Coronavirus

Der Staat soll zahlen: Oberster Schweizer Gymi-Lehrer will Gratismasken für Schüler

Masken könnten an manchen Gymnasien und Berufsschulen nach den Sommerferien Pflicht sein.

Masken könnten an manchen Gymnasien und Berufsschulen nach den Sommerferien Pflicht sein.

Nach den Sommerferien werden manche Gymnasiasten, Berufsschüler und Studierende mit Maske im Schulzimmer oder im Hörsaal sitzen. Wer soll für die Pflichtmasken bezahlen?

Zwei Kantone – Luzern und Jura – sind bereits vorgeprescht: Sie planen ein Obligatorium an Gymnasien und Berufsschulen. Der definitive Entscheid fällt Anfang August. Weitere Kantone könnten dem Beispiel folgen.

Der Präsident des Vereins Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer, Lucius Hartmann, hält eine Maskenpflicht grundsätzlich für sinnvoll. Wenn die Abstandsregel strikt eingehalten werde, sei ein normaler Unterricht nicht möglich, gibt er zu bedenken. Die Klassenzimmer seien zu klein, wertvolle Unterrichtsformen wie Arbeiten in Zweierteams durch die Distanz erschwert. Und der Fernunterricht könne auf lange Dauer den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Hartmann sagt:

Daher mache eine Maskenpflicht – neben allen anderen Massnahmen wie Abstand halten und Hygiene – sehr wohl Sinn, ähnlich wie im ÖV. Hartmann plädiert aber dafür, dass auf Pausenplätzen und in Gängen keine Maske getragen werden muss.

Die Union der Schülerorganisationen sperrt sich nicht gegen ein Obligatorium. «Die Maskenpflicht ist sicher die bessere Lösung, als längere Zeit mit Fern- oder Halbklassenunterricht weiterzufahren», hält Generalsekretär Fabian Camenisch fest.

Gratismasken würden die Umsetzung erleichtern

Umstritten ist, wer bei einem Obligatorium die Kosten übernimmt. Grundsätzlich müssen an Gymnasien, Fachmittel- und Berufsschulen die Schüler respektive deren Eltern Bücher und anderes Schulmaterial bezahlen. Daher könne eine Gratisabgabe der Maske nicht verlangt werden, sagt Lucius Hartmann. «Aber es wäre ein gutes Signal, wenn der Staat die Kosten übernehmen und die Masken zur Verfügung stellen würde.»

Dadurch könne man sicherstellen, dass alle Schülerinnen und Schüler geeignete Masken tragen – und beispielsweise nicht jeden Tag wieder das gleiche Exemplar verwenden. «Zudem wäre die Durchsetzung der Maskenpflicht um einiges leichter.» Auch Fabian Camenisch fordert:

Der Ruf nach Gratismasken kommt ebenso vom Verein der Schweizer Studierendenschaften. Auch dort heisst es: Wenn dank Maskenpflicht vermehrt Unterricht in Präsenz stattfinden kann, sei das sinnvoll. Die Hochschulen müssten sich aber Gedanken machen, ob sie Masken gratis abgeben.

Mit Maske in die Schule - und im Ausgang alles erlaubt?

An der obligatorischen Schule ist eine Maskenpflicht derzeit kaum Thema. Kinder gelten nicht als Treiber der Epidemie. Sie dürften sich freuen: Besonders angenehm ist es schliesslich nicht, über längere Zeit Masken zu tragen. Dies könne zu Kopfschmerzen führen und die Konzentration beeinträchtigen, räumt Dagmar Rösler ein, die Präsidentin des Lehrerdachverbands.

Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz

Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz

Auf der anderen Seite gehe es ja darum, die Ansteckungszahlen einzudämmen. «Wenn wir das mit solchen Massnahmen erreichen, können wir irgendwann wieder zum Normalbetrieb zurückkehren. Das müssen wir im Auge behalten.» Eine Maskenpflicht in der nachobligatorischen Schule könne sinnvoll sein: Wenn dadurch eine Rückkehr zum Fernunterricht verhindert werden könne, sei dies sicher erstrebenswert, erklärt sie.

Allerdings gibt sie zu bedenken, die Regel müsse auch im Gesamtkontext sinnvoll sein: «Eine Maskentragpflicht in der Schule, während im Ausgang fast alles erlaubt ist, dürfte wenig Akzeptanz finden.»

Autor

Maja Briner

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