Schweiz

Bundespolizei stellt Fahndungen nach Pädokriminellen ein – die USA übernehmen

Die meisten Hinweise auf Kinderpronografie kamen schon bisher aus den USA. (Symbolbild: Keystone)

Die meisten Hinweise auf Kinderpronografie kamen schon bisher aus den USA. (Symbolbild: Keystone)

Die Bundesbehörde gibt die aktive Suche nach Kinderpornos im Internet auf. Die USA erledigen die Arbeit.

Jahrelang führte die Bundespolizei Fedpol ein Ermittlungsteam, das im Internet aktiv nach Kinderpornos und deren Konsumenten suchte. Diese Einheit ist schon länger aufgelöst, doch die Aufgabe bestand formell weiter. Nun ist offiziell Schluss damit, wie eine Fedpol-Sprecherin sagt: «Ab nächstem Jahr führt die Bundeskriminalpolizei keine verdeckten Fahndungen gegen Pädokriminelle mehr durch.»

Der Bund übergibt die Aufgabe an die Kantone, die ihre Cyberermittlungen in einem neuen Netzwerk koordinieren. Dass sie im gleichen Umfang wie früher Internetforen und Chatsysteme nach Pädokriminellen durchforsten werden, ist nicht zu erwarten.

Die Schweiz wird damit noch stärker von Meldungen aus den USA abhängig. Im vergangenen Jahr hat eine vom US-Kongress finanzierte Organisation über 8000 Verdachtsmeldungen übermittelt. Ohne diese Hinweise blieben die meisten Kinderpornokonsumenten in der Schweiz unentdeckt.

Die Methode ist allerdings problematisch. In den USA gibt es kein Datenschutzgesetz. Zudem ist Pornografie breiter definiert. Schon ein Bild mit viel nackter Haut kann darunterfallen. Die Algorithmen, mit denen die Bilddatenbanken automatisch durchsucht werden, sind deshalb so programmiert, dass auch Strandfotos mit Kindern erfasst werden. Die Internetprovider sind in den USA verpflichtet, die Daten der Urheber in diesen Fällen sofort herauszugeben. So können auch Ferienbilder von Schweizer Familien, die in einem US-Dienst gespeichert sind, plötzlich in Verdacht geraten.

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