Militär
Armeechef will Internet-Viertelstunde für Rekruten einführen

Armeechef Philippe Rebord plant, den Einstieg in die Rekrutenschule attraktiver zu gestalten. Mithelfen soll eine Internet-Viertelstunde, in der die Rekruten auf dem Handy surfen dürfen.

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Kopie von Philippe Rebord
21 Bilder
Rebord ist seit Anfang 2017 Chef der Schweizer Armee.
Parmelin und der neue Armeechef auf dem Weg zur Pressekonferenz im September 2016, als Rebord vorgestellt wurde.
Das offizielle Porträtfoto von Philippe Rebord.
Rebord nahm zu diversen Fragen Stellung an der Medienkonferenz. Unter anderem sagte er, der Zivilschutzdienst sei zu attraktiv.
Eine Insignie als Zeichen für das Berufsmilitär über dem Namensschildchen von Rebord.
Bundesrat Parmelin bei der Vorstellung des neuen Armeechefs
Rebord an der Pressekonferenz.
André Blattmann, der frühere Armeechef, tritt auf Ende 2016 zurück.
André Blattmann.
André Blattmann.
André Blattmann auf Truppenbesuch mit Ueli Maurer.

Kopie von Philippe Rebord

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Dieser Plan dürfte noch zu reden geben: Der Chef der Schweizer Armee, Philippe Rebord (60), will eine Internet-Viertelstunde für Rekruten einführen – und zwar tagsüber während des Dienstes. Heute bleibe den jungen Menschen nur die Nacht, um zu surfen. "Und wenn der Rekrut während der Nacht surft, hat er nach zwei Tagen ein Problem", sagt Rebord im Interview mit dem "Tages-Anzeiger".

Hinter dieser Massnahme steht Rebords Sorge, dass viele Armee-Neulinge kurz nach RS-Beginn ihre Kampfstiefel an den Nagel hängen. "Wir wollen den Einstieg in die Armee etwas sanfter gestalten, um im ersten Monat weniger Leute zu verlieren", sagt Rebord. Die Internet-Viertelstunde sei eine von mehreren Massnahmen, die zur Diskussion stünden. In Offizierskursen gewähre man den Anwärtern auch regelmässig eine Stunde, in der sie sich privaten Geschäften widmen könnten.

Rebord ist überzeugt: Die Armee muss sich an die Gesellschaft anpassen. Die Generation, die nun in die Rekrutenschule kommt, habe ein anderes Weltbild als die Jungen zuvor. Auf die heutigen Rekruten sei aber Verlass.

Die Ausrüstung eines Schweizer Rekruten:

Die Ausrüstung eines Rekruten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
50 Bilder
Sturmgewehr 90
Die Pistole erhalten nicht alle Rekruten.
Effektentasche
Grundtrageeinheit
Kampfrucksack
Militärschokolade und -biscuits
Transporttasche mit -wagen
Sackmesser
Pamir
Kleidertasche für Tenü A
Tagesrucksack
Schlafsack
Rollmütze
Gamelle
Leuchtweste
Dienstbüchlein und Leistungsausweis
Erste-Hilfe-Set
Magazin für Sturmgewehr 90
Gebissschutz
Veston (Tenü A)
Helm
Ohrenpfropfen
Ausgängerhose mit Gurt (Tenü A)
Besteck
T-Shirt funktionell
Fleece-Jacke
Bajonett
Schuhputzzeug
Kampfstiefel Die neusten Kampfstiefel hat die Armee beim italienischen Unternehmen AKU geordert. Ihre Produktionsstätten befinden sich in Rumänien.
Lange Unterwäsche
Trinkflasche
Béret
Gewehrputzzeug
Gasmaske
Unterwäsche Boxershorts, Damenslips und Unterhosen bezieht die Armee bei der Fabrik Amrit Exports in Indien und bei zwei Schweizer Firmen, die wiederum in Osteuropa produzieren.
Gurt (Tenü A)
Gurt (Tenü B/C)
Regenschutz (verstaut)
Vom Tarnanzug gibt es zwei Sorten: Arbeitsanzug für ins Feld (Tenü C) und Dienstanzug (Tenü B) für das Einrücken und ausserdienstliche Anlässe.
Tarnhose mit Gurt und Beinelastik
Krawatte
Kälteschutzanzug
Fingerhandschuhe
Roll-Shirt funktionell
Gnägi-Hemden Als die Herstellung der legendären Rollkragenleibchen im Jahr 2003 aus der Innerschweiz ins Ausland ausgelagert wurde, hagelte es politische Proteste. Ohne Erfolg. Unterdessen wurden die Leibchen in verschiedenen Ländern hergestellt. Unter anderem in Thailand, Rumänien und Indien.
T-Shirt grün
Hemden Für die Lieferung von Hemden und Blusen vergab die Armasuisse jüngst einen Auftrag an die J. Weder-Meier AG in Diepoldsau SG. Wo die Kleidungsstücke produziert werden, ist jedoch nicht bekannt.

Die Ausrüstung eines Rekruten. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Keystone

Frauen sehr willkommen

Rebord zeigt sich auch an einem höheren Frauenanteil sehr interessiert. Von der Einführung eines obligatorischen Orientierungstags für Frauen verspricht er sich eine Verdreifachung des Frauenanteils, der derzeit weniger als 1 Prozent beträgt.

Aber es existiere kein Geheimplan, um die Wehrpflicht für Frauen einzuführen, hält Rebord fest. Die Anpassung des Wehrmodells sei eine Aufgabe der Politik.

Rebord ist seit dem 1. Januar 2017 Chef der Armee. Er übernahm das Amt von André Blattmann. Als grösste Herausforderung bezeichnete Rebord bei seiner Ernennung die Umsetzung der Armeereform WEA, die Anfang 2018 beginnt. Blattmann trat vorzeitig zurück, um seinem Nachfolger nicht ein angefangenes Umsetzungsprojekt zu überlassen. (mwa/sda)

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