Massnahmen

Bundesrat legt Freizeitleben lahm: Was dürfen wir überhaupt noch? Die elf wichtigsten Entscheidungen

Gleich drei Bundesräte traten vor die Medien, um die Verschärfungen anzukünden: Wirtschaftsminister Guy Parmelin (links), Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Gesundheitsminister Alain Berset.

Gleich drei Bundesräte traten vor die Medien, um die Verschärfungen anzukünden: Wirtschaftsminister Guy Parmelin (links), Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Gesundheitsminister Alain Berset.

Chorproben sind verboten, Sporttrainings sind nur noch teilweise möglich, in den Ausgang dürfen wir nur noch begrenzt. Das sind die Regeln, welche die Landesregierung am Mittwoch beschlossen hat.

Fertig gefeiert, fertig getanzt, fertig gesungen: Der Bundesrat verbietet grössere private Feste, legt das Vereinsleben lahm, schliesst alle Discos. Profifussballer müssen wieder vor leeren Rängen spielen, Amateurfussballer dürfen nicht mehr trainieren, auch Chorproben werden untersagt. Der Bundesrat hat eine ganze Reihe an Massnahmen beschlossen, die unseren Alltag einschränken – für wie lange, ist offen. «Wir sind uns bewusst, dass diese Massnahmen schwierig sind», sagte Gesundheitsminister Alain Berset. «Aber sie sind notwendig.» Die Infektionszahlen steigen stark, 8616 Fälle meldete das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch, erneut ein Rekord.

Die Entscheide in der Übersicht:

1. Nur 50 Personen an Anlässen

Für Veranstaltungen wie Konzerte, Sportanlässe oder Gottesdienste gilt: Maximal 50 Gäste sind erlaubt. Das Personal, die Helfer, die Athleten oder die auftretenden Künstler zählen nicht dazu. Die Obergrenze gilt nicht für Parlamente oder Gemeindeversammlungen. In Theatern und Kinos muss jeder zweite Sitzplatz freigehalten werden. Märkte und Messen sind drinnen ganz verboten, nicht aber draussen.

2. Privat gilt: Maximal 10 Personen

Mehr als zehn Personen (Kinder und Erwachsene) sind nicht mehr erlaubt bei Anlässen, die in privaten Räumen stattfinden. Für Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage gilt die Obergrenze von maximal 50 Personen, falls diese Anlässe in klar definierten öffentlichen Einrichtungen wie Restaurants, Hotels oder etwa Kirchen stattfinden. Die Obergrenze von 50 Personen gilt auch für Beerdigungen.

3. Fitness und Sport: Was noch erlaubt ist und was nicht mehr

Im professionellen Bereich sind beispielsweise Matches erlaubt, die Zahl der Helfer und Athleten kann 50 übersteigen. Begrenzt ist die Zahl der Zuschauer auf 50. Härtere Regeln gelten im Amateurbereich: Gar nicht mehr erlaubt sind für alle über 16 Jahren Sportarten mit Körperkontakt wie Fussball, Hockey, Basketball, Tanzen oder Kampfsport. In anderen Sportarten sind Trainings erlaubt, allerdings sind nicht mehr als 15 Teilnehmende zugelassen.

In Innenräumen gelten eine Maskenpflicht sowie das Einhalten von Abstand. Im Freien darf trainiert werden, wenn der Abstand eingehalten oder eine Gesichtsmaske getragen wird. Joggen oder Skifahren als Einzelperson ist ohne Maske möglich (ausser an stark belebten Orten). Für Kinder und Jugendliche unter 16 gelten keine Einschränkungen bei Sporttrainings. In grossen, belüfteten Räumen wie Tennishallen kann auf das Tragen von Masken verzichtet werden. Schwimmbäder und Fitnesszentren dürfen offen bleiben. Allerdings gilt in Fitnesszentren eine Maskenpflicht, und der Abstand muss eingehalten werden.

4. Chorproben sind verboten, Blasmusik ist möglich

Einschränkungen gelten auch für Musik- oder Theatervereine. Professionelle Chöre dürfen proben, aber keine Konzerte geben. Laienchöre dürfen nicht einmal proben. Musizieren ist in Innenräumen gestattet, allerdings gilt die Obergrenze von 15 Personen. Der Abstand muss eingehalten werden, es gilt Maskenpflicht. In grossen Räumen kann bei genügend Abstand auf die Gesichtsmaske verzichtet werden, sodass etwa Proben mit Blasinstrumenten möglich sind. Geben die Vereine Konzerte, gilt die Obergrenze von 50 Personen, Anlässe brauchen ein Schutzkonzept.

5. Sperrstunde für Gastrobetriebe

Discos und Tanzlokale bleiben ganz zu. Restaurants und Bars dürfen geöffnet bleiben, müssen aber zwingend ab 23 und bis 6 Uhr schliessen. Konsumiert werden darf nur im Sitzen. Auf dem Weg an den Sitzplatz oder zur Toilette gilt die Maskenpflicht. An einem Tisch dürfen maximal vier Personen sitzen; ausgenommen sind Familien mit ihren Kindern. Auch in Mensen an obligatorischen Schulen dürfen mehr als vier Kinder am Tisch sitzen.

6. Maske auch in Fussgängerzonen

Neu muss auch im Freien an gewissen Orten eine Maske getragen werden. Trotz Widerstand aus mehreren Kantonen hat der Bundesrat eine Ausweitung beschlossen. Konkret müssen Masken neu in «belebten Fussgängerbereichen von urbanen Zentren und Dorfkernen» getragen werden. Sobald es im öffentlichen Raum zu einer Ansammlung kommt, etwa an einem schönen Tag in einem Park, muss ebenfalls Maske getragen werden, wenn der Abstand von anderthalb Metern nicht eingehalten werden kann.

Die Maskenpflicht gilt auch in den Aussenbereichen von Läden, Restaurants und Veranstaltungsorten sowie auf Wochenmärkten. Auch am Arbeitsplatz muss neu Maske getragen werden, sofern der Abstand nicht eingehalten werden kann. Weiterhin gilt auch: Ansammlungen von mehr als 15 Personen im öffentlichen Raum sind verboten.

7. Das ändert sich für Schüler, Studenten und Lehrer

An Gymnasien, Berufsschulen und anderen Schulen der Sekundarstufe II müssen Schüler und Lehrer neu eine Maske tragen. Ausgenommen sind Situationen, «in denen das Tragen einer Maske den Unterricht wesentlich erschwert», schreibt der Bund. Alle Universitäten und anderen Hochschulen müssen ab Montag auf Fernunterricht umstellen. Für die obligatorische Schule macht der Bund keine Vorgaben – hier sind die Kantone zuständig.

8. Der Bundesrat will keine neuen Unterstützungsmassnahmen

Neue Hilfsmassnahmen kündigte Wirtschaftsminister Guy Parmelin am Mittwoch lediglich in zwei Punkten an: Auch Mitarbeitende auf Abruf (und in unbefristetem Anstellungsverhältnis) erhalten künftig Kurzarbeitsentschädigungen. Dies gilt rückwirkend ab September. Kommenden Mittwoch will der Bundesrat zudem eine Lösung für Härtefälle beraten, so wie es ihm das Parlament aufgezwungen hat. Das Gesetz soll im Januar in Kraft treten. Ansonsten gibt es laut Parmelin keine neuen Massnahmen. Der Wirtschaftsminister sagte: Die seit Frühling geltenden Hilfen wie Kurzarbeitsentschädigungen sowie Entschädigungen für Selbstständige und Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung genügten derzeit.

9. Die Kantone dürfen strenger sein

Die Massnahmen, die der Bundesrat beschlossen hat, gelten in allen Kantonen. Kein Kanton darf lockerere Regeln beschliessen. Es ist den Kantonen aber erlaubt, härtere Massnahmen zu treffen. Dies ist in mehreren Kantonen bereits der Fall.

10. Immerhin kein Lockdown

Schmerzhaft, aber besser als ein Lockdown: So lautete der Tenor vieler Reaktionen. Die Parteien signalisierten von SP bis hin zur SVP grundsätzlich Unterstützung. Gleichzeitig erschallte der Ruf nach finanzieller Unterstützung: Der Arbeitgeberverband etwa pocht darauf, die Härtefallregelung müsse nun so rasch als möglich umgesetzt werden.

11. Quarantäneliste angepasst

Seit Sommer müssen Personen, die aus gewissen Ländern einreisen, zehn Tage in Quarantäne gehen. Bisher setzte der Bund grundsätzlich alle Länder auf die Risikoliste, die pro 100'000 Einwohner in den letzten 14 Tagen mehr als 60 Ansteckungen aufwiesen. Inzwischen überschreitet die Schweiz diesen Wert deutlich. Das bedeutet konkret: Bisher mussten Personen in Quarantäne, die aus Ländern einreisten, die weniger Ansteckungen verzeichnen als die Schweiz.

Das ändert der Bundesrat nun: Neu kommen Länder auf die Liste, deren Inzidenz um mehr als 60 höher ist als jene der Schweiz. Damit schrumpft die Liste von über 60 Ländern auf nur noch vier: Andorra, Armenien, Belgien und Tschechien sowie drei Gebiete in Frankreich, darunter Paris. Das sei kein Appell, wieder mehr zu reisen, betonte Berset: Momentan sei es wichtig, die Kontakte zu beschränken, ebenso die Reisen.

© CH Media

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