Verwaltungsrat
Die Raiffeisen-Headhunterin: Hat sie den Kontakt zu Leuthard eingefädelt?

Doris Aebi berät die Genossenschaftsbank bei der Neubesetzung des Verwaltungsrats. Sie kennt das Department von Doris Leuthard bestens.

Beat Schmid
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Doris Aebi (rechts), Gründerin und Mitinhaberin der Executive SearchFirma «aebi+kuehne», sucht für Schlüsselpositionen im Management gezielt auch Frauen.

Doris Aebi (rechts), Gründerin und Mitinhaberin der Executive SearchFirma «aebi+kuehne», sucht für Schlüsselpositionen im Management gezielt auch Frauen.

Keystone

Die Gespräche zwischen Bundesrätin Doris Leuthard und den Spitzen der Raiffeisen sind das heisse Thema im Ostschweizer Bankkonzern. Gestern Nachmittag nahm Raiffeisen Stellung zu einem entsprechenden Bericht der «Nordwestschweiz». In einem Communiqué bestätigt die Zentrale der Genossenschaftsbanken in St. Gallen, dass der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz einen «breit angelegten Erneuerungsprozess» in die Wege geleitet hat. «Bis 2020 werden neun der zwölf Verwaltungsratsmitglieder (...) zurücktreten», heisst es weiter. Der Grund für die Rücktritte seien das Erreichen statutarischer Amtszeit- oder Altersbeschränkungen. Zu dieser Gruppe gehöre auch der aktuelle Präsident Johannes Rüegg-Stürm. Ob der Konzern mit Doris Leuthard im Gespräch stehe, wie diese Zeitung gestern meldete, darauf ging Raiffeisen nicht ein, was auch nicht weiter überrascht. Die Bank bezeichnete die «Spekulationen» um das Präsidium erneut als «Gerüchte».

Dass bei Raiffeisen eine Kompletterneuerung des Verwaltungsrats ansteht, war bisher nicht bekannt. Davon betroffen wird auch die bekannteste Raiffeisen-Verwaltungsrätin sein. Die frühere Zürcher SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer wird dieses Jahr 65 und muss das Gremium 2019 verlassen. Das Zwölfer-Gremium bildet die Landesteile mit Vertretern aus der Westschweiz und dem Tessin nahezu perfekt ab. Bank-Know-how ist im Raiffeisen-Verwaltungsrat hingegen dünn gesät. Mit Ausnahme des Vertreters der regionalen Genossenschaften gibt es niemanden, der Berufserfahrung in einer Bank gesammelt hätte.

Aebi kennt Berner Politszene

Bei der Suche nach neuen Mitgliedern arbeitet der Verwaltungsrat gemäss übereinstimmenden Quellen mit der Zürcher Headhunterin Doris Aebi zusammen. Sie ist eine der bekanntesten Vertreterinnen ihres Fachs. Die frühere Solothurner SP-Kantonsrätin und Regierungsratskandidatin soll auch den Kontakt zu Doris Leuthard hergestellt haben. Aebi kennt die Welt der Genossenschaften. Sie ist als sogenanntes externes Verwaltungsmitglied seit 2003 in der Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes aktiv. Aebi liess Anfragen unbeantwortet.

Aebi kennt die Berner Politszene sehr gut. Legendär ist ein Such-Mandat, das sie vor über zehn Jahren von Leuthards Vorgänger im Uvek erhalten hat, dem damaligen Bundesrat Moritz Leuenberger. Als dieser einen neuen Post-Präsidenten suchte, setzte er auf das Netzwerk von Headhunterin Aebi. Diese zauberte dabei Claude Béglé aus dem Hut, einen Mann, der zwar einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen konnte, der aber bei früheren Arbeitgebern nicht unumstritten war, wie sich später herausstellen sollte.

Béglé und der damalige Post-Konzernchef boten sich über Monate einen schmutzigen Machtkampf. Nachdem die beiden viel Geschirr zerschlagen hatten, war das Intermezzo mit dem Post-Präsidenten nach nur einem Jahr schon wieder vorbei. Doris Aebi musste wegen des Mandats öffentliche Kritik einstecken.

Erst Vize-, dann Präsidentin

Gemäss Insidern könnte Doris Leuthard bereits Ende März ihren Rücktritt bekannt geben. Würde die Bundesrätin danach tatsächlich zu Raiffeisen wechseln, dürfte sie zunächst als Vizepräsidentin in den Verwaltungsrat einziehen und später, wenn sich der Staub gelegt hat, zur Präsidentin aufsteigen. Für ehemalige Bundesräte gibt es formell keine Regeln, ab wann sie nach ihrem Rücktritt eine neue Funktion annehmen dürfen. Vorstösse, eine sogenannte Cooling-off-Periode festzulegen, sind im Parlament gescheitert.

Leuthards möglicher Wechsel vom Uvek zu Raiffeisen dürfte gleichwohl zu Diskussionen führen. In ihrer aktuellen Funktion ist sie verantwortlich für die Post und damit auch für Postfinance. Der Finanzarm ist in vielen Bereichen direkter Konkurrent von Raiffeisen. Gemäss aktuellem Postorganisationsgesetz darf Postfinance keine Hypotheken und andere Kredite direkt vergeben, würde das aber gerne tun.

Doris Leuthard sucht keine Mandate nach ihrer Zeit als Bundesrätin

Nachdem Doris Leuthard mit einer möglichen neuen Aufgabe bei der Raiffeisen-Bank in Verbindung gebracht wurde nach ihrem Rücktritt als Bundesrätin, stellt die Uvek-Vorsteherin nun klar, dass sie weder vom Verwaltungsrat der Raiffeisen-Bank kontaktiert worden sei, noch sich die Frage nach Verwaltungsratsmandaten stelle.

Die AZ hatte in ihrer Ausgabe vom Montag berichtet, dass Doris Leuthard als mögliche Verwaltungsratspräsidentin bei der Raiffeisen im Gespräch sei. Das Uvek hatte am Sonntag bereits auf Anfrage der AZ dazu festgehalten: «Das Uvek kommentiert keine Gerüchte.» Nachdem die AZ gestern nun zusätzlich Headhunterin Doris Aebi ins Spiel gebracht hat, die den Kontakt zur Leuthard hergestellt haben soll, stellt das in einem Schreiben nun klar: «Die Bundesrätin weist die Behauptungen zurück. Weder kennt Bundesrätin Leuthard Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm, noch wurde sie durch den Verwaltungsrat der Raiffeisen-Bank in dieser Angelegenheit kontaktiert, noch von Headhunterin Doris Aebi angefragt, noch stellt sich für Bundesrätin Leuthard grundsätzlich die Frage nach Verwaltungsratsmandaten.»

Weiter betont das Uvek: «Bundesrätin Leuthard wurde von der Vereinigten Bundesversammlung für die Legislatur 2015 bis 2019 als Mitglied der Landesregierung gewählt. Sie bearbeitet die aktuellen Dossiers ihres Departements und die Geschäfte im Bundesrat engagiert und motiviert weiter. Bundesrätin Leuthard sucht daher keine Mandate für die Zeit nach dem Ausscheiden aus der Landesregierung.» (az)

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