Afghanistan
Der Schweizer Katastrophenmanager: Er leitet die heikle Evakuierung aus Kabul

Hans-Peter Lenz aus dem Aussendepartement ist für die Notfalleinsätze verantwortlich. Krisen und Katastrophen prägen seinen Alltag seit Jahrzehnten. Wer ist der Mann?

Sven Altermatt
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Hans-Peter Lenz führt das Krisenmanagementzentrum im Aussendepartement. Er ist sehr erfahren auf dem internationalen Parkett.

Hans-Peter Lenz führt das Krisenmanagementzentrum im Aussendepartement. Er ist sehr erfahren auf dem internationalen Parkett.

Bild: Anthony Anex/Keystone

Der grossgewachsene Mann mit der faltigen Stirn und dem breiten Berner Hochdeutsch strahlt eine Ruhe aus, als könnten ihm auch übelste Naturgewalten nichts anhaben. Hans-Peter Lenz ist der Schweizer Katastrophenbekämpfer der Stunde. Der 63-Jährige im Range eines Botschafters leitet das Krisenmanagementzentrum im Aussendepartement. Nun verantwortet er eine komplexe Evakuierungsaktion: 230 gefährdete Personen sollen aus Kabul ausgeflogen werden.

Am Dienstag machte Lenz vor den Medien in Bern klar, dass man sich in der Schweiz von der Idee verabschieden müsse, dass es gelinge, mit einem hiesigen Flug alle Gefährdeten gleichzeitig aus dem Land zu bringen. «Die Lage am Flughafen in Kabul ist unübersichtlich», fasste Lenz zusammen, «sie ändert sich stündlich.»

Katastrophen und Krisen prägen seit Jahrzehnten die Arbeit von Lenz. Einst war der gebürtige Emmentaler und ausgebildete Lehrer für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unterwegs. Die Organisation ist mit dem Bund – geprägt von der Denkschule der Neutralität – traditionell eng verzahnt. Als IKRK-Delegierter war Lenz unter anderem im Kaukasus und in Ruanda stationiert. Mal versorgte er Geflüchtete unter widrigsten Umstände mit Hilfsgütern, mal war er an einem Gefangenenaustausch beteiligt.

1995 wechselte Lenz ins Aussendepartement, wo er Führungsposten im Bereich «Humanitäre Hilfe» innehatte. Umweltkatastrophen wie die Erdbeben in Haiti und Pakistan beschäftigten ihn ebenso wie der Krieg auf dem Balkan.

Früh gefordert in der Coronakrise

Danach übernahm Lenz einen diplomatischen Posten. 2014 ernannte ihn der Bundesrat zum Botschafter in Jordanien und im Irak. Während vier Jahren war er Missionschef in Amman. Es war eine überraschende Personalie: Lenz hatte keine Diplomatenlaufbahn absolviert, sich zuvor nicht an den typischen Versetzungsposten abverdient.

Gefordert schon in der Coronakrise: Hans-Peter Lenz (Mitte) mit dem damaligen BAG-Krisenmanager Daniel Koch (rechts) und Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft.

Gefordert schon in der Coronakrise: Hans-Peter Lenz (Mitte) mit dem damaligen BAG-Krisenmanager Daniel Koch (rechts) und Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft.

Marcel Bieri

2018 schliesslich stiess Lenz ins Krisenmanagementzentrum in Bern. Fortan sorgte er sich um das Wohl gefährdeter Staatsangehöriger im Ausland. Schon einmal im Spätherbst seiner Karriere war er voll gefordert, schon einmal musste er unversehens vor die Kameras und Mikrofone treten: Im März 2020 startete die Schweiz die grösste Rückholaktion ihrer Geschichte. Als die Coronakrise losbrach und die Grenzen dichtgemacht wurden, evakuierten Lenz’ Leute über 7000 Schweizerinnen und Schweizer.