1. Viola Amherd hat ein Faible für Anarchie. Warum?

Anarchie, das Ideal einer Welt ohne Zwang und Gewalt. Ausgerechnet dafür begeisterte sich Viola Amherd, heute 56 Jahre alt, als junge Frau. Im Kollegium Spiritus Sanctus in Brig setzte sich die 20-jährige Amherd mit Anarchie auseinander – in ihrer Philosophiearbeit für die Matura. Noch heute, über 30 Jahre später, findet Amherd: «Wenn sich jeder anständig benimmt und an die schwächeren Mitmenschen denkt, bräuchten wir kein staatliches Korrektiv. Aber leider führen sich nicht alle so auf. Wir brauchen unseren Staat.»

2. Wo steht Amherd politisch?

Viola Amherd politisiert nach dem Prinzip «Mass und Mitte»: Die Positionen der Oberwalliser Anwältin und Notarin liegen durchweg in der Mitte des politischen Spektrums, in Wirtschaftsfragen sind sie ein wenig bürgerlicher als der CVP-Schnitt. Profiliert hat sie sich mit Jugendschutzthemen. Beharrlich ist Amherd, wenn es darum geht, die Interessen der Bergkantone durchzusetzen – allen voran des Kantons Wallis. Vehement fordert sie den Ausbau des Lötschbergtunnels, verlangt die Steuerbefreiung von Pistenfahrzeugen und bemüht sich um eine bessere Versorgung der Randgebiete. Nur bei gesellschaftlichen Fragen macht es Amherd den Konservativen nicht leicht. In den 1990er-Jahren kämpfte sie für die Fristenlösung, aktuell für den vierwöchigen Vaterschaftsurlaub und die Homo-Ehe. Dass sie deswegen als linke Politikerin tituliert worden ist, nervt Amherd.

Viola Amherd: «An Frau Bundesrätin gewöhne ich mich bald»

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In einem ersten Interview erzählt die frisch gewählte CVP-Bundesrätin von ihren ersten Eindrücken.

3. Was sind Amherds Stärken?

Seit 2005 sitzt Amherd im Nationalrat, lange Jahre war sie Briger Stadtpräsidentin. Sie gilt als Politikerin ohne Show-Effekte. Die Schweiz kennt für dieses Profil eine eigene Kategorie: stille Schaffer. In dieser Kategorie münden die Adjektive, die Freund und Feind über sie verbreiten. Dossierfest, pragmatisch und uneitel, aber auch fade, spröde und zurückhaltend. Amherd selbst präsentiert sich als Lösungssucherin: «Wenn ich einen Kompromiss schmiede, will ich die Argumente aller Beteiligten verstehen.» Tatsächlich verweisen Politiker aller Couleur auf ihre Kompromissbereitschaft.

4. Was sind ihre Schwächen?

Ihre Stärken sind gewissermassen auch ihre Schwächen. Amherd sei «nicht spektakulär, aber unheimlich effizient», sagt ihr Obwaldner Fraktionskollege Karl Vogler. «Die Strahlkraft von Doris Leuthard hat sie nicht», bedauert ein anderer CVP-Parlamentarier. Der «Blick» bezeichnete sie gar als «mächtige Mauerblume». Amherd ist keine grossartige Rhetorikerin. Sie punktet mit feiner Ironie, schwingt allerdings keine mitreissenden Reden.

5. Was ist ihr Lieblingsessen?

Die Reporter der «Schweizer Illustrierten» waren hell begeistert, als Amherd sie kürzlich für eine Home-Story in ihr Chalet auf der Bettmeralp VS lud – und Raclette auftischte. Mehr Wallis geht nicht, das weiss die Politikerin natürlich. «Raclette ist mein Lieblingsmenü», sagt Amherd, «auch wenn ich damit ein Klischee bediene.» Zum Käse trinkt sie gern ein Glas Chardonnay.

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