Börsenguru Dieter Behring (63) müsste eigentlich Ende Monat ins Gefängnis, um seine fünfeinhalb jährige Freiheitsstrafe anzutreten, zu der er vom Bundesstrafgericht im September 2016 verurteilt worden war. Doch wegen gravierender gesundheitlicher Probleme ist der Antritt der Strafe unwahrscheinlich. Behring ist momentan hospitalisiert.

Der Monsterfall um den im Kanton Aargau domizilierten Finanzjongleur wird derweil um eine weitere Episode reicher. Sein amtlicher Verteidiger, Rechtsanwalt Roger Lerf aus Bern, hat eine noch höhere Entschädigung erstritten.

Im Urteil des Bundesstrafgerichts vom 30.September 2016 war der Betrag auf 750‘050 Franken festgesetzt worden. Lerf erhob dagegen Beschwerde. Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts musste den Fall neu beurteilen und kommt Lerf nun entgegen. Dieser erhält ganze 808‘160 Franken. Der entsprechende Beschluss datiert vom 18.Dezember 2018 und wird heute publiziert.

Diesem Entscheid ist zu entnehmen, dass Lerf insbesondere für den Einsatz einer Praktikantin noch mehr Honorar verlangt hatte. Sie soll 1693 Stunden für den Fall investiert haben. Doch ist der Anwalt mit seinen Forderungen über das Ziel hinausgeschossen. „Der veranschlagte Gesamtaufwand für die betreffenden Leistungen erscheint auch in Berücksichtigung des Umfangs und der Komplexität des Verfahrens als überaus hoch und nicht mehr nachvollziehbar“, heisst es wörtlich.

Es falle zudem auf, dass für das Fallstudium und die Vorbereitung der Hauptverhandlung oft 8 und mehr Stunden pro Tag verbucht worden seien. Dazu wird kommentiert: „Ein effektives Aktenstudium von täglich 8-9 Stunden über einen längeren Zeitraum ist unrealistisch.“ Auch Auslagen von 1‘256.30 Franken für Telefonspesen, Porti und Kopien bezeichnet das Gericht als „nicht nachvollziehbar“ und stuft diese auf eine Pauschale von 150 Franken zurück.

Lerf war gegen den Willen von Dieter Behring dazu verpflichtet worden, die amtliche Verteidigung zu übernehmen. De facto wurde Behring von Bruno Steiner verteidigt, der dies gratis machte. Es war nur eine der vielen Merkwürdigkeiten in diesem Monsterverfahren, das mit der Verhaftung Behrings 2004 begonnen hatte.

Zumindest finanziell hat es sich für den Berner Rechtsanwalt gelohnt. Allerdings musste er sich üble Beschimpfungen von Behring anhören. „Es gibt leider nichts zu finden, wofür es sich lohnt, dir und deinen Mitarbeitern zu danken“, schreibt Behring am 17.Dezember 2017 an Lerf und verbietet ihm, Beschwerde gegen das schriftlich erfolgte Urteil in seinem Namen einzulegen.  

Dieter Behring wurde dazu verurteilt, der Eidgenossenschaft für die Entschädigung seiner amtlichen Verteidigung Ersatz in vollem Umfang zu leisten, sobald er dazu in der Lage ist. Dies betrifft laut dem jüngsten Beschluss die Honorarkosten von 750‘050 Franken. Doch es müsste schon ein Wunder geschehen, dass Behring dazu in der Lage wäre. Sein früheres Vermögen – er lebte in Basel in Saus und Braus – ist nicht mehr vorhanden.

Behring hat folglich nicht nur etliche Anleger geprellt, sondern auch die Allgemeinheit. Die Kosten für die amtliche Verteidigung gehen wohl definitiv zu Lasten des Staates – von den Verfahrenskosten für Bundesanwaltschaft und Gerichte, welche sich über Jahre mit diesem Fall beschäftigt haben, ganz zu schweigen.