Einführung des Frauenstimmrechts: Das Jahr 1971 wird im Ständeratssaal verewigt

Bis im Herbst wird im Ständerratssaal eine Tafel montiert, die an die Einführung des Frauenstimmrechts erinnert.

Henry Habegger
Drucken
Blick in den Ständeratssaal. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Blick in den Ständeratssaal. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der Anstoss kam von der grünen Nationalrätin Aline Trede. Aber sie beansprucht die Leistung nicht für sich alleine. Ausdrücklich hebt sie einen Mann hervor: Ständeratspräsident Jean-René Fournier, ein als katholisch-konservativ geltender CVP-Vertreter aus dem Wallis. «Er hat mega-gut reagiert, er hat die Idee begeistert aufgenommen und sofort ins Ständeratsbüro gebracht», sagt Trede. Die Idee: 1971, das Jahr der Einführung des Frauenstimmrechts, soll im Ständeratssaal verewigt werden. Dort, wo bereits neun Tafeln mit historischen Daten prangen. In Abwesenheit von Ständeratspräsident Fournier erklärt sein Vizepräsident Hans Stöckli: «Das Büro des Ständerats hat beschlossen, den Moment, wo 50 Prozent der Schweizer Bevölkerung das Stimmrecht erhielten, gehörig zu verewigen.» Man habe «diesen symbolischen Entscheid mit grosser Freude getroffen», sagt Stöckli. Bis im Herbst soll die Tafel nun montiert werden.

Die zehnte Tafel

In den Arkaden des Ständeratssaals im Parlamentsgebäude ist derzeit noch ein Platz für eine derartige Tafel frei. Die neue Tafel wird dabei allerdings an die Stelle montiert, wo heute die Zahl 1999 steht. Diese rückt dafür einen Platz weiter, damit die Chronologie stimmt. So werden ab Herbst insgesamt zehn Daten im Ständeratssaal verewigt sein:

  • 1291 Bundesbrief
  • 1370 Pfaffenbrief
  • 1393 Sempacherbrief
  • 1481 Stanser Verkommnis
  • 1803 Mediationsverfassung
  • 1815 Bundesvertrag
  • 1848 Erste Bundesverfassung
  • 1874 Erste Totalrevision der Bundesverfassung
  • 1971 Frauenstimmrecht
  • 1999 Zweite Totalrevision der Bundesverfassung

In der Festschrift «Das neue Schweizerische Bundeshaus in Bern» zur Einweihung des Parlamentsgebäudes von 1902 steht über die Zeittafeln: «In den Bogenzwickeln der Täfelung sind auf Eichenzweigen Tafeln angebracht mit Jahreszahlen, welche politische, für die staatsrechtliche Ausgestaltung der mittelalterlichen und modernen Schweiz massgebende Abmachungen in Erinnerung rufen.» Das Frauenstimmrecht zählt also jetzt endgültig zu den «massgebenden Abmachungen» in der Geschichte der Schweiz. Damit sind nun aber alle freien Plätze ausgebucht, weitere Ereignisse können nicht mehr aufgeführt werden. Sollte die Einführung des Frauenstimmrechts also die letzte «massgebende Abmachung» in der Schweizer Geschichte gewesen sein? «Natürlich nicht», sagt Stöckli, «dann machen wir halt eine zweite Reihe.»

Witze über Rechsteiner

Ganz ohne Sprüche ging es dann doch nicht. Paul Rechsteiner (SP) erwähnte die bevorstehende Montage der Tafel in der Debatte zur Vaterschaftsurlaubs-Initiative: «Die Jahreszahl ist im Moment noch nicht installiert, aber sie wird kommen und steht symbolhaft dafür, dass es hier grössere Schritte nach vorne braucht. Die Initiative für einen Vaterschaftsurlaub leistet hier einen Beitrag dazu.» Vielleicht hatten nicht alle Ständeräte genau zugehört, jedenfalls scherzte einer: Auf der Tafel werde wohl das Jahr des Einzugs von Rechsteiner ins Parlament stehen. Das wäre 1986. Ein anderer meinte: Es werde wohl das Jahr seines Rücktritts dort eingemeisselt.

Aktuelle Nachrichten