Globale Steuerreform
Diesen bekannten Schweizer Grosskonzernen könnte die Steuerreform wehtun

Mit der globalen Firmensteuer von 15 Prozent soll der Steuerwettbewerb unterbunden werden. Tritt diese in Kraft, wird sie auch alteingesessene Schweizer Konzerne treffen.

Chiara Stäheli
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Bundesrat Ueli Maurer berichtet in Bern vom G20-Finanzministertreffen in Washington.

Bundesrat Ueli Maurer berichtet in Bern vom G20-Finanzministertreffen in Washington.

Bild: Keystone

Während zweier Tage hat Finanzminister Ueli Maurer vergangene Woche in Washington mit seinen Amtskollegen der G20-Staaten unter anderem die globale Steuerreform beraten. Die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgeschlagene globale Mindestbesteuerung setzt an zwei Punkten an:

Erstens sollen grosse Unternehmen dort besteuert werden, wo sie den Umsatz machen. Und nicht wie bis anhin an jenem Ort, wo der Firmensitz liegt. Ausgenommen von dieser Regelung sind regulierte Finanzdienstleister und Konzerne, die im Rohstoffabbau tätig sind.

Zweitens sollen international agierende Konzerne, die jährlich mehr als 750 Millionen Euro erwirtschaften, künftig 15 Prozent ihres Gewinnes abgeben. Damit soll der Wettbewerb um möglichst tiefe Steuern verhindert werden. Denn es ist bei grossen Konzernen bekanntlich beliebt, ihre Gewinne in besonders steuergünstige Staaten zu verschieben.

Gemäss Angaben von Ueli Maurer wären in der Schweiz von ersterer Neuerung auf alle Fälle die drei Grosskonzerne Novartis, Roche und Nestlé betroffen. «Vielleicht auch noch ein, zwei andere», so der Finanzminister am Freitag vor den Medien.

«Wir müssen unkomplizierter werden»

Betroffen vom zweiten Teil der Reform sind laut Maurer rund 250 Schweizer Firmen sowie wenige tausend ausländische Firmen, die eine Tochterunternehmung in der Schweiz haben.

Welche finanziellen Auswirkungen die Steuerreform auf die Schweiz haben wird, sei schwierig zu beurteilen, so Maurer. Vor allem deshalb, weil im Moment die Berechnungsgrundlage noch nicht definiert sei. Maurer geht davon aus, dass «einige Firmen in der Schweiz mehr Steuern zahlen müssen». Eben deshalb gelte es, die Standortattraktivität der Schweiz unabhängig des Steuersystems attraktiv zu gestalten. Konkret schwebt dem 70-Jährigen vor, die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und den Behörden mittels digitaler Prozesse zu vereinfachen und effizienter zu gestalten:

«Wir müssen unkomplizierter, direkter und offener werden im Dialog mit der Wirtschaft.»

Dazu zähle auch, dass Bewilligungsverfahren vereinfacht und in bestimmten Branchen – beispielsweise der Informatik oder der Biotechnologie – die Drittstaatenkontingente zeitlich begrenzt erhöht werden.

Die Steuerreform wird aktuell von 136 Staaten unterstützt. Geht es nach der G20, welche die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer weltweit repräsentiert, soll die Reform bereits 2023 in Kraft treten. Für die Schweiz ein sportlicher Zeitplan, wie Maurer sagt: «Für uns wird eine Inkraftsetzung per 2023 sehr schwierig. Man hat uns allerdings signalisiert, dass eine Umsetzung in Etappen möglich sein soll.» Er gehe davon aus, dass die Beratungen im Parlament bis 2023 abgeschlossen sein werden. Bis dahin werden die Kantone in einer Arbeitsgruppe bereits an konkreten Umsetzungsmöglichkeiten arbeiten.

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