Pandemie
Epidemiologe und BAG-Kritiker Christian Althaus tritt aus der Corona-Taskforce zurück

Epidemiologe Christian Althaus ist Mitautor einer der ersten Studien zum Coronavirus aus China. Jetzt tritt er aus der Covid-Taskforce zurück. Er will sich stärker seinen wissenschaftlichen Forschungsprojekten widmen.

Othmar von Matt
Drucken
Teilen
Will sich wieder stärker seinen wissenschaftlichen Forschungsprojekten widmen: Epidemiologe Christian Althaus.

Will sich wieder stärker seinen wissenschaftlichen Forschungsprojekten widmen: Epidemiologe Christian Althaus.

Keystone

Die wissenschaftliche Covid-Taskforce sei zwar das Beratergremium von Gesundheitsminister Alain Berset. Doch sie werde zunehmend zu einer wichtigen Stimme im Land, schrieb die «Schweiz am Wochenende». Das gefalle aber nicht allen Bundesräten.

Diesen Artikel hat Epidemiologe Christian Althaus auf Twitter retweetet und dazu geschrieben, das Verhalten der Bundesräte sei mit ein Grund, weshalb er diese Woche aus der wissenschaftlichen Covid-Taskforce ausgetreten sei. Althaus weiter: «Die Politik muss endlich lernen der Wissenschaft auf Augenhöhe zu begegnen.»

Der Tenor der Follower-Gemeinde von Althaus ist eindeutig: Das Bedauern über den Rücktritt ist gross, es gibt aber auch viel Verständnis. Der Schritt sei aus Sicht von Althaus konsequent, schreiben viele. Sie hoffen, dass sich der Epidemiologe der Universität Bern weiterhin in der Öffentlichkeit äussert.

Das sei «sehr schade» und ein «Verlust für die Taskforce», schreibt etwa die Virologin Isabella Eckerle. Der Schritt sei aber gut nachvollziehbar. «Es tut wirklich weh anzuschauen, wie international anerkannte Wissenschaftler darum kämpfen müssen, von der Politik gehört zu werden in dieser Krise - besonders in der Schweiz.»

«Kann mir die Arbeit in der Taskforce zeitlich nicht mehr einrichten»

Hauptgrund für den Rücktritt aus der Taskforce sei, schreibt Christian Althaus auf Anfrage der CH Media Redaktion, «dass ich mir die Arbeit in der wissenschaftlichen Task Force zeitlich nicht mehr einrichten kann». Er möchte sich wieder vermehrt seinen verschiedenen Forschungsprojekten widmen. «Das schwierige politische Spannungsfeld ist aber mit ein Grund für diese Entscheidung.»

Althaus ist ein Kritiker der Arbeit des Bundesamts für Gesundheit (BAG) der ersten Stunde. Als das BAG am 28. Januar seine allererste Medienkonferenz zum Coronavirus durchführte, kritisierte er es auf Twitter. Weil das Amt nicht wusste, dass es bereits zu einer ersten Ansteckung ausserhalb Chinas gekommen war.

Mitautor einer der ersten Studien zum Virus aus China

Der Epidemiologe war Mitautor einer Studie, die schon Ende Januar mit Computer-Simulationen aufzeigte, wie das Virus in Wuhan von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass eine mit dem Virus infizierte Person im Schnitt zwei weitere Personen infiziert. Damit wurde klar: Es besteht eine grosse Gefahr für eine weltweite Pandemie.

Am 18. Februar konnte Althaus seine Modellierungen im Bundesamt für Gesundheit vorstellen. Später wurde er auch in die unabhängige wissenschaftliche Covid-Taskforce berufen. Auf Twitter kritisierte er immer wieder den Kurs, den der Bundesrat in der Pandemie gewählt hatte.