Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA) führt ein Disziplinarverfahren gegen Bundesanwalt Michael Lauber (53). Wegen dessen mysteriösen und vom Bundesstrafgericht gerügten Treffen mit Fifa-Boss Gianni Infantino.

Das Verfahren passt Lauber nicht. Er will sich am 25. September vom Bundesparlament als Bundesanwalt wiederwählen lassen.

Lauber verpasste Mitarbeitern Maulkörbe

Wie Radio SRF zuerst berichtete, verweigert der Bundesanwalt seiner Aufsichtsbehörde jetzt systematisch Akten, die diese für das Disziplinarverfahren braucht.

Gegenüber CH Media bestätigt die Aufsichtsbehörde: «Mit Schreiben vom 17. Mai verweigerte Herr Lauber der AB-BA die Einsicht in die Akten laufender Strafverfahren innerhalb der Disziplinaruntersuchung.»

Und Ende Juli habe Lauber persönlich erklärt, verlangte Akten nicht auszuhändigen. Er habe zwei Angestellten zudem «faktisch untersagt», sich von der Aufsicht befragen zu lassen.

Mehrmals Akten verweigert

Am 21. August schliesslich verlangte die Aufsicht erneut Akten, notfalls könnten diese gestaffelt ausgehändigt werden. Am letzten Tag der Frist, am 4. September, stellte Lauber ein Gesuch um Fristerstreckung bis Ende September. «Diesem Ersuchen wurde teilweise stattgegeben, einzelne Dokumente muss die Bundesanwaltschaft jedoch umgehend liefern», so die Aufsicht. Nur «Bis heute wurden uns keine der angeforderten Dokumente geliefert.»

Damit ist die Untersuchung gegen Lauber blockiert. «Ohne die Zustellung der Dokumente und Einsichtnahme in laufende Strafverfahren des FIFA-Verfahrenskomplexes kann die AB-BA die Disziplinaruntersuchung nicht durchführen», hält die Behörde fest.

Wenn vier sich nicht erinnern, dann stimmt's

Der Streit eskaliert. Ob das dem Bundesanwalt hilft, ist allerdings fraglich. Längst ärgern sich viele Bundesparlamentarier über Laubers Attacken auf die Aufsicht und sein als eigenmächtig und uneinsichtig empfundene Verhalten.

Grosse Augen gab es diese Woche in FDP-Fraktion, der Lauber erklärte: Dass er und drei weitere Leute sich nicht an das Treffen mit Fifa-Chef Infantino erinnern könnten, sei der Beweis, dass das Quartett die Wahrheit sage.

Lauber beklagt sich über Aufsicht

Die AB-BA unter dem ehemaligen Zuger Regierungsrat Hanspeter Uster (Grüne) wollte sich eigentlich nicht zum Disziplinarverfahren gegen Lauber äussern. Am Donnerstag hat aber die Gerichtskommission des Parlaments ein Schreiben von Lauber vom 2. September veröffentlicht, in dem dieser seiner Aufsicht vorwarf: «Seit fünf Monaten wird mir systematisch das rechtliche Gehör verweigert, wird mir nicht dargelegt, welche konkrete Amtspflichtverletzung ich begangen haben soll.»

So ging auch die Aufsicht an die Öffentlichkeit. Ihr Sekretär Patrick Gättelin betont aber: «Die Wahl des Bundesanwalts ist ausschliesslich Sache des Parlaments. Das Disziplinarverfahren betreffend Herrn Lauber wird unabhängig von der Wahl geführt.»

Usters Vorgänger Oberholzer tritt bei SVP auf

Lauber wirft alles in die Schlacht. Er hat sich eine PR-Agentur genommen. Laut dem Blog «Inside Paradeplatz» berät ihn die bankennahe Zürcher Agentur Lemongrass. Sie ist oder war laut Berichten unter anderem für SVP-Nationalrat und Banker Thomas Matter tätig. Mitinhaber Peter Hartmeier sagt gegenüber CH Media, man nehme «weder zu tatsächlichen noch angeblichen Mandaten Stellung».

Der Krach um Lauber, ehemals Chef des Liechtensteiner Bankenverbandes, wird sich noch zuspitzen. Am Dienstag führt die SVP-Fraktion ein Hearing durch. Sie sprach sich bereits gegen Lauber aus, aber einflussreiche Exponenten versuchten den Entscheid zu drehen, wie ein SVP-Mann sagt. Geladen ist darum neben Lauber und Vertretern der Aufsicht auch SP-Bundesrichter Niklaus Oberholzer, ein erklärter Lauber-Supporter.

Dass Oberholzer, Usters Vorgänger als Chef der Aufsicht, seinem Nachfolger in die Parade fährt, sorgt bei Politikern schon länger für rote Köpfe. Oberholzer reagierte bis Redaktionsschluss dieses Artikels nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme. Die Bundesanwaltschaft gab keine Stellungnahme zum Streit ab.