bezahlen, reklamieren nun eine eigene Strecke für sich.» Wobmann plädiert für den Status-quo. Die Strassen gehörten allen. Auto-, Töff- und Velofahrer müssten sich arrangieren und aufeinander Rücksicht nehmen.

Skeptisch reagiert man beim Bundesamt für Strassen (Astra). Die alte Gotthardstrasse sei keine Nationalstrasse. Die Strasse gehöre dem Kanton Tessin. Das Bundesparlament in Bern habe deshalb keine Kompetenz, den Tessinern vorzuschreiben, welche Verkehrsteilnehmer die Strasse benutzen dürften.

Aline Trede hält diese Argumentation für durchsichtig. «Immer wenn der Bund selber nicht handeln will, erklärt er andere für zuständig.» Allenfalls könnte der Bund die historische Strasse einfach kaufen, wie er dies jüngst im Rahmen des Netzbeschlusses mit zahlreichen Kantonsstrassen auch getan habe, schlägt Trede vor.

Sie will nun ihren Vorschlag in den kommenden Wochen im Detail ausarbeiten und in der Herbstsession einreichen.

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