Bern
Gewalt rund um die Reitschule ruft Bürgerliche auf den Plan

Nach den gewalttätigen Angriffen von Linksautonomen auf die Berner Polizeiwache am vergangenen Wochenende erschallt der Ruf bürgerlicher Kreise nach härterem Durchgreifen. Die Freisinnigen fordern eine temporäre Schliessung der Reitschule.

Drucken
Teilen
Für die einen kultureller Freiraum, für andere ein Schandfleck und eine Brutstätte linksautonomer Gewalt: Die Reitschule Bern.

Für die einen kultureller Freiraum, für andere ein Schandfleck und eine Brutstätte linksautonomer Gewalt: Die Reitschule Bern.

Keystone

Die linksextreme Gewalt habe eine neue Qualität erreicht, schreibt die Stadtberner FDP in einem Vorstoss und bestätigt eine Meldung der Online-Portale der "Berner Zeitung" und des "Bund".

In der Nacht auf Samstag griff eine grössere Gruppe Vermummter unter anderem die Polizeiwache am Berner Waisenhausplatz an. Das Gebäude wurde beschmiert, Fahrzeuge wurden beschädigt. Ein Polizist wurde von einer Flasche getroffen und leicht verletzt. Die Polizei setzte Gummischrot ein, woraufhin sich die Angreifer zurückzogen.

Flaschen, Farbbeutel, Barrikaden

In den vergangenen Jahren kam es aus dem Dunstkreis des autonomen Kulturzentrums Reitschule immer wieder zu Angriffen auf Blaulichtorganisationen. Mal flogen Flaschen gegen Polizeiautos, mal spritzten Farbbeutel an die Wände des Regionalgefängnisses, mal errichteten Chaoten Strassenbarrikaden.

Immer wieder zogen sich die Angreifer in die Reitschule zurück. Von Seiten des autonomen Kulturzentrums heisst es dann jeweils, man distanziere sich zwar von den Gewaltangriffen. Die Reitschule könne dafür aber nicht verantwortlich gemacht werden. Man habe alles getan, um die Zugänge unter laufendem Hochbetrieb zu schliessen.

Die Freisinnigen mögen dieser Version keinen Glauben schenken: für sie sieht die Reitschul-Betreiberin, die Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKuR), dem Treiben wort- und tatenlos zu.

Selbst Attacken auf die eigene Kundschaft würden toleriert, schreibt die FDP mit Verweis auf einen weiteren Vorfall am Wochenende, wo ein Jugendlicher an einer Reitschul-Party beim Schlichten eines Streits selber spitalreif geschlagen wurde.

Schliessen, bis die Sicherheit gewährleistet ist

Die Reitschule müsse so lange geschlossen werden, bis geeignete Sicherheitsmassnahmen seitens der Betreiber umgesetzt seien, fordert die FDP in einer dringlichen Motion.

Die Stadtberner SVP verweist in einer Mitteilung vom Montag auf diverse Vorstösse, die sie bereits früher zum Thema eingereicht hat. "Leider konnten wir bisher für ein entschlossenes Vorgehen keine Mehrheiten im Rot-Grün-Mitte dominierten Stadt- und Gemeinderat gewinnen", schreibt die Partei.

Am 26. Februar wird das Stadtparlament über einen Vorstoss von Erich Hess diskutieren, der eine vorzeitige Kündigung der Leistungsverträge mit der Reitschule fordert.

SVP-Grossrat Thomas Fuchs kündigte am Montag an, im Berner Kantonsparlament eine Anfrage zur Gewalt rund um die Reitschule einzureichen. Unter anderem will Fuchs von der Kantonsregierung wissen, ob sie bereit sei, der Berner Stadtregierung die Kompetenzen in Sachen Sicherheit der Reitschule zu entziehen.

Kultur- und Freiraum oder Hort der Gewalt?

Für die einen ist die Reitschule Kulturzentrum und unverzichtbarer Freiraum, für andere ein Schandfleck und eine Brutstätte linksautonomer Gewalt.

Bisher hat sich das Stimmvolk im rot-grünen Bern immer hinter die Institution gestellt. Doch das könnte sich ändern, mutmasst der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) in einem Interview mit der "Berner Zeitung" vom Montag.

Er habe den Eindruck, dass es nun über Monate hinweg fast wöchentlich zu Vorfällen gekommen sei. Die mutmasslichen Täter hätten dabei in Kauf genommen, dass es zu Schwerverletzten hätte kommen können. "Ich habe den Eindruck, dass die öffentliche Wahrnehmung deshalb am Kippen ist", wird Nause zitiert.

Für den Sicherheitsdirektor ist klar, dass die Sicherheitsvereinbarung mit der Reitschule "einmal mehr nicht so funktioniert hat, wie wir das vereinbart haben". Er werde zwingend Anpassungen im neuen Leistungsvertrag fordern, der vom Gemeinderat noch nicht verabschiedet wurde.

Reitschule verurteilt mediale EskalationDie Mediengruppe der Reitschule Bern verurteilte den Versuch verschiedener rechts- oder wahlpolitisch motivierten Kreise, die Farbanschläge vom Wochenende medial eskalieren zu lassen. Seit einiger Zeit machten die Polizeiverbände Politik und versuchten mit ihren in den Medien platzierten Forderungen und Stellungnahmen gegen die Reitschule Einfluss zu nehmen, heisst es in einer Mitteilung der Mediengruppe der Reitschule.

Insbesondere indem sie politische Aktionen oder Ereignisse überhöhten, untermauerten sie ihre Forderungen nach noch mehr Überwachung, noch mehr Kontrolle und noch mehr Polizei.

Das reflexartige Schreien von Politikerinnen und Politikern nach einer Schliessung der Reitschule erstaune hingegen nicht. Denn am liebsten sähen jene Politiker die Reitschule geschlossen und mit weisser Fassade, damit ihre heile kleine Welt möglichst nicht gestört würde, heisst es.