Worüber sich Gross und Klein freut

Wer in Wolfwil zur Aarefähre hinunter wandert, gelangt zuerst ins «Löchli». Erwachsene wie Kinder verweilen hier gerne vor den Entenweihern, den einzigartigen Wasserspielen, den originellen Sprüchen, vor der Blumenpracht und auf den einladenden Sitzgelegenheiten.

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Worüber sich Gross und Klein freut

Worüber sich Gross und Klein freut

Solothurner Zeitung

Erich Schenker

Das stille Ehepaar Marie und Bernhard Kissling-Boss will damit sich und den Mitmenschen Freude bereiten. Bei der Vorstellung von Konzeptmöglichkeiten für Wolfwil, die Kulturgüter der Bevölkerung näher zu bringen, wurde ihr Werk gleich zweimal als Verschönerung des alten Wolfwiler Dorfkerns lobend erwähnt.

«Als ich pensioniert war, heckte ich mir selber neue Aufgaben aus. Da stiessen wir beim Wandern ob Wolfisberg zum Beispiel auf einen Baumstamm, der mir gleich ins Auge stach wegen seiner geschwungenen Form. Das war das Holz für meinen ersten Brunnen.

Als Brunnenstock diente mir ein umgestülptes Stammstück mit drei Astgabeln. Darauf setzten wir eine blumenreiche Schale zur Krönung des Vorgängers des heutigen Löchlibrunnens», berichtet Bernhard Kissling.

Gehirn als sprudelnde Quelle

Bernhard Kissling gelangen fast immer die weiteren Brunnen und Wasserspiele. Denn er liebt die Aare, das Spiel des Wassers, sein zartes und auch sein wildes Rauschen, hatte er doch als Angestellter der Kraftwerke Wynau-Schwarzhäusern täglich mit dem Wasser und seiner beeindruckenden Kraft zu tun. Eine familieneigene Quelle spendet hier das Wasser, und Holz wie Metalle bearbeiten lag Kissling seit je.

«Einmal konnte es jemand fast nicht glauben, dass ich alle Wasserspiele selber und nach meiner eigenen Vorstellung im Kopf ausgedacht und gemacht habe. So ist die Spannung für mich vom Anfang bis zum Schluss am grössten. Wenn etwas fertig war, so musste ich mir gleich eine neue Arbeit aushecken.

Denn ich wollte mich im Alter nicht langweilen.» Und Ehefrau Marie Kissling ergänzt: «Ja, wenn es still um ihn wurde, dann wusste ich, dass ‹wieder öppis im Tue isch›.»

Die Ruhe in der Bewegung

Die Brunnen bei der grossen «Mülischür» östlich der Strasse werden vom mühleeigenen «Bürstli»-Quellwasser gespeist. Hier fällt ein grosses, bis an die Dachtraufe hinauf reichendes Mammut auf, das entdeckerfreudige Kinder mit- hilfe einer alten Pumpe zum Wasserspeien bringen können.

Vor dem Wohnhaus bewegt Wasserkraft verschiedene Installationen, leise begleitet vom ruhigen Dahinplätschern. Völlig lautlos vollzieht das Unendlichband seine verschlungene Bahn. Dies alles strömt eine auffallende Ruhe aus. Man verweilt ganz einfach und bewundert ...

Die Blumenpracht als Krönung

Was Marie Kissling in beschaulicher Absprache mit ihrem Mann an Blumenfarben herbeizaubert, pflegt und gedeihen lässt, krönt die ganze einmalige Anlage an Wasserspielen und Räderwerken. Als Berner Oberländerin hat sie im mitgestalteten «Löchli» ihre zweite Heimat gefunden. Sie sagt bescheiden: «Es isch schön do.» Und: Wo immer Bernhard Kissling kann, lässt er die Natur für sich sprechen und belässt den Wassertieren ihren Lebensraum.

Gefragt nach ihren Wünschen, meinte das Ehepaar nur: «Neben den vielen beglückten Besuchern gibt es ganz wenige, die leider den Spruch beim ‹Löchlibrunne› nicht beachten: «Liebst du die Ordnung, setz dich nieder; kennst du sie nicht, verschwinde lieber». – Ihre uneigennützige Verschönerung des jahrhundertealten Wolfwiler Dorfkerns verdiente eigentlich eine kleine Anerkennung vonseiten der Gemeinde.

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