Schweiz

Die ehemaligen Präsidenten sind sich einig: Das C der CVP soll wegfallen

«Ich unterstütze Gerhard Pfister voll und ganz»: Alt-Bundesrätin Doris Leuthard zur C-Diskussion in der CVP.

«Ich unterstütze Gerhard Pfister voll und ganz»: Alt-Bundesrätin Doris Leuthard zur C-Diskussion in der CVP.

Vier ehemalige CVP-Präsidenten sind heute gegen das C im Parteinamen. Drei von ihnen – Christophe Darbellay, Doris Leuthard und Carlo Schmid - führten schon C-Diskussionen. Sei es als Präsidenten oder als Ständerat.

Es geschah im Januar 2004, an der Fraktionsklausur der CVP. In einer Diskussion um das C im Namen der CVP schaltete sich Ständerat Carlo Schmid (AI) ein. Er meldete Vorbehalte an, ob das C noch zeitgemäss sei.

Eine Episode, die CVP-Präsident Gerhard Pfister bis heute geprägt hat. «Das Statement von Schmid überraschte mich», sagt er. «Weil es das erste Statement eines Konservativen war, der das C als problematisch darstellte, das ich hörte.» Schmid sei in vielen Dingen eine sehr wichtige Referenzperson für ihn gewesen. Deshalb habe er seither immer wieder nachgedacht, ob er nicht Recht habe.

Carlo Schmid, die erzkonservative Saftwurzel aus Appenzell Innerrhoden, Ständerat von 1980 bis 2007, war von 1992 bis 1994 Präsident der CVP Schweiz. Er hatte damals den Mut nicht, die C-Frage anzugehen, wie er in einem Mail vor kurzem selber eingestand.

Carlo Schmid.

Carlo Schmid.

Schmid, der am 11. März den 70. Geburtstag feiert, will sich nicht mehr zur C-Frage äussern. Er verweist auf ein Interview, das er 2000 dem katholischen Wochenmagazin «Der Sonntag» gab. Darin wird deutlich, dass er das C für überholt hält.

Die CVP machte die Katholiken wieder salonfähig

Es sei das «historische Verdienst» der CVP, den katholischen Volksteil nach dem Sonderbundskrieg «wieder salonfähig gemacht zu haben», sagte Schmid. «Katholiken finden sich heute überall: Das ist die historische Leistung der CVP. Sie hat den im Sonderbundskrieg geschlagenen und im neuen Bundesstaat von der siegreichen freisinnig-reformierten Mehrheit planmässig an den Rand gedrängten und ghettoisierten katholischen Volksteil wieder in diesen Staat zurückgeführt.»

Dieser Erfolg der CVP sei gleichzeitig der Grund für die Probleme der Partei, so Schmid: «Man muss nicht mehr in der CVP sein, wenn man katholisch ist.» Das zeige sich daran, «dass ausgerechnet die katholische Innerschweiz in Scharen einem reformierten Pfarrerssohn aus Zürich hintennachläuft».

Worte, welche die Stimmungslage um die Jahrtausendwende treffend ausdrücken. Es waren die besonders konservativ und katholisch geprägten CVP-Wähler der Stammlande, die zu Christoph Blochers SVP überliefen. Diese steigerte 1999 ihren Wähleranteil von 14,9 auf 22,6 und 2003 auf 26,8 Prozentpunkte. 2003 verlor die CVP ihren zweiten Sitz an die SVP. Er ging an Pfarrerssohn Blocher.

Philipp Stähelin: «Wir haben einen guten Parteipräsidenten. Ich gehe davon aus, dass er den richtigen Weg findet.»

Philipp Stähelin: «Wir haben einen guten Parteipräsidenten. Ich gehe davon aus, dass er den richtigen Weg findet.»

In diesen für die CVP schwierigen Jahren war der ehemalige Ständerat Philipp Stähelin Präsident der CVP (2001-04). Stähelin (75) sagt zur aktuellen Debatte: «Wir haben einen guten Parteipräsidenten. Ich gehe davon aus, dass er den richtigen Weg findet.» Damit lässt er durchblicken: Der Weg sollte ohne C beschritten werden.

Nachdem der Wähleranteil der CVP von 1979 (21,3 Prozent) bis 2003 ( 14,4 Prozent) kontinuierlich gesunken war, gelang es Präsidentin Doris Leuthard (2004-06), die Negativspirale zu brechen. «Wir haben die C-Diskussion während meiner Präsidialzeit im Rahmen von Aufbruch Schweiz auch geführt», sagt Leuthard. Ein Namenswechsel sei aber «nicht reif» gewesen. «Heute sind wir in einer viel medialeren Welt und haben es doch nie geschafft, wegzukommen von den Kirchen», analysiert Leuthard. «Gerade die Medien haben jedes Problem der katholischen Kirche immer auch zu einem CVP-Problem gemacht.»

Doris Leuthard unterstützt Pfister «voll und ganz»

Sie unterstütze Gerhard Pfister «voll und ganz» bei seinen Bestrebungen. «Für mich ist nicht der Parteiname entscheidend, sondern dass man mit einer klaren Wertehaltung politisiert – und das sind die christlichen Werte», sagt die Alt-Bundesrätin. «Bei einem Namenswechsel sollte man deshalb stärker begründen, warum man eine Position einnimmt. So wird sie besser nachvollziehbar.»

Leuthard sagt, welche Werte besonders wichtig sind: «Die Menschenwürde verpflichtet uns zu humanitärer Hilfe, zum Einsatz für mehr Gerechtigkeit und weniger Gewalt.» Die Geschichte belege, dass Gesellschaften dann stark seien, wenn sie bewusst das Gemeinsame betonten. «Wenn sie ein möglichst gerechtes System etablieren und damit den Kitt, den Zusammenhalt legen.»

Christophe Darbellay.

Christophe Darbellay.

Der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay war 2006-16 CVP-Präsident. Er will sich nicht äussern. In seiner Ära fanden aber Diskussionen um eine «Union der Mitte»-Fraktion mit BDP statt. Das zeigt: Auch er ist für eine CVP ohne C.

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Autor

Othmar von Matt

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