Schweiz

Gotthard-Komitee wehrt sich gegen spätere Inbetriebnahme von Tessiner Bahnausbauten

Im Ceneri-Basistunnel haben im Mai erste Tests stattgefunden. Wann er für den Personenverkehr vollständig freigegeben wird, scheint derzeit offen.

Im Ceneri-Basistunnel haben im Mai erste Tests stattgefunden. Wann er für den Personenverkehr vollständig freigegeben wird, scheint derzeit offen.

Carmen Walker Späh, Präsidentin des Gotthard-Komitees, kritisiert Pläne der SBB, verschiedene Ausbauten des Bahnnetzes im Tessin statt im Dezember erst ein halbes Jahr später in Betrieb nehmen zu wollen.

(sat) Am Mittwoch hat die Tessiner Regierung Pläne der SBB publik gemacht, wonach der neue Fahrplan in der Südschweiz wegen Verspätungen bei Baustellen und der Lokführerausbildung nicht wie geplant bereits im Winter umgesetzt werden kann. Konkret soll der Ceneri-Basistunnel unter anderem wegen conabedingten Verzögerungen erst im April 2021 statt bereits am 13. Dezember für den Personenverkehr vollständig in Betrieb gehen. Der Kanton Tessin kritisierte die Pläne scharf und warf den SBB vor, nicht genügend Zeitreserven eingeplant und Abmachungen gebrochen zu haben.

Nun doppelt das sogenannte Gotthard-Komitee am Samstag nach. «Wir würden einen solchen Entscheid bedauern», kritisiert deren Präsidentin Carmen Walker Späh die SBB-Pläne. Die Zürcher Regierungsrätin «erwartet» laut Mitteilung vom Bundesamt für Verkehr und den SBB, «dass alles versucht wird, damit die geplante Eröffnung im Dezember ermöglicht wird.» Im Gotthard-Komitee sind 13 Kantone sowie Wirtschaftsvertreter entlang der Gotthard-Achse zusammengeschlossen.

SBB künden «attraktiven» Übergangsfahrplan an

Hans-Peter Vetsch, Geschäftsführer des Gotthard-Komitees, kritisiert im Gespräch mit CH Media, die SBB könnten «jetzt nicht einfach alle Verspätungen auf Corona abschieben». So habe es die Alptransit etwa fertig bringen können, dank einer Ausnahmebewilligung beim Ceneri-Basistunnel nicht in Verzug zu geraten. Und der Kanton Tessin habe bereits viel Geld gesprochen, um an verschiedenen Knotenpunkten die Bus- und Schiffsanschlüsse an die Züge rechtzeitig fertig zu stellen. Auch deshalb müsse verhindert werden, dass die Tessiner S-Bahn erst mit Verzögerung des Ceneri-Basistunnel in Betrieb nehmen könne.

Bei den verspäteten Nebenbaustellen des im Bau befindlichen Ceneri-Basistunnels handelt es sich laut Tessiner Kantonsregierung um die Abschnitte Riazzino-Tenero auf der Strecke Bellinzona-Locarno sowie um den Tunnel in Lugano-Paradiso. Zudem macht die SBB laut der Tessiner Kantonsregierung geltend, dass sich wegen der Coronakrise die Ausbildung der zusätzlich benötigten Lokführer verzögere. Dies haben die SBB in verschiedenen Medienberichten der letzten Tage bestätigt und einen «attraktiven» Übergangsfahrplan angekündigt. Darüber informieren wollen sie jedoch erst in den kommenden Wochen.

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