Es war die Schwester des Vizeammanns

Nun ist klar, wer die anonymen Rümiker Flugblätter verfasst und der Post den Auftrag zur Verteilung gegeben hat. Die Schwester des Vizeammanns Kurt Fischer räumt ein, für die Aktion verantwortlich zu sein.

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Rümikon

Rümikon

Aargauer Zeitung

Angelo Zambelli

Flugblatt ist kein Freipass Kommentar von Angelo Zambelli Flugblätter sind per se nichts Schlechtes. Sie dienen dazu, einem relativ kleinen Kreis ohne grossen finanziellen Aufwand eine Meinung kundzutun. Flugblätter sind aber keinesfalls ein Freipass, Andersdenkende ohne Autorenangabe zu verunglimpfen, in ihrem Persönlichkeitsrecht zu verletzen oder in der Öffentlichkeit blosszustellen - wie in Rümikon geschehen. Mutig ist, wer zu seiner Meinung steht; feige, wer aus dem Hinterhalt auf seine Gegner schiesst und sich auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht zu erkennen gibt. Immerhin ist es beruhigend zu wissen, dass Opfer anonymer und diffamierender Flugblätter bei der Post nach dem Auftraggeber fragen können und auch die entsprechende Auskunft erhalten. Dies eröffnet den Angegriffenen die Möglichkeit, den oder die Urheber zur Rede zu stellen und sie zu zwingen, offen zu kommunizieren. Im Fall Rümikon haben viele Faktoren zum vergifteten Klima beigetragen. Es ist nur schwer zu eruieren, wer im Recht ist und wer im Unrecht. Fest steht: Die Flugblattschreiberin hat ihrem Bruder einen Bärendienst erwiesen. Im schlimmsten Fall könnte die Dummheit in einer Abwahl des amtierenden Vizeammanns gipfeln. Das vorerst letzte Wort haben die Wählerinnen und Wähler. Sie entscheiden mit ihrer Stimme, wem sie nach all den Querelen das Vertrauen schenken wollen und wem nicht. Klar ist: Das letzte Kapitel in der Geschichte des Rümiker Dorfzwistes ist noch nicht geschrieben. Bleibt die Hoffnung, dass das Kriegsbeil allen Streitigkeiten zum Trotz doch noch irgendwann begraben wird. angelo.zambelli@azag.ch

Flugblatt ist kein Freipass Kommentar von Angelo Zambelli Flugblätter sind per se nichts Schlechtes. Sie dienen dazu, einem relativ kleinen Kreis ohne grossen finanziellen Aufwand eine Meinung kundzutun. Flugblätter sind aber keinesfalls ein Freipass, Andersdenkende ohne Autorenangabe zu verunglimpfen, in ihrem Persönlichkeitsrecht zu verletzen oder in der Öffentlichkeit blosszustellen - wie in Rümikon geschehen. Mutig ist, wer zu seiner Meinung steht; feige, wer aus dem Hinterhalt auf seine Gegner schiesst und sich auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht zu erkennen gibt. Immerhin ist es beruhigend zu wissen, dass Opfer anonymer und diffamierender Flugblätter bei der Post nach dem Auftraggeber fragen können und auch die entsprechende Auskunft erhalten. Dies eröffnet den Angegriffenen die Möglichkeit, den oder die Urheber zur Rede zu stellen und sie zu zwingen, offen zu kommunizieren. Im Fall Rümikon haben viele Faktoren zum vergifteten Klima beigetragen. Es ist nur schwer zu eruieren, wer im Recht ist und wer im Unrecht. Fest steht: Die Flugblattschreiberin hat ihrem Bruder einen Bärendienst erwiesen. Im schlimmsten Fall könnte die Dummheit in einer Abwahl des amtierenden Vizeammanns gipfeln. Das vorerst letzte Wort haben die Wählerinnen und Wähler. Sie entscheiden mit ihrer Stimme, wem sie nach all den Querelen das Vertrauen schenken wollen und wem nicht. Klar ist: Das letzte Kapitel in der Geschichte des Rümiker Dorfzwistes ist noch nicht geschrieben. Bleibt die Hoffnung, dass das Kriegsbeil allen Streitigkeiten zum Trotz doch noch irgendwann begraben wird. angelo.zambelli@azag.ch

Aargauer Zeitung

Noch ist nicht bekannt, wer morgen Sonntag von den Rümiker Wahlberechtigten genügend Stimmen erhält, um in der Exekutive zu verbleiben oder neu in den Gemeinderat einzuziehen. Bezüglich Urheberschaft der beiden durch die Post verteilten Flugblätter jedoch hat sich der Nebel gelichtet: Monika Fischer, die Schwester des Vizeammanns Kurt Fischer, hat nach mehreren Versuchen, die Angelegenheit zu vertuschen, gegenüber der Aargauer Zeitung zugegeben, die Blätter aufgesetzt und der Post zur Verteilung übergeben zu haben. Dass der Flugblattschreiberin keine andere Möglichkeit als das Eingeständnis blieb, ist darauf zurück zu führen, dass der angeschossene Gemeinderats- und Vizeammann-Kandidat Franz Schumacher die Möglichkeit nutzte, als einer der Adressaten Name und Anschrift des Auftraggebers in Erfahrung zu bringen (siehe Infobox).

«Kein Ruhmesblatt»

Monika Schumacher bereut ihre Aktion: «Die anonymen Flugblätter sind sicher kein Ruhmesblatt. Die Emotionen gingen mit mir durch, als ich feststellen musste, dass die Interessengemeinschaft Rümikon mit allen Mitteln versucht, meinen Bruder aus dem Amt zu drängen.» Monika Fischer hat auch eingesehen, dass die Flugblattaktion kontraproduktiv wirkt und ihrem Bruder mit hoher Wahrscheinlichkeit Schaden zufügt.

Am meisten aber bereut Monika Fischer, dass sie den Gegenspieler ihres Bruders im Kampf um das Vizeammannamt mit ihrer Formulierung «Franz Schumacher? Ein Mann der gesundheitliche Probleme hat. NEIN! Wir brauchen Gemeinderäte, die zupacken können» in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt hat. Sie werde den Kontakt zu Franz Schumacher suchen und hoffe, dass die Angelegenheit bereinigt werden könne, sagt Monika Fischer.

Die Post Gibt Auskunft

«Bei der Post kann jedermann erfahren, von wem er eine Sendung zugestellt bekommen hat. Dazu brauchen wir keine Rechtsgrundlage», sagt Richard Pfister vom Rechtsdienst der Post in Bern. Das Postgeheimnis beziehe sich lediglich auf den Inhalt eines Briefes oder eines Paketes, nicht aber auf den Auftraggeber. Bei Flugblättern spiele es keine Rolle, ob es anonym oder gekennzeichnet sei. Nicht angenommen werden bei der Post Sendungen mit rassistischem oder pornografischem Inhalt. (za)

Beim Schreiben der öminösen Zeilen habe sie nicht bedacht, dass bei den Leserinnen und Lesern der (unberechtigte) Verdacht aufkommen könnte, es handle sich bei den gesundheitlichen Problemen um gravierendere Krankheiten als die effektiv gemeinten Rückenprobleme. Von ihrem «innerfamiliären Support» habe ihr Bruder nichts gewusst, beteuert Monika Fischer. «Es wäre wohl gescheiter gewesen, ich hätte ihn vorher kontaktiert. Vielleicht hätte er mich noch rechtzeitig gestoppt.»

Franz Schumacher will die Angelegenheit so schnell wie möglich beenden und sich der Zukunft zuzuwenden. Rechliche Schritte gegen die Flugblattschreiberin plant er nicht.

Kurt Fischer mauert

Der amtierende Vizeammann Kurt Fischer reagiert lautstark und höchst emotional auf die Bitte, das Vorgefallene zu kommentieren. Stattdessen bezichtigt er den Fragesteller, Unfrieden im Dorf stiften zu wollen. Sein Kontrahent um das Vizeammannamt, Franz Schumacher, hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: «Ich nehme es Kurt Fischer nicht ab, von der ganzen Geschichte nichts gewusst zu haben.»