Kommentar

Grösstes Hilfspaket der Geschichte: Der Bundesrat hat richtigerweise nicht alle Regeln über Bord geworfen

Finanzminister Ueli Maurer und Nationalbank-Präsident Thomas Jordan diskutieren vor der Bekanntgabe der Details ihres Rettungspakets.

Finanzminister Ueli Maurer und Nationalbank-Präsident Thomas Jordan diskutieren vor der Bekanntgabe der Details ihres Rettungspakets.

Dass Unternehmen Kredite zurückbezahlen müssen, ist richtig. Dass die Banken an der Kreditvergabe nicht verdienen, ebenfalls.

Coiffeurläden, Restaurants, Kleiderboutiquen oder Kinos. Sie alle sind wegen des Corona-Virus geschlossen. Anderen Firmen ist über Nacht das Geschäft weggebrochen. Viele Unternehmen, die bisher solid gewirtschaftet haben, sehen sich plötzlich unverschuldet in existenzieller Not. In einem Kraftakt hat der Bund zusammen mit der Schweizer Nationalbank und 300 Geschäftsbanken innert kürzester Zeit ein Kredit- und Bürgschaftsprogramm auf die Beine gestellt. Damit greift er angeschlagenen Firmen unter die Arme.

Das Tempo, in dem das grösste Hilfspaket der Schweizer Wirtschaftsgeschichte geschnürt wurde, beeindruckt. Die Geschwindigkeit war dabei aber auch das Mass aller Dinge. In den letzten Tagen haben bereits die ersten KMU bei den Banken angeklopft: Sie können die Märzlöhne nicht mehr bezahlen. Nun kommen sie schnell zu Geld: Kredite bis zu einer halben Million Franken sind laut dem Chef der Zürcher Kantonalbank in einer halben Stunde spruchreif.

Trotz des hohen Tempos hat der Bundesrat nicht alle Regeln über Bord geworfen. Und zwar auf beiden Seiten nicht. Nicht bei den Unternehmen, welche die Gelder benötigen: Die Kredite sind keine A-fonds-Perdu-Beträge. Sie müssen nach fünf Jahren zurückbezahlt werden. Aber auch nicht bei den Banken: Für sie ist die Kreditvergabe kein Geschäft. Bei den vom Bund verbürgten Krediten bis 500 000 Franken werden weder Zinsen noch Gebühren fällig. Bei Darlehen darüber beträgt der Zins 0,5 Prozent. Das scheint berechtigt, müssen doch die Banken einen Teil des Ausfallrisikos tragen und deshalb die Unternehmen gründlich unter die Lupe nehmen.

Dass die Banken schliesslich ihre Infrastruktur in den Dienst der Schweizer Wirtschaft stellen, ist eine schöne Begleitnote. War es doch der Bund, der 2008 mit über 60 Milliarden Franken die in Schieflage geratene UBS und damit den Schweizer Finanzplatz gerettet hatte. Man kann das Engagement der Banken deswegen wohl auch als eine Art Revanche betrachten.

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