Militär

Coronavirus-Verdacht in Airolo: Armee stellt zwei Sanitätskompanien unter Quarantäne

Kaserne Bedrina in Airolo Ende Februar.

Kaserne Bedrina in Airolo Ende Februar.

Drei Armeeangehörige in Airolo sind nachweislich am Coronavirus erkrankt. Weitere 20 Personen weisen verdächtige Symptome auf und sind isoliert worden. Ihre Kompanien können nicht mehr eingesetzt werden.

Am Montag hat der Bundesrat beschlossen, bis zu 8000 Armeeangehörige zur Bekämpfung der Covornavirus-Pandemie aufzubieten. Sie sollen die zivilen Behörden unterstützen. Der Fokus dieses Assistenzdienstes liegt auf dem Gesundheitswesen – vier Spitalbataillone und fünf Sanitätskompanien kommen zum Einsatz. Alles in allem sind rund 3000 Armeeangehörige für die sanitätsdienstliche Unterstützung vorgesehen. Es ist das grösste Truppenaufgebot seit dem Zweiten Weltkrieg.

Nun zeigen Recherchen von CH Media, dass der historische Einsatz bereits jetzt einen herben Rückschlag erlitten hat: Die Armee musste zwei Sanitätskompanien in der Kaserne Airolo per sofort unter Quarantäne stellen. Am Standort des Kommandos der Sanitätsschulen 42 haben sich mindestens drei Armeeangehörige nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Weitere 20 Armeeangehörige weisen Symptome auf, die auf eine Covid-19-Erkrankung hindeuten, und sind deshalb isoliert worden. Die Armee testet die betreffenden Personen bewusst nicht auf eine Infektion. «Alle haben leichte Symptome. Deshalb erübrigt sich aus ärztlicher Sicht ein Test», sagt Armeesprecher Daniel Reist auf Anfrage von CH Media.

«Ausbildung in Quarantäne»

Statt dass die beiden betroffenen Sanitätskompanien das Schweizer Gesundheitswesen entlasten können, betreiben sie nun laut Sprecher Reist «Ausbildung in Quarantäne» und können nicht eingesetzt werden. Eine dritte Kompanie sei ausserhalb der Kaserne untergebracht und nicht betroffen. «Sie ist symptomfrei und kann eingesetzt werden.»

Die Armee hatte noch Ende Februar versucht, eben dieses Szenario zu verhindern, indem sie für die Tessiner Standorte Airolo, Monteceneri und Isone eine Ausgangssperre erliess.

Der Entscheid der Armee, die 20 Verdachtsfälle nicht auf eine Ansteckung zu testen, entspricht den Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit. Dieses empfiehlt, dass sich nur Personen aus der Risikogruppe testen lassen: Über 65-Jährige, Menschen mit Bluthochdruck, chronischen Atemwegserkrankungen, Diabetes, geschwächtem Immunsystem, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Assistenzdienst dauert bis Ende Juni

Der Assistenzdienst der Armee zugunsten der zivilen Behörden dauert vorerst bis Ende Juni. Gemäss Bundesratsbeschluss soll das Militär erstens das Gesundheitswesen mit sanitätsdienstlichen Leistungen unterstützen – namentlich in den Bereichen Pflege, Patientenüberwachung, Transporten und Spitallogistik. Soldaten können beispielsweise  auch Aufgaben in der Spitalküche, der Wäscherei oder der Reinigung übernehmen.

Zweitens soll die Armee laut Bundesrat logistische Aufgaben beim Aufbau von improvisierter Infrastruktur übernehmen. Drittens werden Armeeangehörige die kantonalen Polizeikorps und das Grenzwachtkorps unterstützen. Das können beispielsweise Einsätze im Botschaftsschutz oder an den Landesgrenzen sein.

«Wie viele Armeeangehörige eingesetzt werden, hängt von der Lageentwicklung und den Gesuchen der zuständigen Behörden ab», schreibt das Verteidigungsdepartement. Zuerst kämen diejenigen Verbände zum Einsatz, die sich im regulären Truppendienst befänden. «Rekrutenschulen, Durchdiener und Wiederholungskurse werden wo erforderlich verlängert.» In gewissen Bereichen müssten zusätzlich Truppen mobilisiert werden. «Das betrifft insbesondere Armeeangehörige aus Milizformationen mit hoher Bereitschaft.»

Der Bundesrat hat das Verteidigungsdepartement zudem ermächtigt, auch Truppen, die nicht zu den Milizformationen mit hoher Bereitschaft gehören, aufzubieten und für einen allfälligen Einsatz auszubilden. «Nach einer Ausbildung von wenigen Tagen werden sie wieder aus dem Dienst entlassen und können später für einen Einsatz aufgeboten werden, wenn entsprechende Gesuche der Kantone eintreffen.»

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Autor

Lorenz Honegger

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