Alles scheint wie am Schnürchen zu laufen: Vor einem grossen Medienaufgebot hatte die St. Galler Ständerätin am 9. Oktober im heimatlichen Wil bekanntgegeben, dass sie für den Bundesrat kandidieren will.

Seither wurde sie von der Kantonalpartei nominiert, absolvierte mit den anderen beiden Kandidierenden der FDP eine Art Roadshow quer durchs Land. Und nun steht nur noch das Wahlprozedere durch die Bundesversammlung mit all seinen Unwägbarkeiten bevor.

Es habe Zeiten gegeben, in denen sie sich diesen Schritt nicht vorstellen konnte, sagte sie im Wiler Stadtsaal. Zu den Tiefpunkten in ihrem Leben zählt sie die Niederlage 2010 in Bern, als sie für die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz bis fast am Schluss gut im Rennen lag. Doch dann zog ihr die Mehrheit im zweitletzten Wahlgang Jean-François Rime (SVP) vor, der danach in der Ausmarchung Johann Schneider-Amman unterlag.

Klassische Politkarriere

Vielleicht hat diese Enttäuschung für die 54-jährige Politikerin deshalb so viel Gewicht, weil sich sonst in ihrer politischen Laufbahn keine grossen Rückschläge finden lassen. Karin Keller-Sutter absolvierte bisher eine schnörkellose Politkarriere mit allen klassischen Stationen.

1992 wurde sie für die FDP ins Wiler Gemeideparlament gewählt, das sie 1997 präsidierte. Politisiert wurde sie durch ihr Faible für Aufklärung und Liberalismus und konkreter durch die Diskussionen um die Fristenlösung. Unter anderem dort zeigten sich weltanschauliche Differenzen zur CVP, der traditionell-dominanten Kraft in Wil.

Im Eiltempo ging es danach auf kantonaler Ebene weiter. Nach nur vier Jahren im Kantonsrat kandidierte sie im Jahr 2000 für den Regierungsrat und holte einen zuvor an die SP verlorenen Sitz für die FDP zurück. Danach leitete sie während ihrer gesamten zwölfjährigen Zeit als Regierungsrätin stets das Sicherheits- und Justizdepartement.

Agendawechsel im Ständerat

Regelmässig gelang es ihr, sich mit den Themen Migration und Fussballhooligans auf der nationalen Bühne zu profilieren. Erst nach der problemlosen Wahl in den Ständerat 2011 veränderte sich ihre politische Agenda. Nicht mehr Sicherheitsthemen stehen seither im Fokus, sondern die Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Spätestens seit dem 8. Oktober in Wil ist klar, dass Karin Keller-Sutter mehr erreichen will als den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere, das Präsidium im Ständerat: Acht Jahre nach dem ersten Anlauf soll es nun am 5. Dezember doch noch klappen mit der Wahl in die Landesregierung.