Fluglärmstreit
Auf deutscher Seite ist kein Nachgeben zu erwarten

Im Fluglärmstreit ist auf deutscher Seite kein Nachgeben zu erwarten. Dies bewies Landrat Tilman Bollacher diese Woche.

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Fluglärm

Fluglärm

Limmattaler Zeitung

Oliver Steimann

Wenn zwei Parteien gegenseitig Forderungen stellen, selbst aber nichts anzubieten haben, sind Verhandlungen zum Vornherein zwecklos. Diese Patt-Situation im Fluglärmstreit mit Süddeutschland wird so rasch nicht zu lösen sein, wie der Waldshuter Landrat Tilman Bollacher diese Woche bei einem Auftritt in Regensdorf darlegte. In einer kämpferischen Rede vor den Delegierten des Flughafen-Schutzverbands zerzauste er alle Anstrengungen, die von Schweizer Seite her in den letzten Monaten unternommen wurden.

Insbesondere in den Bemühungen um eine Verwirklichung des einheitlichen europäischen Luftraums (Single European Sky, SES) sieht er kein Argument gegen deutsche Anflugbeschränkungen. Zwar ziele SES darauf ab, unnötige Umwege im Flugverkehr zu vermeiden. «Doch gerade in Zürich fliegen die Maschinen grosse Umwege, um von Norden her landen zu können.» 80 Prozent der von Norden anfliegenden Jets kämen ursprünglich aus anderen Himmelsrichtungen.

Weitere Reduktion gefordert

Die Schweiz habe in allen Gesprächen bislang immer über die Köpfe der süddeutschen Anwohner hinweg agiert, so Bollacher. «Dass wir überhaupt Lärm haben, wurde von offizieller Seite noch gar nie ausdrücklich anerkannt.» Dabei sei man in seinem Landkreis gesprächsbereit, betont er und streckt demonstrativ seine Hand in Richtung Zürich aus.

Seinen weiteren Ausführungen muss jedoch entnommen werden, dass die Hand leer ist. Bollacher ist mit dem heutigen Zustand nämlich alles andere als zufrieden und fordert eine Verschärfung der Sperrverordnung. «So wie heute kann es nicht weitergehen», betont er. Man sei zwar bereit, maximal 80 000 Anflüge pro Jahr mitzutragen - heute seien es aber über 100 000.

Der Frage, ob er im Gegenzug zeitweise auch Nordanflüge in Tagesrandstunden akzeptieren würde, weicht er aus. «Der Schlüssel liegt in der Schweiz», so sein Lösungsansatz. Technisch sei es möglich, Süddeutschland nahezu gänzlich von Fluglärm zu befreien. Deshalb müsse man zunächst von einer Null-Lärm-Lösung für Süddeutschland ausgehen.

Das Argument, die Nordausrichtung des Flughafens sei historisch gewachsen, lässt er dabei nicht gelten. «Wäre Zürich ein deutscher Flughafen, wären alle betroffenen Regionen jeweils in die Planungsprozesse eingebunden worden. Stattdessen hat die Schweiz, ohne je um Erlaubnis zu fragen, über unser Gebiet hinweg geplant.»

«Alle Anflugrichtungen nutzen»

Der Landrat fordert seine südrheinischen Nachbarn dringend auf, die süddeutsche Bevölkerung nicht länger als Ursache des Problems, sondern endlich auch als Betroffene zu betrachten. Für eine tragfähige Lösung müsse der Flughafen «alle Anflugrichtungen nutzen, ansonsten wird es immer irgendwo Unzufriedene geben». Technokratisch, mit Lärm-Index oder Belastungsberechnungen, lasse sich der Streit nicht beenden.

Auch auf juristischem Weg werde man sich nicht näher kommen. Die Schweiz versucht es dennoch: Am 9. September wird der Europäische Gerichtshof die Klage gegen die deutsche Anflugverordnung als letzte Instanz behandeln.

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