Johann Schneider-Ammann sei schon immer mehr ein «Päppu» geworden, findet Politologe Michael Hermann in der Diskussionssendung «Talk Täglich» auf Tele M1. Früher sei er ein dynamischer Unternehmer, ein richtiger Managertyp gewesen. Doch nun habe man schon fast Mitleid mit ihm haben müssen, weshalb die Erleichterung über den Rücktritt nun gross sei. 

Auch «Nordwestschweiz»- und «Schweiz am Wochenende»-Chefredaktor Patrik Müller mag es Schneider-Ammann gönnen, dass er nun seine Grossvaterrolle geniessen kann. Die  zunehmende Müdigkeit des Berner FDP-Magistrats sei unübersehbar.

Er sei ein guter Kommunikator gewesen, der es verstanden hat, Deals abzuschliessen, fährt Patrik Müller fort. Dabei habe er allerdings gerade in den letzten Wochen beim Streit mit Gewerkschaftspräsident Paul Rechsteiner eine etwas unglückliche Rolle gespielt. Dieser habe Schneider-Ammann regelrecht überrollt.

Die besten Bilder von Noch-Bundesrat Johann Schneider-Ammann:

Michael Hermann ergänzt, dass dem scheidenden Bundesrat Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit stets sehr wichtig waren. Er sei aber auch jemand gewesen, der schnell verletzt und beleidigt war und dies ewig lange nachgetragen hat. Gerade in der Politik sei diese Dünnhäutigkeit nicht eben von Vorteil. 

Gerade sachpolitisch könne sich Schneider Ammanns Bilanz als Bundesrat aber durchaus sehen lassen, fährt Hermann fort. Er habe die meisten Abstimmungen gewonnen. Gleichzeitig müsse man sehen, dass die Schweiz derzeit wirtschaftlich allgemein eine gute Zeit erlebe. Er sei also nicht der gewesen, der dieses «Wirtschaftswunder» hervorgebracht habe.  

Dass Schneider-Ammann in seiner Amtszeit gar nicht so viel gemacht hat, deutet Patrik Müller als Stärke. Als liberaler Wirtschaftsminister in einem Land, das gut läuft, habe es der Noch-Bundesrat gut gemacht. Er habe die Regulierungen, die vor seiner Ära zugenommen haben, eher wieder etwas gestoppt. 

Zum Thema Nachfolge sind sich die beiden Gäste einig: es muss eine Frau sein. Schliesslich sei seit Elisabeth Kopp (1984 bis 1989) keine Frau mehr für die FDP im Bundesrat vertreten gewesen. Betrachte man alle weiteren Kriterien, die eine Bundesrätin mitnehmen müsse, lande man immer wieder bei Karin Keller-Sutter, erklärt Müller. Allfällige weitere Kandidaten – insbesondere männliche – seien da reines Kanonenfutter, so der Chefredaktor.

Auch für Politologe Hermann ist klar, dass die neue Bundesrätin Karin Keller-Sutter heisst. Es sei faszinierend zu beobachten, wie sich die Ostschweizerin bereits im Vorfeld auf die Nachfolge vorbereitet hat und sich politisch neu positioniert habe. Damit habe sich die 54-Jährige bereits in die Pole-Position um Johann Schneider-Ammanns Nachfolge gebracht. (luk)

Die ganze «Talk Täglich»-Sendung zum Thema können Sie hier nachschauen: 

Rücktritt Bundesrat Schneider-Ammann («Talk Täglich» vom 25.09.18)

Rücktritt Bundesrat Schneider-Ammann («Talk Täglich» vom 25.09.18)

Im «TalkTäglich» geben unsere Experten eine erste Einschätzung und äussern sich zur möglichen Nachfolge.