Coronamassnahmen
Prostitution Ja – Personal Training Nein: Jetzt beschwert sich der Verband beim Departement Berset

Sport mit einem persönlichen Coach ist aktuell verboten. Personal Training gilt nicht als personenbezogene Dienstleistung. Der Verband wundert sich über Widersprüchlichkeiten beim Coronamanagement – und fordert, dass 1:1-Trainingseinheiten bald wieder zugelassen werden.

Kari Kälin
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Corona verunmöglicht derzeit Personal Training.

Corona verunmöglicht derzeit Personal Training.

Duxx / iStockphoto

Froschhüpfen, Klimmzüge machen, an Ringen baumeln und zwischen den Übungen locker durch den Wald joggen: Das und vieles mehr bietet der Vitaparcours. Doch nicht alle spulen in Eigenregie ein Trainingsprogramm ab. Nicht jeder schnürt selbstmotiviert die Joggingschuhe. Der Griff in die Chipstüte fällt vielen leichter, als vor dem Fernseher Kraftübungen zu machen.

Was tun? Abhilfe im Kampf gegen den inneren Schweinehund verspricht der Schweizer Personal Trainer Verband (SPTV) mit seinen 120 Mitgliedern. Wenn jemand einen fixen Termin mit 1:1-Betreuung bucht, dann findet die Sporteinheit in der Regel statt.

Verwunderung bei der Präsidentin des SPTV

Sport in Innenräumen ist für Erwachsene derzeit verboten. Die Coronaregeln verunmöglichen damit Personal Training, das nicht als personenbezogene Dienstleistung gilt. Anders als etwa Physiotherapeuten dürfen sie in ihren Studios keine Kundinnen und Kunden betreuen.

Der SPTV kann das nicht nachvollziehen. «Wir leisten personenbezogene Dienstleistungen als Gesundheitsfachpersonen im 1:1-Training», sagt Vorstandsmitglied Präsidentin Anke Kopfmüller. Die Abstandsregeln könnten stets eingehalten werden, man verfüge über ein validiertes Schutzkonzept, Körperkontakt brauche es nicht.

SPTV-Präsidentin Anke Kopfmüller.

SPTV-Präsidentin Anke Kopfmüller.

Der SPTV wundert sich über offensichtliche Widersprüche im Coronamanagement. So erlaubt der Bundesrat Prostitution trotz unvermeidbarem Körperkontakt. SPTV-Vorstandsmitglied Thierry Kapp hält das für inkohärent, ohne dem Sexgewerbe die Verdienstmöglichkeit zu missgönnen.

Wie für zahlreiche Branchen gehen die Lockdown-Massnahmen den Personal Trainern ans Eingemachte. Thierry Kapp erlitt im letzten Jahr eine Umsatzeinbusse von 45 Prozent im Januar, und Februar waren es 80. In der freien Natur dürfen die Personal Trainer Sportwillige weiterhin betreuen.

Der SPTV betrachtet die Coronaregeln als ungerecht. Er hat allen Bundesräten einen Kurzfilm geschickt mit der Hauptbotschaft: Personal Training ist pandemietechnisch unbedenklich. Die Forderung: Personal Training soll als personenbezogene Dienstleistung qualifiziert werden. Thierry Kapp argumentiert auch mit der Volksgesundheit. «Sollte das Ziel eines zielorientierten Krisenmanagements während einer Pandemie nicht die Stärkung der Abwehrkräfte sein?», fragt er.

Treffen beim Innendepartement

Bis jetzt hat der SPTV noch von keinem Bundesrat eine Antwort erhalten. Immerhin: Am Mittwoch durfte Präsidentin Anke Kopfmüller ihr Anliegen einem persönlichen Mitarbeiter von Alain Berset direkt überbringen. Ob die Regeln für das Personal Training deshalb schon bald gelockert werden, ist eine andere Frage. Dass die Landesregierung quasi eine «Lex Personal Trainer» schafft, scheint unrealistisch.

Denkbar ist, dass die Personal Trainer im Rahmen eines allgemeinen Öffnungspaketes zum Zug kommen – etwa, wenn Sport in Innenräumen wieder zulässig ist. Voraussichtlich am 14. April entscheidet der Bundesrat über weitere Öffnungsschritte, sofern es die epidemiologische Lage zulässt.

Klar ist: Gesundheitsminister Alain Berset ist sich bewusst, dass das Coronamanagement manchmal schwer nachvollziehbare Situationen schafft. Am kohärentesten, sagte er neulich an einer Pressekonferenz, wäre es, alles zu schliessen.

Bundesrat Alain Berset.

Bundesrat Alain Berset.

Keystone

Was sagt das Bundesamt für Gesundheit zur Ungleichbehandlung von Personal Training und Prostitution? Es gehe nicht darum, die Aktivitäten gegeneinander auszuspielen, sondern das jeweilige Risiko zu bewerten, sagt ein Sprecher. Bei der Sexarbeit könne die Person, welche die Dienstleistung anbiete, angehalten werden, Hygiene- und Schutzmassnahmen anzuwenden. Und:

«Mit einem Verbot verschwindet die Prostitution nicht.»

Daher sei eine überwachte Tätigkeit für die Sexarbeitenden und die Kunden sicherer. Übrigens: Sechs Kantone haben die Prostitution wegen des Coronavirus untersagt.

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