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Crypto-Affäre: Der ehemalige Geheimdienst-Chef Peter Regli bricht sein Schweigen

Peter Regli leitete den Schweizer Nachrichtendienst von 1991 bis 1999. Wusste er vom Geheimdiensthintergrund der Crypto AG?

Peter Regli leitete den Schweizer Nachrichtendienst von 1991 bis 1999. Wusste er vom Geheimdiensthintergrund der Crypto AG?

Peter Regli führte den Nachrichtendienst in den Neunzigerjahren. Ob er damals über den Geheimdiensthintergrund der Zuger Chiffriergeräte-Herstellerin Crypto AG im Bild war, ist bis heute unklar. Regli zeigt sich aber bereit, mit der parlamentarischen Geheimdienstaufsicht zu kooperieren.

Peter Regli hat beharrlich geschwiegen, seitdem die «Rundschau» vergangene Woche die Affäre um die Zuger Chiffriergeräte-Herstellerin Crypto AG ins Rollen gebracht hat. Er war zwischen 1991 und 1999 Chef des schweizerischen Nachrichtendienstes. Es war in seiner Amtszeit, als der Verdacht gegen die Crypto AG erstmals öffentlich wurde. Die Bundespolizei leitete damals eine Untersuchung ein, die aber versandete. Heute stellt sich die Frage: Wusste Peter Regli, dass sich die Crypto AG im Besitz der Geheimdienste CIA und BND befand und unter deren Anweisung manipulierte Chiffriergeräte in der ganzen Welt verkaufte?

«Grosses Vertrauen» in die Aufsicht

Die Redaktion CH Media erreicht Peter Regli am Donnerstagmorgen telefonisch. Er lässt durchblicken, dass er mit vielem, was in den vergangenen Tagen berichtet worden ist, nicht einverstanden ist. Doch zu Details will er sich nicht öffentlich äussern. Regli kündigt aber an, er werde im Rahmen der Untersuchung der parlamentarischen Geheimdienstaufsicht aussagen, sollte er angefragt werden: «Wenn ich von der Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) aufgeboten werde, bin ich bereit, zu kooperieren. Ich habe grosses Vertrauen in die Arbeit der GPDel.» Er habe nur gute Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit dem Gremium in den Neunzigerjahren. Die Delegation schaue dem Nachrichtendienst auf die Finger, sei für dessen Führung aber auch eine wichtige Ansprechpartnern.

Die GPDel kündigte am 13. Februar an, dass sie die Crypto-Affäre untersuchen werde. Erste Anhörungen sollen noch im Februar stattfinden. Ob und wann der ehemalige Nachrichtendienstchef Regli angehört werden soll, ist nicht bekannt – er hat bis jetzt keine Vorladung erhalten. GPDel-Präsident und Nationalrat Alfred Heer erwähnte aber ehemalige Nachrichtendienst-Verantwortliche und alt Bundesräte als mögliche Gesprächspartner. Im Fokus stehen auch die Kontakte von Bundesstellen zu ausländischen Nachrichtendiensten.

Der Bundesrat seinerseits hat bereits am 15. Januar den ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer mit einer Untersuchung der Rolle der Schweizer Behörden im Fall Crypto beauftragt.

Am 2. März wird ausserdem das Büro des Nationalrates entscheiden, ob es die Crypto-Untersuchung ausweiten und eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) einsetzen will. Die PUK als Aufsichtsinstrument ist für die Aufklärung von Ereignissen von grosser Tragweite gedacht und hat die gleichen, weitreichenden Informationsrechte wie die GPDel. Sowohl National- als auch Ständerat müssen der Einsetzung zustimmen.

Vize-Direktor Bühler im Fokus

Eine der zentralen Fragen bei all den Abklärungen wird lauten: Wer wusste was wann? Neben Peter Regli, den alt Bundesräten Kaspar Villiger und Arnold Koller dürften sich die parlamentarischen Geheimdienstaufseher auch für Jürg Bühler interessieren. Er ist Vize-Direktor des Nachrichtendienstes des Bundes. Als junger Stellvertreter des Chefs der Bundespolizei verantwortete er 1994 die gescheiterte Untersuchung gegen die Crypto AG.

Ehemalige Mitarbeiter haben gegenüber der «Rundschau» zu Protokoll gegeben, sie hätten bei der von Bühler geleiteten Untersuchung in den Neunzigerjahren den Eindruck erhalten, die Bundespolizisten seien nicht wirklich an der Wahrheit interessiert gewesen. Bühler hat diese Darstellung im TV-Interview bestritten. «Ich wüsste nicht, wie man noch besser hätte hinschauen können.» Mittlerweile lehnt er aber alle Interviewanfragen von Medien ab.

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