EU-Botschafter

Die EU schickt einen neuen Mann nach Bern: Wer ist Petros Mavromichalis?

Petros Mavromichalis gilt als Mann der EU-Kommission.

Petros Mavromichalis gilt als Mann der EU-Kommission.

Der Grieche Petros Mavromichalis soll neuer EU-Botschafter in Bern werden. Zuletzt war er Abteilungsleiter beim EU-Nachrichtendienst.

Stabwechsel in Bern: Nach vier Jahren zieht EU-Botschafter Michael Matthiessen weiter. Ersetzt wird er durch Petros Mavromichalis, einen langjährigen EU-Diplomaten mit griechischem Pass. Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell gab die Nominierung vergangene Woche bekannt. Allerdings muss sie von der Schweiz noch bestätigt werden. Ob Mavromichalis seinen Posten vor oder nach der Abstimmung über die Begrenzungsinitiative im September antritt, ist noch unklar.

Mavromichalis ist ein Eigengewächs des Auswärtigen Dienstes der EU. Seine ganze berufliche Laufbahn hat er in Brüssel verbracht. Mitte der 2000er Jahre war er Assistent des Generaldirektors für Auswärtige Beziehungen, Eneko Landaburu, der sich viel um die Schweiz kümmerte. Dort arbeitete er auch mit Stefano Sannino zusammen, der im Frühjahr zum Chef-Verhandler für die Schweiz und neuen Gegenpart von Staatssekretär Roberto Balzaretti ernannt wurde.

Mavromichalis kommt vom EU-Nachrichtendienst

Zurzeit ist Mavromichalis Abteilungsleiter beim «Intcen» («Intelligence Analysis Centre»), einer Art EU-Nachrichtendienst, dessen Mitarbeiterzahl vor einigen Jahren mit 70 angegeben wurde. Mavromichalis verantwortet den Bereich «Open Source Analysis», welcher Länderberichte und politische Einschätzungen aufgrund von öffentlich zugänglichen Quellen anfertigt. Daneben schreibt das Intcen aber auch Analysen basierend auf Geheimdienstinformationen der Mitgliedsstaaten.

Gesprächspartner in Brüssel raten, die derzeitige Funktion des künftigen Botschafters nicht zu überinterpretieren. Statt einem «EU-Geheimdienst» sei das Intcen eher ein mittelmässiger Analyse-Service. Stattdessen legt man Wert darauf, dass der Grieche als absolut Kommissions-treu gilt. Er ist kein Mann der Mitgliedsstaaten, sondern der EU-Zentrale. Eigensinnige Manöver und Auftritte im Scheinwerferlicht dürfte es mit ihm keine geben.

Der 56-Jährige ist verheiratet, Vater von zwei Töchtern und beherrscht sechs Sprachen. Studiert hat er Rechtswissenschaften an der London School of Economics und in Strassburg.

Mavromichalis ist erst der vierte EU-Botschafter in der Schweiz. Brüssel verzichtete lange auf eine formelle Repräsentation in Bern. Erst 2005, im Jahr der Abstimmungen über den Schengen-Beitritt und die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit entschied sich die EU, eine eigene Dependance in der Bundeshauptstadt zu eröffnen.

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