Die vier sprechen sich, davon sind Beobachter im Umfeld der Regierung überzeugt, vor den Sitzungen ab. Stellt einer der vier einen Antrag, leisten ihm andere oft mit gezielten, ja angeblich bestellten Mitberichten Schützenhilfe. Es heisst sogar, dass derartige Mitberichte gleich departementsübergreifend hergestellt werden. Oft, so heisst es, seien die Meinungen schon vor der Bundesratssitzung gemacht, werde von den Vertretern der Mehrheit nur noch pro forma diskutiert, ihre Haltung stehe von Anfang an fest. «So sollte eine Kollegialbehörde aber nicht arbeiten», heisst es im Umfeld eines Regierungsmitglieds.

Sicher ist: Die neue Viererdynamik ergab sich mit dem Einzug von Cassis in den Bundesrat. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Didier Burkhalter ist Aussenpolitik für den Tessiner vor allem Aussenwirtschaftspolitik. Was sich mit der Linie von Maurer, Parmelin und Schneider-Ammann deckt. Als Beispiel gilt der Entscheid des Bundesrats, Kriegsmaterial auch in Bürgerkriegsländer zu liefern.

Jetzt hoffen namentlich Vertreter von Mitte-Links, dass der Rücktritt des freisinnigen Wirtschaftsministers zu einer neuen Dynamik im Bundesrat führt. Von der St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter etwa, der Kronfavoritin um die Nachfolge, erhoffen sich viele mehr Sensibilität auch für andere Anliegen. Beispielsweise für die humanitäre Tradition, die internationalen Verpflichtungen der Schweiz und die Menschenrechte.

Ob das so ist, wird sich zeigen. «Ich hoffe vor allem, dass es nicht noch mehr nach rechts geht», sagt eine Sozialdemokratin, die nicht namentlich genannt werden will.

Einflussreiche Stabschefs

Denn die Linie des Bundesrats wird derzeit nicht nur von den Magistraten bestimmt, sondern nach Auffassung von Beobachtern sehr ausgeprägt von zwei Generalsekretären: Markus Seiler, ehemaliger FDP-Funktionär und bis letztes Jahr Chef des Nachrichtendienstes. Er führt die Schaltstelle in Cassis’ Aussendepartement mit straffer Hand und eng abgestimmt mit der FDP, die ihn dort platziert hat. Ein Effekt ist, dass die Diplomaten weniger Einfluss haben als bisher. Das Schicksal vieler Dossiers, heisst es, wird schon im Stab entschieden, sie gelangen gar nicht erst auf den Tisch von Staatssekretärin Pascale Baeriswyl, der Chefdiplomatin. Von einer eigentlichen Entmachtung der Diplomaten im EDA ist die Rede.

Seilers Pendant im Wirtschaftsdepartement des abtretenden Schneider-Ammann ist Stefan Brupbacher, ehemaliger Generalsekretär der FDP Schweiz. Er gilt vielen als der mächtigste Beamte in Bern, da er das Wirtschaftsdepartement seit Jahren faktisch leite. «Wenn Brupbacher über die Amtszeit von Schneider-Ammann Generalsekretär bleibt, dann kann kommen, wer will, am Kurs des Wirtschaftsdepartements ändert sich dann wenig bis nichts», ist ein Beobachter überzeugt.

Stefan Brupbacher sagte dieser Tage auf die Frage zu seiner Zukunft nur, damit beschäftige er sich nicht. Jetzt zähle einzig, bis zum Ende der Amtszeit von Schneider-Ammann mit voller Kraft weiterzuarbeiten.

Die Stärke des Vierers von FDP und SVP liegt gemäss anderen Beobachtern aber auch in der Schwäche der anderen Regierungsmitglieder. Einige Beobachter stellen fest, dass CVP-Bundesrätin Doris Leuthard an Einfluss und Schlagkraft verloren hat, seit ihr langjähriger Generalsekretär Walter Thurnherr Bundeskanzler ist. Der begnadete Stratege und Mehrheitsbeschaffer fehle der Mitte an allen Ecken und Enden als Gegengewicht zu den beiden FDP-Stabschefs.