Plötzlich bleibt ein brennender Zigarettenstummel am Scheibenwischer hängen. Isabelle Chevalley macht auf der Autobahn einen Notfallstopp, entfernt die glühende Gefahr, bevor sie in den Motor gelangt. Die grünliberale Nationalrätin aus dem Kanton Waadt will die Verkehrsregeln ändern, damit es auf hiesigen Strassen nicht mehr zu solch heiklen Situationen kommt.

Sie erinnert daran, dass der Brand im Montblanctunnel vor 20 Jahren durch einen Zigarettenstummel ausgelöst wurde, der sich im Kühlergrill eines Lastwagens verfangen hatte. Beim Unglück verloren 39 Menschen ihr Leben. , fordert Cevalley.

Zum einen seien qualmende Autofahrer eine Gefahr für die Verkehrssicherheit. Zum anderen würden aus dem Fenster geworfene Zigarettenstummel der Umwelt schaden. Und Chevalley bezweifelt, dass rauchende Lenker «das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass sie ihren Vorsichtspflichten nachkommen» können, wie es im Gesetz heisst.

Ein explizites Rauchverbot lehnt der Bundesrat jedoch ab. Die Strassenverkehrsverordnung untersage das Rauchen schon heute, wenn dadurch die Bedienung des Fahrzeugs erschwert werde. Der Bundesrat sieht keinen Grund, Nebentätigkeiten wie Essen, Trinken oder Rauchen speziell zu verbieten.

«Einzige Ausnahme bildet das Telefonieren ohne Freisprechanlage, welches ein besonders hohes Ablenkungs- und Gefährdungspotenzial hat und deshalb explizit geregelt ist», schreibt der Bundesrat in der am letzten Donnerstag veröffentlichen Antwort auf einen Vorstoss von Chevalley.

Chevalley will nicht locker lassen

Die Waadtländer Nationalrätin gibt aber nicht auf. Für ein ausdrückliches Rauchverbot müsse bloss die Verordnung angepasst werden, sagt Chevalley. Sie werde nun bei der Bundesverwaltung anklopfen. Falls ihre Forderung auf diesem Weg nicht erfüllt wird, wird sie einen weiteren Vorstoss nachschieben.

Bestärkt fühlt sich die grünliberale Politikerin von Reaktionen aus der Bevölkerung, zum Beispiel von Töfffahrern. «Sie wären froh, wenn nicht mehr Zigarettenstummel an ihren Helmen abprallen würden», sagt Chevalley.

Wie viele Verkehrsunfälle durch Ablenkung beim Rauchen und/oder aus dem Fenster geschleuderte Zigarettenstummel verursacht werden, ist nicht bekannt. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) findet es derzeit nicht nötig, ein explizites Rauchverbot zu installieren, die gültige Verordnung genüge, um Ablenkung zu sanktionieren. «Wir wollen das Rauchen am Steuer nicht verharmlosen», sagt bfu-Sprecher Marc Kipfer.

Ein nicht funktionierendes Feuerzeug sei zum Beispiel eine grosse Gefahrenquelle. Beim Thema Ablenkung sei Rauchen aber nicht das Hauptproblem. Kipfer weist darauf hin, dass Autofahrer auch bei anderen Tätigkeiten nicht ihre volle Konzentration auf den Strassenverkehr richten – zum Beispiel, wenn sie telefonieren, mit anderen Passagieren reden, essen, trinken oder am Navigationsgerät und am Radio herumhantieren.