Affäre Mörgeli
Christoph Mörgeli kannte Vorwürfe seit langem

SVP-Nationalrat und Professor Christoph Mörgeli muss von der Kritik an seiner Arbeit im medizinhistorischen Museum gewusst haben. Schon der Institutsbericht 2010 erwähnt «unheimlich schlechte Lagerungsbedingungen».

Lorenz Honegger
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Einige Exponate des medizinhistorischen Museums der Uni Zürich, für die Christoph Mörgeli verantwortlich ist.

Einige Exponate des medizinhistorischen Museums der Uni Zürich, für die Christoph Mörgeli verantwortlich ist.

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Es liegt in der Natur von politischen Affären, dass manche Fakten in der allgemeinen Aufregung untergehen. Die Affäre um das medizinhistorische Museum der Universität Zürich bildet hier keine Ausnahme: Seit vergangener Woche diskutieren Politiker, Wissenschaftler und Journalisten über den desolaten Zustand des Museums, das der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli seit mehr als zwei Jahrzehnten führt.

Die Rede ist von einer fehlerhaften und veralteten Dauerausstellung, von verstaubten Knochen und Ungeziefer in der Präparaten-Sammlung. Die Vorwürfe gegen Mörgeli stammen aus dem akademischen Bericht 2011 des medizinhistorischen Instituts, aus dem der «Tages-Anzeiger» letzte Woche ausführlich zitierte und damit die Museumsaffäre ins Rollen brachte.

Mörgeli spielt den Erstaunten

Christoph Mörgeli will von all dem nichts gewusst haben und beteuerte am Montagabend im Schweizer Fernsehen, die Kritik an seiner Arbeit sei ihm neu und erstaune ihn. Auch der «Tages-Anzeiger» stellte in seinem ersten Artikel zum Fall mit Verweis auf die noch nicht erfolgte Veröffentlichung des Berichts 2011 die Frage: «Wird da etwas unter dem Deckel gehalten?»

Die Frage lässt sich mit einem klaren Nein beantworten. Die Universität Zürich hat nichts unter dem Deckel gehalten, was in Grundzügen nicht schon öffentlich bekannt gewesen ist. Die Kritik im akademischen Bericht 2011 von Institutsdirektor Flurin Condrau ist nicht neu: Sie findet sich bereits im akademischen Bericht 2010, der über das Internet jedermann – auch Christoph Mörgeli – zugänglich ist.

In dem Papier beschrieb die Medizinprofessorin und heutige stellvertretende Institutsdirektorin Iris Ritzmann Ende 2010 ausführlich, wie sie vor bald drei Jahren am Anfang ihrer zehnmonatigen Tätigkeit als Interimsdirektorin die «unheimlich schlechten Lagerungsbedingungen» in den Magazinen am Hirschengraben und den Aussenlagern feststellte. Die Pensionierung des früheren Direktors und Mörgeli-Vertrauten, Professor Beat Rüttimann, lag da noch nicht lange zurück.

«Bereits in den ersten Wochen des Jahres wurden Beschädigungen an wertvollen Beständen sichtbar», schrieb Ritzmann. «Um den weiteren Verfall aufzuhalten, setzten wir uns sozusagen ununterbrochen für die Bekämpfung der ständigen Wassereinbrüche ein.» Die gravierendsten Schäden, die «an einmaligen Sammlungsbeständen» entstanden seien, hätten dank einem finanziellen Zuschuss der Medizinischen Fakultät behoben werden können. «Notfallmässig wurden immer wieder Entfeuchter in den Räumen eingesetzt und die gefährdeten Objekte in trockenere Magazine transportiert.»

Für die Zukunft malte Professorin Ritzmann trotz eingeleiteter Sanierung der Bausubstanz und dem Einsatz weiterer Entfeuchtungsanlagen ein düsteres Bild: Ohne die Anstellung von fachkundigen, konservatorisch ausgebildeten Fachpersonen sei die medizinhistorische Objektsammlung längerfristig nicht gesichert.

«Auf universitäres Niveau heben»

Analog zu Institutsdirektor Condrau im Bericht 2011 kam Ritzmann schon 2010 zum Schluss, dass Mörgelis Dauerausstellung veraltet ist, drückte dies aber eleganter aus als ihr neuer Chef. «Um das medizinhistorische Museum auf ein universitäres Niveau zu heben», müssten Dauerausstellung und Sonderausstellungen in Zukunft auf aktuelle Forschungsresultate und Fachdiskussionen eingehen, schrieb sie schon damals.

Ritzmann schlug vor, dass eine Expertengruppe oder «motivierte Studierende» Konzepte für eine «adäquate inhaltliche und didaktische Ausstellung» erarbeiten. Die berufliche Zukunft von Museumschef Mörgeli dürfte demnach nicht erst seit letzter Woche gefährdet sein.

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