Untersuchungshaft
Er kann es nicht lassen - wird Carlos jetzt für immer weggesperrt?

Es wird eng für Carlos, den mittlerweile wohl bekannteste Jugendstraftäter der Schweiz: Wenn die Staatsanwaltschaft Zürich seinen letzten Angriff als versuchte schwere Körperverletzung qualifiziert, dann könnte Carlos ein Fall für die Verwahrung werden.

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"Carlos" beim Kampfsporttraining in Reinach (Screenshot SRF)

"Carlos" beim Kampfsporttraining in Reinach (Screenshot SRF)

Screenshot SRF

Der unter dem Namen «Carlos» bekannte Mann fällt seit Jahren negativ auf. Einmal verletzte er einen anderen Jugendlichen mit einem Messer, ein anderes Mal brach er einem Bekannten den Unterkiefer.

Nach einem Angriff auf einen Aufseher in der Anstalt Pöschwies ist es deshalb möglich, dass der mittlerweile 23-Jährige verwahrt wird. Das schreibt die Zeitung «Blick».

Der Angriff auf den Aufseher ereignete sich im Juni 2017, als «Carlos» in Sicherheitshaft hätte verlegt werden sollen. Das meldete damals die «NZZ». Ursache dafür war eine geplante Attacke von anderen Häftlingen gegen ihn gewesen. Gegen diese Verlegung soll Carlos aufbegehrt haben.

Erst habe er einen Stuhl an die Wand geworfen, beim Gerangel mit dem Wärter habe dieser dann jene Blessuren davongetragen, die eine Behandlung im Spital erfordert hätten. Die Oberstaatsanwaltschaft Zürich nahm zu dem Vorfall keine Stellung.

Auch mit Blick auf die mögliche Verwahrung hält die Zürcher Staatsanwaltschaft sich dem «Blick» gegenüber bedeckt: «Was die Frage nach der Prüfung der Voraussetzungen einer ordentlichen Verwahrung betrifft, kann ich (...) festhalten, dass die Staatsanwaltschaft (...) selbstverständlich überprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind», so Staatsanwalt Ulrich Krättli.

 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
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 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

Keystone

Carlos hatte nicht nur Personal angegriffen, sondern auch mehrfach in seiner Zelle randaliert und sie unter Wasser gesetzt. Laut «Blick» machte er den Aufsehern zusätzlich das Leben schwer, indem er sie anspuckte und seine Essklappe aus der Verankerung riss.

Auf dem Hofgang müsse Carlos ausserdem jeweils von vier Mitgliedern einer Sondereinheit begleitet werden. Auch ein Polizeihund sei dabei.

Anwalt kämpft gegen Verwahrung

Der Anwalt von Carlos will eine mögliche Verwahrung verhindern. Carlos sei immer wieder schlecht behandelt worden. «Extreme Massnahmen können entsprechende Reaktionen bei ihm hervorrufen. Man muss immer beide Seiten anschauen. Einerseits muss er sich anstrengen, wozu er auch bereit ist. Anderseits muss man das Setting betrachten», so Anwalt Thomas Häusermann.

«Die ganze Situation ist sonderbar. Er wird behandelt wie ein höchst gefährlicher Straftäter. Wir dürfen nicht vergessen: Carlos hat niemanden umgebracht oder vergewaltigt. Die Behandlung ist ungerecht. Es braucht einen frischen Wind in der Sache.»

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