5er-Regel
«Jede Kindergeburtstagsparty ist ein Eiertanz»: Lockert der Bundesrat das Besuchsverbot für Grossfamilien?

Haushalte mit mehr als fünf Personen dürfen wegen des Coronavirus keine Gäste empfangen. Jetzt fordern mehrere Kantone den Bundesrat dazu auf, diese Regel ab März wieder aufzuheben.

Kari Kälin
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Das Coronavirus diktiert das Sozialleben: Grosse Familien dürfen aktuell keine Gäste empfangen.

Das Coronavirus diktiert das Sozialleben: Grosse Familien dürfen aktuell keine Gäste empfangen.

Bild: Getty

Seit Mitte Januar dürfen sich in Haushalten nur noch fünf Personen treffen. Jetzt fordern rund zehn Kantone, dass der Bundesrat diese Regel ab Anfang März aufweicht. Dies sagt Tobias Bär, Sprecher der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK). Der Grundtenor laute, die Grenze auf 10 Personen anzuheben. In ihrer Stellungnahme zu den ersten vom Bundesrat geplanten Öffnungsschritten schreibt die GDK: «Familien mit drei oder mehr Kindern befinden sich faktisch seit Wochen in Isolation.» Ein solcher Zustand dürfe nicht noch länger andauern. Vom faktischen Besuchsverbot sind in der Schweiz fast 1,2 Millionen Menschen betroffen. Sie leben in Haushalten mit fünf oder mehr Personen.

Die Berner Epidemiologieprofessorin Nicola Low bezeichnete die 5er-Regel Mitte Januar als sinnvoll, weil somit die Kontakte an einem Ort beschränkt würden, an dem es keine Schutzkonzepte gebe.

FDP-Ständerat Caroni schreibt mehreren Bundesräten

Angesichts sinkender Fallzahlen mit dem Coronavirus verlangen auch einige Parteien das Ende des faktischen Besuchsverbots für Familien mit mehreren Kindern. Dazu zählt wenig überraschend die SVP, aber auch die Mitte. Fraktionschefin Andrea Gmür: «Die 5-Personen-Regel bedeutet für Familien mit Kindern faktisch ein Kontaktverbot.» Sie sei nicht praktikabel, sagt die Luzerner Ständerätin. FDP-Vizepräsident und Ständerat Andrea Caroni (AR), zweifacher Vater, hat sogar mehreren Bundesräten, «den besonders liberalen Geistern», wie er sagt, geschrieben. Er fordert, dass wenigstens Kinder bis zwölf Jahre nicht mehr mitgezählt werden. «Jede Kindergeburtstagsparty ist ein Eiertanz», sagt er. Es sei nicht nachvollziehbar, dass eine fünfköpfige Familie kein Nachbarskind einladen, aber fünf Erwachsene aus fünf Haushalten zusammen jassen dürften.

Ob der Bundesrat die 5er-Regel lockert, wird sich am Mittwoch zeigen.